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Bericht zum Finanzsystem : EZB warnt vor erhöhten Risiken

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Bild: F.A.Z.

Die Ungleichgewichte auf den Märkten vergrößern sich, beobachtet die Europäische Zentralbank. Die größte Gefahr für das Finanzsystem liege darin, daß sich Investoren auf der Jagd nach Rendite zu viele Risiken aufgeladen hätten.

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          In den vergangenen sechs Monaten haben sich die finanziellen Ungleichgewichte sowohl global als auch im Euro-Raum vergrößert. Gleichwohl habe sich die Stärke und Widerstandskraft des Finanzsystems im Euro-Raum verbessert, resümiert die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem halbjährlichen Bericht über die Stabilität des Finanzsystems. Die größte Gefahr für das Finanzsystem liege darin, daß sich Investoren auf der „Jagd nach Rendite“, die 2003 begann, zu viele Risiken aufgeladen hätten.

          Für die weitere Entwicklung sei das wahrscheinlichste Szenario, daß sich die Ungleichgewichte ohne größere Turbulenzen abbauten, schreibt die EZB. Doch sei nicht auszuschließen, daß die Risikomanagementsysteme und Verlustabsorptionskapazitäten der zentralen Finanzinstitutionen in nächster Zeit „schwer getestet“ würden. Einen Vorgeschmack darauf haben die globalen Investoren in den vergangenen Wochen erhalten, als es an zahlreichen Finanzmärkten zu heftigen Kursturbulenzen kam. Bislang ist allerdings noch kein Fall bekanntgeworden, daß ein größerer Marktteilnehmer dadurch in größere Schwierigkeiten gekommen wäre.

          Preise übermäßig nach oben getrieben

          Nach Einschätzung der EZB besteht insbesondere auf den Märkten für Unternehmensanleihen und Kreditrisikotransfer das Risiko, daß renditehungrige Anleger die dort gezahlten Preise übermäßig nach oben getrieben haben. Mit wachsender Nervosität werde insbesondere das beständige exponentielle Wachstum am Markt für Risikotransferprodukte verfolgt. Dies um so mehr, als sich die intransparenten Hedge-Fonds zusehends in diesen oft hochkomplexen Instrumenten betätigten. Derzeit sei unklar, ob diese Märkte auch unter Stressbedingungen funktionierten.

          EZB-Chef Trichet weist auf Gefahren hin

          Wie sich dem Bericht entnehmen läßt, ist eines der wichtigsten Instrumente für den Kreditrisikotransfer, sogenannte Credit Default Swaps (CDS), in kurzer Zeit in astronomische Größenordnungen gewachsen. Bei diesen CDS handelt es sich um eine Art Kreditversicherung. Das Nominalvolumen der mit CDS versicherten Kredite stieg von rund 2.000 Milliarden Dollar im Dezember 2002 auf rund 17.000 Milliarden Dollar im vergangenen Dezember - und dürfte inzwischen bereits deutlich höher liegen. Ähnlich wie der CDS-Markt sind auch die Märkte für verwandte Produkte in jüngster Zeit enorm gewachsen, darunter zum Beispiel der Markt für „Collateralized Loan Obligations“ (CDO) und für handelbare CDS-Indexprodukte wie die „iTraxx“-Indizes.

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