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Konjunkturindikatoren : Zahlen, die den Markt bewegen

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Welche Indikatoren sind relevant? Bild:

Monat für Monat blicken die Börsen gespannt auf die Arbeitsmarktzahlen aus den Vereinigten Staaten. Warum eigentlich gerade auf diese? Die Welt der Volkswirte kennt schließlich eine Fülle von Indikatoren. FAZ.NET verrät, auf welche Zahlen die Finanzmarkt-Profis schauen.

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          Es gibt sie wie Sand am Meer. Doch für die Finanzmärkte sind meist nur wenige Konjunkturindikatoren relevant. FAZ.NET verrät, auf welche Indikatoren die Profis schauen.

          Welche Kennzahl gerade gefragt ist, hängt von der Wirtschaftslage ab. Generell wollen Marktakteure möglichst früh erfahren, wenn Sand im Getriebe der Wirtschaft ist. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts (www.cesifo-group.de) gilt deshalb als wichtigster deutscher Indikator. Jeden Monat erwarten Marktteilnehmer gespannt die Umfragewerte aus München. Denn der Ifo-Index macht sie frühzeitig auf konjukturelle Wendepunkte aufmerksam. Für die Ifo-Zahlen gilt die Faustformel: Entwickeln sie sich drei Mal in Folge gegen den bisherigen Trend, steht eine Konjunkturwende bevor. „Der Geschäftsklimaindex ist die umfassendste Umfrage für alle Branchen. Er gibt uns schon früh ein Bild von der aktuellen und mittelfristigen Konjunkturlage“, sagt Sebastian Wanke, Volkswirt bei der Dekabank.

          Märkte blicken auf Unternehmer-Noten

          Um an die Daten zu gelangen, befragt das Ifo-Institut monatlich rund 7.000 Unternehmer aus dem verarbeitenden Gewerbe, der Bauwirtschaft sowie dem Groß- und Einzelhandel nach ihrer aktuellen Geschäftslage und den Erwartungen für die nächsten sechs Monate. Die Unternehmer geben Noten, aus deren Mittelwert das Institut den Index berechnet. Seit Oktober 2005 veröffentlicht das Ifo-Institut auch eine Kennzahl für das Geschäftsklima in der Dienstleistungsbranche. Der neue Index wird an den Finanzmärkten bislang jedoch kaum beachtet.

          Nur bei wenigen Indikatoren kommen Marktteilnehmer ins Schwitzen

          Ähnlich wie der Ifo-Index weisen auch die Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) schon früh auf konjunkturelle Trendwenden hin. Die Daten der Mannheimer Forscher (www.zew.de) basieren auf Einschätzungen von 350 Finanzexperten. „Hier werden nicht die Entscheider befragt, sondern Beobachter. Deshalb ist dieser Index nicht so wichtig für die Märkte wie das Ifo-Geschäftsklima“, so Wanke.

          Zahlen für gute Zeiten

          In Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs rückt der GfK-Konsumklimaindex (www.gfk.com) in den Fokus der Marktteilnehmer. „Wegen der erwarteten Vorzieheffekte durch die Mehwertsteuer schauen die Märkte momentan verstärkt auf die GfK-Zahlen“, sagt Stefan Schneider von der Deutschen Bank Research. Der GfK-Index gibt die Kauflaune der Haushalte wieder. Die Nürnberger Marktforscher fragen hierfür monatlich 2.000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihrem Einkommen und anstehenden Kaufvorhaben. Die Ergebnisse sind Volkswirten zufolge mit Vorsicht zu genießen: Oft müßten die Zahlen mehrmals revidiert werden. Zudem interessiere sich in wirtschaftlich schlechten Phasen ohnehin kaum jemand für die GfK-Umfragewerte, berichtet Schneider.

          Ohne Revisionen kommt meist der Einkaufsmanagerindex aus, da er „harte“ Fakten und nicht Stimmungen abfragt. Das Forschungsinsitut NTC aus Großbritannien interviewt in Zusammenarbeit mit nationalen Verbänden Einkäufer von 2.500 Unternehmen in ganz Europa. Für Produktion, Auftragseingänge, Beschäftigung, Lieferfristen und Lagerbestände kann jeder Manager 0 bis 100 Punkte verteilen. Wichtig ist die 50-Punkte-Linie: sie markiert die Expansionsschwelle. Neben einem Index für den Euroraum veröffentlicht NTC eine Statistik speziell für Deutschland.

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