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Bankenaufsicht : London forciert Diskussion um Spaltung von Banken

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Folgen der Finanzkrise sorgen für Diskussionen über drastische Änderungen in der Bankenbranche. Die Londoner Aufsichtsbehörde debattiert eine Trennung von Investmentbanking und Einlagengeschäft. In Amerika hat es das schon einmal gegeben.

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          Die verheerenden Auswirkungen der Bankenkrise auf die Finanzen zahlreicher Staaten haben Diskussionen von Aufsichtsbehörden und Notenbanken entfacht, ob das Geschäft von Banken nicht aufgespalten werden soll. Die Überlegung ist, dass Banken eine wichtige Versorgerrolle für die Volkswirtschaft ausüben, die schützenswert ist, weniger risikoreich gestaltet und im Notfall gerettet werden soll.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Das von starken Eigeninteressen der Banken im Handel geprägte Spekulationsgeschäft soll indessen nicht vom Steuerzahler aufgefangen werden. Diese Unterscheidung würde indessen nur funktionieren, wenn die Banken entsprechend restrukturiert würden und ihr Handelsgeschäft so ausgerichtet würde, dass sein Zusammenbruch keinen negativen Dominoeffekt auf dem Kapitalmarkt auslösen würde. Die Londoner Finanzaufsicht hat nach ähnlichen Aussagen von Mervyn King, dem Gouverneur der Bank von England, die Diskussion um einen neuen Regulierungsansatz der Banken angespornt.

          Aufspaltung des Bankengeschäfts gab es schon

          Historisch ist es nicht neu, das Bankengeschäft aufgespalten wird. In den Vereinigten Staaten waren Investmentbanken, Kreditinstitute und Versicherer fast sieben Jahrzehnte lang getrennt. Erst 1999 wurde die in den dreißiger und fünfziger Jahren gesetzlich verfügte Trennung dieser Finanzinstitute vom Kongress wieder vollständig aufgehoben. Wie viele der immer noch gültigen Elemente der amerikanischen Finanzregulierung war die Trennung von Investmentbanken und Geschäftsbanken eine Folge des großen Börsenkrachs von 1929 und der darauf folgenden Wirtschaftskrise.

          Koalitionsverhandlungen : Bankenaufsicht mit Sanktionsrecht

          Die Gründe für die Trennung durch das 1933 verabschiedete sogenannte Glass-Steagall-Gesetz: Geschäftsbanken hatten zu stark auf dem Aktienmarkt spekuliert und waren mit den Einlagen ihrer Kunden zu große Risiken eingegangen. Fragwürdige Kredite waren an Unternehmen vergeben worden, an denen die Banken beteiligt waren. Gleichzeitig wurde den Bankkunden geraten, auch in diese Aktien zu investieren. Nach Verabschiedung des Glass-Steagall-Gesetzes durften nur 10 Prozent der Gewinne von Banken aus dem Wertpapiergeschäft kommen. In den fünfziger Jahren wurde dazu die Trennung der Versicherer von Banken gesetzlich verfügt, weil die Risiken der Zeichnung von Versicherungen für Kreditinstitute als zu hoch galten.

          Kritikern fehlt adäquate Bankenregulierung

          In den neunziger Jahren wurde allerdings die Debatte über zu starke Einschränkungen in der Finanzbranche lauter. Befürworter einer Zusammenführung von Banken, Investmentbanken und Versicherern - praktisch zu einer Universalbank europäischen Zuschnitts - argumentierten, dass gerade die Diversifizierung des Geschäfts für die Minderung von Risiken sorgen würde. Symbolisiert wurde die Abkehr von Glass-Steagall durch die Entstehung der Citigroup Ende der neunziger Jahre. Gerade diese Großbank wurde jedoch zu einem der größten Schadenfälle der jetzigen Finanzkrise.

          In Großbritannien hatte es ebenfalls bis in die achtziger Jahre eine faktische Trennung zwischen Wertpapierhäusern (Brokern) und Merchantbanken gegeben, die in der Handelsfinanzierung und in der Unternehmensfinanzierung tätig waren. Eine grundlegende Reform der Finanzbranche unter Margret Thatcher Ende der achtziger Jahre liberalisierte den Markt, riss Marktbeschränkungen ein und lud ausländische Großbanken ein, die City mit gewaltigen Investitionen in das Investmentbanking zu der Finanzmaschine zu machen, die sie heute ist - mit all dem Risikogeschäft, das die Welt in die Finanzkrise riss.Kritiker sagen, dass die Abschaffung von Glass-Steagall und die Reformen des Big-Bang in der Londoner City Ende der achtziger Jahre die Banken zwar von ihren Fesseln befreiten, aber dieser Freiheit keine adäquate Bankenregulierung entgegenstellte.

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