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Kontogebühren : Bankkunden zahlen 4 Milliarden Euro

In den wenigstens Fällen beträgt die Kontoführungsgebühr 0 Euro. Viele Banken kassieren bei den Kunden ab. Bild: dpa

Frankfurt ist die teuerste Stadt für Girokonten, am wenigsten zahlen die Dresdener. Nur noch 100 Banken in Deutschland bieten Girokonten ohne Kontoführungsgebühr an.

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          Deutsche Banken und Sparkassen werden nicht müde, über die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu klagen. Der Einlagensatz von minus 0,4 Prozent stellt für sie einen Strafzins dar, den sie zahlen müssen, wenn sie überschüssige Kundeneinlagen bei der EZB parken. Im Jahr kostet sie das 2,3 Milliarden Euro. Das ist ein beachtlicher Betrag, aber er liegt um 1,7 Milliarden Euro unter den Einnahmen der Banken, die sie von ihren Kunden über Kontogebühren verlangen. Nach einer Analyse des Finanzportals Biallo im Auftrag der Direktbank ING zahlen die 78,75 Millionen Kunden im Jahr 4,02 Milliarden Euro für das Girokonto.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Summe bezieht sich nur auf die monatliche Grundgebühr, berücksichtigt aber nicht Gebühren für Girokarten oder Überweisungen. Zwar fallen die jährlichen Einnahmen der Banken aus den Kontogebühren höher aus als die jährliche Belastung aus dem negativen EZB-Einlagensatz, aber es kommen weitere Kosten für Mitarbeiter, Filialen, Geldautomaten und Ähnliches hinzu.

          Aus der Studie, über die zuerst die „Bild“-Zeitung am Mittwoch berichtet hatte, geht zudem hervor, dass die Bankenmetropole Frankfurt die Stadt mit den teuersten Girokonten ist. Der jährliche Durchschnittspreis beträgt 73,36 Euro. Dahinter folgt Leipzig mit 71,35 Euro. Interessanterweise klafft in Sachsen eine große Lücke: Denn in der Hauptstadt Sachsens, Dresden, zahlen die Bankkunden mit 28,95 Euro bundesweit am wenigsten. Das teuerste Bundesland ist Hamburg mit durchschnittlich 68,02 Euro im Jahr. Dagegen zahlen Berliner und Saarländer mit 37,14 beziehungsweise 40,67 Euro im Jahr am wenigsten unter den Bundesländern.

          Der Biallo-Untersuchung zufolge gibt es in Deutschland noch genau 100 Banken und Sparkassen, die ein Konto ohne Kontoführungsgebühr anbieten. Dazu zählt auch die Auftraggeberin ING. In einer Untersuchung von vergangener Woche kommt Biallo auf 38 Institute, deren Konto insgesamt als kostenlos eingestuft werden kann. Dann verlangen die Banken nicht nur keine Kontoführungsgebühr, sondern auch keinen Mindestgeldeingang, keine Gebühren für die Girokarte oder für Überweisungen. Diese Konditionen bieten neben der ING zum Beispiel die DKB oder die Commerzbank, die auch noch einen Willkommensbonus von 100 Euro zahlt. Auch die Santander oder die BBBank zählen dazu.

          Doch die jüngsten Signale der EZB, wonach die Geldpolitik angesichts der schwachen Konjunktur wieder gelockert werden könnte, dürften viele Banken dazu zwingen, an der Gebührenschraube zu drehen. Die jüngsten Zahlen zum Wachstum und zur Inflation im Euroraum fielen so schwach aus, dass EZB-Präsident Mario Draghi sich im Herbst mit einer weiteren Senkung des Einlagensatzes sowie mit einer Neuauflage des Anleihekaufprogramms aus dem Amt verabschieden dürfte.

          Eine Senkung des Einlagensatzes erhöht die Belastungen der Banken. Aus dem Lager der Sparkassen und Volksbanken mehren sich die Hinweise, wonach Negativzinsen für Privatkunden kein Tabu mehr seien, wenn die Zinsen noch lange auf dem historisch niedrigen Niveau verharrten. Der betriebswirtschaftliche Druck wäre irgendwann zu hoch. Vereinzelt wurden schon Strafzinsen auf sehr hohe Einlagen von mehr als 500.000 Euro erhoben. Unternehmen und Fondsgesellschaften zahlen seit längerem negative Zinsen für ihre Einlagen.

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