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Bericht vom internationalen Finanzmarkt : In Amerika wächst der Optimismus

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die positiven Konjunkturdaten aus Amerika führen zu einer Abkoppelung vom Euro-Thema. In der laufenden Woche wird es allerdings ernster, weil die Berichtssaison für das vierte Quartal ansteht.

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          Das neue Jahr hat begonnen, wie das alte aufgehört hat: In Europa wachsen die Sorgen, in Amerika wächst der Optimismus. Ablesen konnte man das in der vergangenen Woche am Wechselkurs des Dollar zum Euro. Es war die fünfte Woche in Folge, in dem die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar gefallen ist. Zum Wochenschluss wurden in New York nur noch 1,27 Dollar für einen Euro gezahlt. Seit Februar 2010 hatte der Euro nicht mehr über einen so langen Zeitraum nachgegeben. Dazu war es die schwächste Woche für den Euro seit vier Monaten. Um durchschnittlich 1,3 Prozent ist der Euro gegen neun Währungen anderer Industrieländer gefallen, meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die schwache Nachfrage bei einer Auktion französischer Staatsanleihen in der vergangenen Woche schürte die Furcht vor einer Eskalation der europäischen Schuldenkrise. Die durchschnittliche Rendite der zehnjährigen Anleihen lag mit 3,29 Prozent deutlich über den 3,18 Prozent, die noch Anfang des vergangenen Monats erzielt wurde. Auch Deutschland stieß bei der Aufstockung einer zehnjährigen Anleihe auf verhaltene Nachfrage. Die Rendite sank auf 1,93 Prozent.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          In der kommenden Woche wird es weitere Hinweise zur Haltung von Marktteilnehmern geben, wenn neben Deutschland und Frankreich auch Italien, Spanien und Griechenland weitere Schuldverschreibungen plazieren werden. „Einer der markttreibenden Faktoren für den Markt ist der generelle Mangel an Nachfrage für europäische Vermögenswerte“, sagte Shahab Jalinoos, ein Devisenmarktstratege bei der amerikanischen Tochtergesellschaft der Schweizer Bank UBS gegenüber Bloomberg. Es gebe genügend Quellen für weitere schlechte Nachrichten, auf die sich der Markt einstellen könnte. „Alle schlechten Nachrichten sind noch nicht eingepreist“, konstatiert Jalinoos.

          200.000 neue Stellen

          Dagegen fielen die jüngsten Meldungen aus den Vereinigten Staaten überraschend positiv aus. So hat sich im Dezember die Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt deutlich aufgehellt. Es wurden 200.000 neue Jobs geschaffen - doppelt so viele wie im Vormonat. Die Arbeitslosenquote ging leicht auf 8,5 Prozent zurück. Zusammen mit anderen positiven Konjunkturdaten sorgte das für gute Stimmung an den amerikanischen Börsen. Der Aktienindex S&P 500 stieg in der vergangenen Woche um 1,6 Prozent. Das war der zweitbeste Jahresauftakt der vergangenen sechs Jahre. Das deutsche Aktienbarometer Dax ist in der vergangenen Wochen sogar um 2,7 Prozent gestiegen. Ein überraschend starker Rückgang der Auftragseingänge in der Industrie schürte vor dem Wochenende allerdings wieder Konjunktursorgen.

          Parallel zum Anstieg der amerikanischen Aktienkurse ist das amerikanische „Angst-Barometer“ VIX, das die erwarteten Schwankungen der Aktienkurse misst, auf den niedrigsten Stand seit vergangenen Juli gefallen. Im dritten Quartal 2011 waren die Börsenkurse wegen der Euro-Krise und der Abstufung der amerikanischen Bonität durch eine Ratingagentur noch Achterbahn gefahren. Auch die amerikanischen Kleinanleger sind in deutlich besserer Stimmung. Nach einer Umfrage des Anlegerverbandes American Association of Individual Investors rechnet fast die Hälfte der befragten Mitglieder mit steigenden Aktienkursen. In der Woche zuvor waren es nur zwei Fünftel gewesen. Käufe von Kleinanlegern sind allerdings oft ein Gegenindikator, da diese Investorengruppe in der Regel erst spät auf Trends reagiert.

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