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Bargeldlos bezahlen : EC-Karte im Ausland bald besser zu nutzen

  • Aktualisiert am

Europaweit bargeldlos bezahlen soll einfacher werden Bild: AP

Allianzen mit ausländischen Kartensystemen sollen das Bezahlen mit EC-Karte bald in vielen europäischen Nachbarländern erleichtern. Durch den Zusammenschluß gibt es mehr Akzeptanzstellen und günstigere Gebühren.

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          Die deutsche EC-Karte wird schon bald in vielen europäischen Nachbarländern bei Millionen von Einzelhändlern akzeptiert werden. Denn im Rahmen der Schaffung eines einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums, der sogenannten Sepa-Initiative, arbeiten derzeit mehrere Organisationen fieberhaft daran, paneuropäische Netze für Zahlkarten aufzubauen. Den Konsumenten versprechen diese Initiativen mehr Komfort, den Einzelhändlern zumindest zum Teil geringere Gebühren.

          Bislang kommen deutsche Urlauber oft nicht weit, wenn sie im Ausland mit einer deutschen Bankkarte zahlen wollen. Selbst in den Nachbarländern akzeptieren viele Einzelhändler und Restaurants die deutschen EC-Karten nicht. Ausländischen Touristen ergeht es mit ihren Karten in Deutschland ähnlich. Nun ist ein Ende dieses Mißstands in Sicht.

          10 Millionen Händlerterminals

          Die deutschen Kreditinstitute haben an ihre Kunden mehr als 90 Millionen Bankkarten ausgegeben. Davon sind die meisten für „Electronic Cash“ freigeschaltet: Mit diesen Karten kann der Kunde an Bankautomaten Bargeld abheben und bei Einzelhändlern, die Karten mit dem „ec“-Logo akzeptieren, bezahlen. Anders als bei einer Kreditkarte wird der zu zahlende Betrag bei diesen sogenannten Debitkarten sofort dem Konto des Karteninhabers belastet. Insgesamt kann in Deutschland an rund 600.000 Terminals mit der EC-Karte - und der Eingabe einer Persönlichen Identifikationsnummer (PIN) - gezahlt werden. Bei diesem als betrugssicher geltenden Verfahren garantiert die kartenausgebende Bank dem Einzelhändler den verbuchten Betrag.

          Im Ausland ist die Einsatzfähigkeit der EC-Karten bislang noch sehr begrenzt. Das Manko wird aber teilweise dadurch behoben, daß EC-Karten auch mit der Maestro-Funktion ausgestattet sind. Bankkarten, die das Maestro-Logo zeigen, sind dem Debitkartensystem des globalen Kartensystembetreibers Mastercard angeschlossen. Global werden Maestro-Debitkarten an fast 10 Millionen Händlerterminals und fast einer Million Bankautomaten angenommen. Gleichwohl akzeptieren längst nicht alle Einzelhändler, bei denen man im Prinzip per Debitkarte zahlen kann, Maestro-Zahlungen. Der Grund: Maestro berechnet ihnen vergleichsweise hohe Gebühren.

          Zusammenschluß von sechs Partnern

          Die von der EU-Kommission angeschobene Sepa-Initiative hat nun die Betreiber von Zahlkartensystemen auf Trab gebracht. Die Initiative hat zum Ziel, die nationalen Barrieren im europäischen Zahlungsverkehr zu schleifen. Ähnlich wie das Euro-Bargeld bereits überall akzeptiert wird, sollen demnach von 2008 an auch Debitkarten im Prinzip überall in der EU zu gleichen Konditionen wie im Heimatland einsetzbar sein. Maestro von Mastercard erfüllt diese Bedingung bereits. Auch das konkurrierende Kreditkartenunternehmen Visa reagierte rasch auf die Sepa-Vorgaben: Es nutzte seine bereits bestehende paneuropäische Infrastruktur und baute ein eigenes Debitkartensystem auf. „V-Pay“ soll demnächst an den Start gehen.

          Jetzt haben auch mehrere Betreiber von nationalen Zahlkartensystemen reagiert. Vor einer Woche haben sich Organisationen aus Deutschland (Electronic Cash), Spanien (Euro 6000), Großbritannien (Link), Portugal (Multibanco), Italien (Pago-Bancomat) und das internationale Bankautomatensystem Eufiserv zur „Euro Alliance of Payment Schemes“ (EAPS) zusammengeschlossen. Die sechs Partner werden alle von ihnen ausgegebenen Karten untereinander akzeptieren. Deutsche Urlauber können dadurch mit ihrer EC-Bankkarte zum Beispiel in Portugal an allen 110.000 Terminals zahlen, die dem portugiesischen Multibanco-System angeschlossen sind. Für Deutsche werde sich damit die Zahl der akzeptierenden Terminals in Portugal ungefähr verdoppeln, heißt es. Daneben können weiterhin Maestro-Terminals genutzt werden.

          Manche Kreditinstitute erheben Jahresgebühren

          Nicht nur den Verbrauchern, auch den Einzelhändlern wird die Allianz Vorteile bringen. So wird einem deutschen Einzelhändler, der die Multibanco-Karte eines portugiesischen Kunden akzeptiert, die gleiche Gebühr berechnet wie vom heimischen „Electronic Cash“-System, nämlich 0,3 Prozent vom Umsatz. Demgegenüber verlangt Maestro mindestens 0,5 Prozent vom Umsatz, die Gebühren bei V-Pay stehen nach Auskunft eines Sprechers noch nicht fest. Der Verbraucher muß bei Debitkarten für einzelne Zahlungen beim Einzelhändler keine Gebühr zahlen, unter Umständen aber am Bankautomaten. Manche Kreditinstitute erheben für die von ihnen ausgegebenen Debitkarten allerdings Ausgabe- oder Jahresgebühren.

          Die sechs EAPS-Partner wollen ihre Systeme von sofort an Zug um Zug zusammenschließen. Wie von der Sepa-Initiative vorgegeben, soll dies bis spätestens Anfang 2008 abgeschlossen sein. Angestrebt wird ferner, daß sich weitere nationale Zahlsysteme der Allianz anschließen. Der Verbund soll damit so paneuropäisch werden wie Maestro und V-Pay.

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