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Nach der Fed-Entscheidung : Bankenbeben plus Zinserhöhungen: Das bereitet manchen Börsianern Sorgen

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Anleger sind gerade lieber etwas vorsichtig. Bild: Picture Alliance

Der deutsche Aktienindex Dax eröffnet schwächer. Die Börsen in Asien reagieren ebenfalls zurückhaltend. Auch in der Schweiz steigen die Leitzinsen – um 0,5 Prozentpunkte.

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          Nach Kursverlusten an der Wall Street im Zuge der Notenbank-Entscheidung halten sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt zurück. Der Dax notierte am Donnerstagfrüh 0,1 Prozent tiefer bei 15.195 Punkten. „Die von einigen Anlegern herbeigesehnte Absolution der US-Notenbank über ein Ende des laufenden Zinserhöhungszyklus ist ausgeblieben“, sagte Jochen Stanzl, Marktanalyst vom Handelshaus CMC Markets. Notenbank-Chef Jerome Powell habe klargestellt, dass die Bankenkrise nicht automatisch ein Einknicken in der Inflationsbekämpfung bedeute.

          Nach der wie erwartet ausgefallenen Zins-Anhebung um einen Viertel Prozentpunkt hatte Powell weitere Erhöhungen nicht ausgeschlossen. Einige Investoren hatten wegen des jüngsten Bankenbebens auf eine Zinspause gehofft.

          Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) erhöht wegen des abermals gestiegenen Inflationsdrucks und ungeachtet der jüngsten Turbulenzen im Bankensektor abermals die Zinsen, um 0,5 Prozentpunkte. Zudem signalisierten die Währungshüter um SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag eine weitere geldpolitische Straffung. „Es ist nicht auszuschließen, dass zusätzliche Zinserhöhungen nötig sein werden, um die Preisstabilität in der mittleren Frist zu gewährleisten“, erklärte die Zentralbank. Um für angemessene monetäre Bedingungen zu sorgen, will die SNB bei Bedarf zudem weiterhin am Devisenmarkt eingreifen, wobei seit einigen Quartalen Fremdwährungsverkäufe im Vordergrund stehen.

          Die norwegische Notenbank dreht im Kampf gegen die hohe Inflation ebenfalls weiter an der Zinsschraube. Die Währungshüter in Oslo hoben den geldpolitischen Schlüsselsatz von 2,75 auf 3,0 Prozent an.

          Am Donnerstag steht auch noch ein Zinsentscheid der Bank of England (BoE) an. Dort gilt eine Zinsanhebung um einen Viertel Prozentpunkt auf 4,25 Prozent als wahrscheinlich.

          Bei den deutschen Aktien stachen Vitesco mit einem Minus von mehr als neun Prozent heraus. Der Ausblick des Autozulieferers sei etwas schwächer ausgefallen als im Schnitt von Analysten erwartet, kommentierten die Experten von Jefferies. Auch der Grafitspezialist SGL Carbon wagte nur eine vorsichtige Prognose. Die Aktien fielen um rund fünf Prozent.

          Bankenbeben und Zinserhöhungen?

          Die Anleger in Asien zogen sich am Donnerstag nach dem Zinsentscheid der Fed vor dem Hintergrund der Bankenturbulenzen aus den Märkten zurück. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 0,2 Prozent tiefer bei 27.400 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,4 Prozent und lag bei 1954 Punkten.

          Die Börse in Schanghai lag 0,1 Prozent im Minus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Schanghai und Shenzen gewann 0,3 Prozent.

          „Die Fed hofft und betet, dass sie dem Bankensystem keinen irreparablen Schaden zugefügt hat“, sagt Brian Jacobsen von Allspring Global Investments in Menomonee Falls. „Die Fed denkt wahrscheinlich, dass die finanziellen Spannungen als Ersatz für zukünftige Zinserhöhungen dienen.“ Die Erklärung der Fed deutete darauf hin, dass sie kurz davor war, die Zinserhöhungen zu pausieren, doch Powell sagte, die Zentralbank werde „genug“ tun, um die Inflation zu zähmen, und stellte weitere Zinserhöhungen in Aussicht, falls dies erforderlich sein sollte.

          Die Stimmung wurde auch durch eine Bemerkung von US-Finanzministerin Janet Yellen getrübt: Sie habe eine „Pauschalversicherung“ für US-Bankeinlagen ohne Zustimmung des Kongresses weder in Betracht gezogen noch diskutiert. „Dies wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht das letzte Wort über die Zinssätze oder die Einlagensicherung sein, und ein wenig mehr Hausaufgaben und Zusammenarbeit zwischen der Fed und dem Finanzministerium scheint durchaus angebracht“, schrieb ING-Volkswirt Rob Carnell in einer Notiz an Kunden. Die Vorstandsvorsitzende der Citigroup, Jane Fraser, sprach ihr Vertrauen in die US-Banken aus. Die jüngsten Turbulenzen stellten keine Kreditkrise dar.

          Im asiatischen Devisenhandel verlor der Dollar 0,8 Prozent auf 130,43 Yen und gab 0,6 Prozent auf 6,8362 Yuan nach. Zur Schweizer Währung notierte er 0,3 Prozent niedriger bei 0,9146 Franken. Parallel dazu stieg der Euro um 0,4 Prozent auf 1,0901 Dollar und zog um 0,1 Prozent auf 0,9971 Franken an. Das Pfund Sterling gewann 0,5 Prozent auf 1,2321 Dollar.

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