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Tanken immer günstiger : Benzinpreis fällt unter 1,70 Euro

Abschied von 2 Euro je Liter: Kraftstoff ist wieder etwas günstiger geworden. Bild: dpa

Für Autofahrer gibt es im Moment eine günstige Entwicklung: Die Preise für Super und Diesel sinken. Nach Zeiten mit Kraftstoff für mehr als 2 Euro je Liter ist das für viele eine willkommene Entlastung der Haushaltskasse.

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          Die Preise an Deutschlands Tankstellen sind zuletzt wieder etwas gefallen. So sank der Preis für Super E10 am Dienstag im Tagesverlauf zeitweise im Bundesdurchschnitt erstmals seit längerem wieder unter 1,70 Euro je Liter. Das berichtet das Internetportal Clever Tanken.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Tagesdurchschnitt kostete der Kraftstoff am Dienstag 1,739 Euro je Liter – das waren rund 4,6 Cent je Liter weniger als vor einer Woche, wie der Autoklub ADAC am Mittwoch aufgrund seiner wöchentlichen Auswertung der Preise von 14.000 Tankstellen mitteilte. Dieselkraftstoff verbilligte sich auf Wochensicht sogar um 5,6 Cent, auf 1,843 Euro.

          Entspannung am Rohölmarkt

          Der ADAC führt die aus Autofahrersicht erfreuliche Preisentwicklung insbesondere auf die in den vergangenen Wochen erfolgte Entspannung am Rohölmarkt zurück. So pendelt der Preis für ein Barrel (Fass zu rund 159 Litern) der Nordseesorte Brent mittlerweile um die 85 Dollar, nachdem er vor gut zwei Wochen rund zehn Dollar höher lag. Auch der Wechselkurs des Dollars zum Euro habe sich zuletzt etwas zugunsten der Autofahrer verschoben, berichtet der Autoklub.

          Der Preis für Heizöl dagegen notierte nach Zahlen Internetplattform Heizoel24 am Mittwoch wieder leicht höher als noch am Dienstag, auf rund 121 Euro für 100 Liter. Insgesamt aber ist Heizöl gegenüber den hohen Werten vom September und von Anfang Oktober wieder deutlich günstiger geworden. Das hängt auch mit einer Entspannung der Energie-Situation insgesamt und der Gas-Versorgungslage zusammen. Für die zuletzt gesunkenen Inflationsraten in Deutschland und dem Euroraum spielen diese Folgen des wieder etwas günstigeren Öls eine zentrale Rolle: Die Inflationsrate in Deutschland war im November von 10,4 auf 10 Prozent gesunken, die im Euroraum von 10,6 auf gleichfalls 10 Prozent. Dabei war der Rückgang der Energiepreise der wichtigste Faktor.

          Diesel immer noch teurer als Super E10

          Rohöl kostet mittlerweile weniger als zu Beginn des Ukrainekriegs. Der Preis für Super E10 liegt ebenfalls schon wieder auf Vorkriegsniveau, der für Diesel noch nicht. Diesel ist immer noch rund 10 Cent je Liter teurer als Super E10. Dabei sorgt die um etwa 20 Cent je Liter niedrigere Besteuerung eigentlich dafür, dass Diesel der günstigere Kraftstoff ist. Das hat sich erst im Zuge des Ukrainekriegs verändert. Als Begründung hatten die Mineralölunternehmen anfangs angeführt, dass zuvor viel Diesel und dessen Vorprodukte direkt aus Russland importiert worden seien.

          Später, in der Zeit des Tankrabatts von Juni bis August, war der Preis für Super auch deswegen stärker gefallen, weil die steuerliche Erleichterung für Super stärker war als für Diesel. Dieser Grund ist aber mit dem Ende des Tankrabatts im September wieder entfallen. Zuletzt hieß es, Diesel sei deshalb besonders teuer, weil Unternehmen, die normalerweise mit Gas produzierten, aber auch Heizöl verwenden könnten, jetzt vorsichtshalber große Mengen von Heizöl einlagerten. Die Herstellung von Heizöl aber hängt eng mit der von Diesel zusammen, so dass mit dem Heizölpreis auch der von Diesel gestiegen sei. Allerdings meinte der ADAC, auch diese Begründung ziehe bald nicht mehr, irgendwann müssten sich mal alle Unternehmen, die das wollten, mit Heizöl eingedeckt haben.

          Eine ganz andere Erklärung für die hohen Spritpreise waren die hohen Gewinne, die von Mineralölunternehmen zum Teil in den Raffinerien erzielt worden sind. Das Bundeskartellamt hat sich diesen Markt genauer angeschaut und äußerte sich in einem Zwischenbericht durchaus kritisch zur Wettbewerbssituation. Anhaltspunkte für Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht wie handfeste Kartellabsprachen habe man aber nicht gefunden. Die Untersuchung zeige zwar, dass sich die Entkoppelung der Tankstellenpreise vom Rohölpreis nicht allein auf Kostensteigerungen zurückführen lasse. Dem widerspreche die Tatsache, dass die meisten Mineralölkonzerne in dieser Zeit mit ihren Raffinerien sehr große Gewinne erwirtschaftet hätten. Es gebe schon „strukturelle Probleme“ auf dem Markt. Man könne aber nur einschreiten, wenn ein Anfangsverdacht auf ein kartellrechtswidriges Verhalten vorliege, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt: „Dafür sind hohe Preise und hohe Unternehmensgewinne für sich genommen aber noch kein ausreichendes Indiz.“ Es soll jedenfalls weitere Untersuchungen geben, etwa auf Großhandelsebene.

          Wie geht es weiter mit dem Rohölpreis?

          Zu den schwer vorhersagbaren Faktoren der Inflation gehört der Rohölpreis. Vor allem die Sorgen um eine globale Rezession, die zu weniger Ölnachfrage führen könnte, hatten den Preis zuletzt fallen lassen. Dazu gehörte auch die schwierige politische Situation in China. Wenn allerdings die Rezession weniger schwer ausfallen sollte als ursprünglich gedacht, könnte das den Ölpreis auch wieder beflügeln. Auch wenn die Ölorganisation OPEC plus, die sich am kommenden Wochenende trifft, die Ölförderung weiter verknappen sollte, könnte das die Ölpreise wieder hochtreiben. Auch EU-Embargo und G7-Preisdeckel für russisches Öl könnten zumindest vorübergehend wieder für höhere Preise sorgen. Russland hat angekündigt, Staaten, die am Preisdeckel teilnehmen, nicht mehr mit Öl versorgen zu wollen.

          Die Commerzbank jedenfalls erwartet in einem Marktbericht für die kommenden Wochen einen Anstieg des Rohölpreises bis auf etwa 95 Dollar je Barrel für die Nordseesorte Brent.

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