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Unternehmensübernahmen : Bayer beschert Bank of America Sprung an die Spitze

Bayer-Chef Werner Baumann und Monsanto-Vorstandschef Hugh Grant: Das Beratungsmandat für die Monsanto-Übernahme hat die Bank of America aufsteigen lassen. Bild: dpa

Die Deutsche Bank fällt als Berater bei Unternehmensübernahmen in Deutschland weit zurück. Währenddessen belegen Investmentbanker der Bank of America den Spitzenplatz am deutschen M&A-Markt.

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          Noch nie sind deutsche Unternehmen im Ausland auf Einkaufstour gegangen wie in diesem Jahr. Nach den am Donnerstag vom Finanzdatenanbieter Thomson Reuters vorgelegten vorläufigen Zahlen zum Markt für Unternehmensübernahmen und -fusionen (Mergers & Acquisitions; M&A) haben deutsche Unternehmen im Ausland Gesellschaften für 133 Milliarden Dollar übernommen. Das ist ein Anstieg von 546 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei sticht der Erwerb des amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto durch den deutschen Pharmakonzern Bayer für 64 Milliarden Dollar heraus. Es ist die bislang größte Übernahme eines deutschen Unternehmens im Ausland.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Beratungsmandat für Bayer bescherte der Bank of America den Sprung an die Spitze. Die von dem ehemaligen Deutsch-Banker Armin von Falkenhayn angeführten Investmentbanker belegen in diesem Jahr den Spitzenplatz am deutschen M&A-Markt und haben sich damit vom zehnten Rang vorgearbeitet. Die Bank of America war in Transaktionen mit deutscher Beteiligung im Volumen von 111,6 Milliarden Dollar involviert. Sie gehört zu den Beratern der Deutschen Börse in der noch offenen Übernahme der London Stock Exchange. Zudem wirkte die Bank of America an dem Tauschgeschäft zwischen dem deutschen Pharmakonzern Boehringer und dem französischen Konkurrenten Sanofi mit. Damit war die Truppe von Falkenhayn an den drei größten deutschen Transaktionen in diesem Jahr beteiligt.

          Bild: F.A.Z.

          Auf dem zweiten Platz folgt in Deutschland Morgan Stanley, die Monsanto berät. Den dritten Platz belegt Rothschild, die zusammen mit der Bank of America für Bayer und für Boehringer arbeitet. Die Deutsche Bank, die zu den Beratern der Deutschen Börse zählt, ist in der Königsdisziplin des Investmentbankings in diesem Jahr am deutschen Markt vom dritten auf den achten Platz zurückgefallen. Damit zeigten sich die beiden Verantwortlichen Patrick Frowein und Berthold Fürst unzufrieden. „Die Deutsche Bank ist hierzulande seit 14 Jahren Marktführer im Investmentbanking – und da wollen wir wieder hin“, sagte das im Juli berufene Führungsduo am Donnerstag in einem Pressegespräch in Frankfurt. Um im M&A-Geschäft aufzuholen, werde es aber Zeit brauchen.

          Bild: F.A.Z.

          Junge Kollegen sollten stärker in den Kundenkontakt eingebunden werden, kündigten Frowein und Fürst an. Doch sei die Deutsche Bank im Jahr 2016 nicht so schlecht im Geschäft gewesen, wie es scheine. Die schwache Plazierung liege wesentlich daran, dass die Deutsche Bank Bayers Übernahme von Monsanto nicht als Berater begleiten konnte. Die Deutsche Bank dürfte sich ihrem Kunden BASF verbunden fühlen, der seinerseits vergeblich den Kauf von Monsanto prüfte. Auf die Frage, ob nicht gerade die Bayer-Transaktion zeige, dass deutsche Unternehmen keine deutsche Investmentbank brauchten, antwortete Fürst: „Als heimische Investmentbank haben wir ein tieferes Verständnis für Kundenbedürfnisse.“ Und ohne BASF zu nennen, fügte er trotzig hinzu: „Wir wurden gebraucht, nur woanders.“

          In anderen Ranglisten sieht es für die Deutsche Bank besser aus

          Das angekündigte M&A-Volumen mit deutscher Beteiligung erreichte im Jahresverlauf ein Gesamtvolumen 207,9 Milliarden Dollar, was einem Zuwachs von 87 Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt. Zudem war es das höchste Transaktionsvolumen seit dem Jahr 2007. Ausländische Gesellschaften erwarben deutsche Unternehmen für 40 Milliarden Dollar, was einem Rückgang von 17 Prozent entspricht. Die wichtigsten Käufer stammen aus den Vereinigten Staaten mit 13,5 Milliarden Dollar, aus China mit 9,9 Milliarden Dollar und aus Frankreich mit 5,6 Milliarden Dollar.

          Verglichen mit dem Vorjahr, ist der M&A-Markt in der ganzen Welt um ein Fünftel auf 3,4 Billionen Dollar geschrumpft. Die größte Transaktion stellt mit 108 Milliarden Dollar das Übernahmeangebot des amerikanischen Telekommunikationskonzerns AT&T für die Mediengruppe Time Warner dar. Auf Seiten von AT&T sind JP Morgan, Bank of America und Perella Weinberg tätig, während Citigroup und Morgan Stanley Time Warner unterstützen. Allerdings hat sich den internationalen Spitzenplatz als M&A-Berater in diesem Jahr eine an dieser Transaktion nicht beteiligte Bank erworben: Goldman Sachs mit einem Transaktionsvolumen von 892 Milliarden Dollar. Dahinter liegen Morgan Stanley (788 Milliarden Dollar) und JP Morgan (688 Milliarden Dollar).

          Für die Deutsche Bank sieht es in den anderen Ranglisten des Investmentbankings etwas besser aus als in der Königsdisziplin M&A. Im Emissionsgeschäft mit Unternehmensanleihen war sie im laufenden Jahr mit einem Plazierungsvolumen von fast 33 Milliarden Dollar abermals die Nummer eins im deutschen Markt. Auf dem zweiten Rang folgt die britische Barclays, die bei Plazierungen über knapp 27 Milliarden Dollar beteiligt war. Im Vergleich zum Vorjahr ging das Gesamtvolumen am deutschen Anleihemarkt um 2 Prozent auf 357 Milliarden Dollar zurück. Die größte Emission stammt mit knapp 6 Milliarden Dollar von Siemens. Dahinter liegt die Telekom mit fast 5 Milliarden Dollar. Etwas schlechter sieht es für die Deutsche Bank am Markt für Aktienplazierungen aus. Hier fiel sie vom vierten auf den fünften Rang zurück. Die Nummer eins war Goldman Sachs. Der Börsengang des Energiekonzerns Innogy, einer Abspaltung vom RWE-Konzern, war mit 5 Milliarden Euro der größte Börsengang in Europa seit dem Jahr 2011.

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