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Bargeld oder Karte : Nachfrage nach Bargeld steigt wegen Störung von Kartenterminals

Viele Leute haben offenbar in den vergangenen Wochen vorsichtshalber mehr Bargeld abgehoben,weil sie nicht genau wussten, ob sie überall gerade mit Karte zahlen können. Bild: Picture Alliance

Der Ausfall von 10 Prozent der Kartenterminals im Handel hat zuletzt die Nachfrage nach Bargeld steigen lassen, berichtet die Deutsche Bundesbank. Zuvor aber hatte die Pandemie den Siegeszug der Kartenzahlung sehr beflügelt.

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          Es ist eine spannende Frage: Wird das Bargeld, das in der Pandemie allein schon aus Vorsichtsgründen in vielen Geschäften durch die Kartenzahlung ersetzt wurde, mit dem Abklingen von Corona wieder etwas häufiger eingesetzt? Oder sind die Scheine und Münzen Relikte einer vordigitalen Zeit, deren unausweichliche Ablösung von der Pandemie lediglich beschleunigt wurde? Die Bundesbankvorstände Johannes Beermann und Burkhard Balz erklärten am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Frankfurt zum Zahlungsverhalten der Deutschen, für eine seriöse abschließende Beantwortung dieser Frage sei es noch zu früh. Unter anderem müsse man abwarten, wie sich die Anteile von Karten- und Barzahlung in der Statistik veränderten, wenn Jahrmärkte und Weihnachtsmärkte mit ihrem hohen Barzahlungsanteil wieder stattfänden. Allerdings hätten einige Filialen der Bundesbank, die mit dem Ausgeben und Einsammeln von Bargeld betraut sind, zuletzt Bargeld-Rückflüsse auf Vorkrisenniveau gemeldet.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch die Nachfrage nach Bargeld, die von der Bundesbank laufend verfolgt werde, sei in den vergangenen Wochen wieder gestiegen, sagte Beermann. Er machte dafür drei Faktoren verantwortlich: Die Normalisierung der Wirtschaft nach der Pandemie, die Ankündigung von Streiks bei Geldtransportunternehmen, die manche Banken vorsorglich zu höheren Bargeld-Bestellungen bewegt hätten – und die Störungen bei Kartenlesegeräten im Handel. „In dieser Phase wurde vorsorglich mehr Geld am Geldautomaten abgehoben“, sagt Beermann. Balz führte aus, die Störungen hätten rund 10 Prozent aller Kartenterminals in Deutschland betroffen. „Wir waren überrascht und nicht amüsiert“, sagte der Bundesbankvorstand. Man werde den Fall „noch sehr präzise aufarbeiten“: „Das geht in die Richtung eines systemischen Risikos.“

          Bargeld nur noch mit 30 Prozent Umsatzanteil

          Für das zurückliegende Jahr hingegen legte die Bundesbank eine umfangreiche Studie vor, die zeigte, wie sehr die Pandemie das Zahlungsverhalten der Deutschen in Richtung Kartenzahlung verändert hat. „Vor der Pandemie wurde ich bei meinem Bäcker schrägt angeguckt, wenn ich die Brötchen mit Karte bezahlen wollte – jetzt ist es umgekehrt“, sagte Balz. Für die Erhebungen der Bundesbank hat diese 5870 Deutsche über ihr Zahlungsverhalten befragt und zusätzlich einige ein „Zahlungstagebuch“ schreiben lassen, in denen sie für drei Tage alle Zahlungen und Zahlungsarten notierten. Das hat man dann mit einer ähnlichen Befragung von 2017 verglichen.

          Heraus kam, dass Bargeld gemessen an der Zahl der Bezahlvorgänge einen Anteil von 58 Prozent hatte, das war ein Rückgang um 16 Prozentpunkte. Gemessen am Umsatz kam Bargeld auf einen Anteil von 30 Prozent, das war ein Rückgang um 18 Prozentpunkte. Debitkarten wie die Girocard kamen bei der Zahl der Bezahlvorgänge auf einen Anteil von 23 Prozent, beim Umsatz von 30 Prozent. Kreditkarten kamen auf 6 Prozent Anteil an den Bezahlvorgängen und 10 Prozent an den Umsätzen; beides war ein deutlicher Zuwachs.

          Mehr Lastschriften und Überweisungen

          Häufiger genutzt wurden in der Pandemie auch wieder Überweisungen und Lastschriften. Internetbezahlverfahren wie Paypal steigerten durch den Bedeutungszuwachs des Onlinehandels in der Pandemie ihren Marktanteil. Und mobile Bezahlverfahren über Smartphone und Smartwatch kamen erstmals auf einen nennenswerten Anteil von 2 Prozent.

          Die Bundesbank hat die Deutschen auch gefragt, was sie jeweils an Bargeld oder Kartenzahlung besonders schätzten. Beim Bargeld stand die Anonymität an erster Stelle. Zudem sagten die Befragten, sie hätten damit einen guten Überblick über die Ausgaben. Für die Kartenzahlung führten die Befragten an, man müsse sich keine Sorgen machen, ob das Geld im Portemonnaie reiche. Zudem sei sie einfacher und schneller. Auch zu Krypto-Token hat die Bundesbank die Menschen befragt und stellte fest: „Die reservierte Haltung zu Krypto-Token hat etwas zugenommen.“ Lediglich 4 Prozent der Befragten sagten, sie hätten überhaupt schon man Krypto-Token erworben. 83 Prozent dagegen gaben an, weder Kauf noch Nutzung seien geplant.

          Bundesbankvorstand Balz berichtete zudem kurz über den Stand der Pläne für den digitalen Euro. Er sagte, die neue Digitalwährung werde nicht vor dem zweiten Halbjahr 2026 eingeführt, möglicherweise auch erst ein Jahr später: „Ich würde persönlich in der Einschätzung sagen, von den 100 Projekten bei Zentralbanken weltweit befindet sich das Eurosystem irgendwo im zweiten Viertel.“

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