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Zinswende und Bauflation : Für manchen wird das Bauen jetzt zu teuer

Baufinanzierungen, Baustoffe, Energie - alles wird teurer. Bild: dpa

Im vergangenen Jahr gab es nochmal Rekorde in der Baufinanzierung. Jetzt kommt die Zinswende. Wie geht es nun weiter?

          2 Min.

          Die Bauzinsen legen weiter zu: Für Baudarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung zahlt man jetzt im Durchschnitt 2,77 Prozent im Jahr. Noch zum Jahresanfang waren es lediglich 0,93 Prozent, ein rasanter Anstieg. Baudarlehen auf fünf Jahre gibt es jetzt für 2,66 Prozent, Darlehen auf 15 Jahre für 3,05 Prozent. Zugleich wird das Bauen teurer, weil viele Baumaterialien stark im Preis gestiegen sind. Die hoch schnellenden Baukosten, die gestiegenen Zinsen und womöglich mehr Vorsicht der Banken hinsichtlich möglicher Risiken könnten in Zukunft womöglich die Vergabe von Baufinanzierungen bremsen.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das geht aus einer Studie zur Baufinanzierung des Beratungsunternehmens PwC hervor, die der F.A.Z. exklusiv vorab vorliegt. Demnach haben Volumen und Neugeschäft im vergangenen Jahr trotz Corona abermals Rekorde erreicht – die meisten befragten Banken waren zuversichtlich, auch im laufenden Jahr das Neugeschäft mit Baukrediten trotz Zinswende noch mal steigern zu können. Das Zinsniveau werde aber „immer weniger positiven Einfluss“ auf das Geschäft haben, schreiben die Autoren Thomas Rederer und André Hettermann von PwC.

          284 Milliarden Euro Baugeld-Neugeschäft

          Das Volumen ausstehender Baukredite in Deutschland ist demnach im vergangenen Jahr um 7,2 Prozent auf einen Rekordwert von 1,48 Billionen Euro gestiegen. Das sei ein Rekordwert, heißt es in der Studie. Der prozentuale Anstieg gegenüber dem Vorjahr sei außergewöhnlich hoch gewesen, im Jahr 2020 hatte er 6,6 Prozent betragen, im Jahr davor 5,7 Prozent. In den Jahren 2007 und 2008 war der Bestand an Baukrediten im Zusammenhang mit der Finanzkrise letztmals geschrumpft.

          Über das ganze Jahr 2021 betrachtet kommen die Banken auf ein Neugeschäft in der Baufinanzierung von 284 Milliarden Euro, im Vorjahr waren es 273 Milliarden Euro gewesen. Seit 2003 hatte es immer mal Schwankungen gegeben, wie viel Baugeld im Jahr verliehen worden war. Tendenziell aber war das jährliche Volumen immer weiter gestiegen.

          Mehr Menschen gehen nun zur Volksbank

          Dabei hat Verschiebungen gegeben, bei welchen Banken die Leute ihrer Häuser finanzieren lassen, wie die Autoren der Studie weiter berichten. Unter den Institutsgruppen konnten demnach die Genossenschaftsbanken ihren Marktanteil steigern, von 21,6 Prozent im Jahre 2011 über 24,1 Prozent im Jahre 2016 bis auf 25,2 Prozent im vorigen Jahr. Der Marktanteil der Sparkassen ist der Studie zufolge trotzdem noch größer und lag zuletzt bei 30,9 Prozent. Der Anteil der privaten Banken war zuletzt leicht rückläufig, lad aber mit 26,5 Prozent immer noch etwas über dem der Genossenschaftsbanken. Auch regional gab es Unterschiede bei der Vergabe von Baufinanzierungen; Berlin kam mit 10,24 Prozent auf die höchste Zuwachsrate unter allen Bundesländern, gefolgt von Bayern. Schlusslicht war Schleswig-Holstein mit einem Plus von 4,4 Prozent.

          Banken könnten vorsichtiger werden

          Die Marge der Banken bei Baukrediten sei zurückgegangen, heißt es in der Studie weiter. Im Schnitt habe sie im vergangenen Jahr 1,04 Prozent betragen – ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 0,14 Prozentpunkte. Über die Jahre hatte die Marge allerdings geschwankt.

          Ausführlich beschäftigt sich die Studie mit der Stimmung rund ums Bauen und die Baufinanzierung. Positive Faktoren seien, dass die Stimmung am Wohnungsmarkt nach den Lockdowns wieder besser sei, auch das Verbrauchervertrauen sei nicht mehr ganz so angeschlagen wie noch 2020. Die Bedeutung des Zinsniveaus nehme als Argument fürs Bauen etwas ab. Umschuldung und Umfinanzierung blieben aber große Themen.

          Es gebe drei Faktoren, die den Aufwärtstrend in Zukunft stoppen könnten: Die steigende Inflation – getrieben durch hohe und weiterhin steigende Energiepreise und bedingt durch globale Krisen – führe zu Bau- und Hauspreissteigerungen, die zunehmend mehr Kunden über ihre Möglichkeiten brächten. Durch steigende Zinsen würden alternative Anlagemöglichkeiten in Form von Wertpapieren attraktiver. Und der zunehmende Risiko-Druck bei den Banken könnte beispielsweise bei steigenden Ausfallquoten im Konsumentenkreditgeschäft auch zu mehr Vorsicht bei der Baufinanzierung führen.

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