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Nächste Standortfrage für EU : Banken wollen Anti-Geldwäsche-Behörde nach Frankfurt holen

Finanzplatz Frankfurt in der Abenddämmerung Bild: Laila Sieber

Nach dem Fondsverband fordern nun auch die Banken mehr Einsatz von der Bundesregierung: Die nächste wichtige EU-Behörde soll endlich wieder nach Deutschland gehen.

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          Die deutschen Banken fordern von der Bundesregierung einen engagierten Einsatz für die Ansiedlung der angedachten europäischen Anti-Geldwäsche-Behörde in Frankfurt. „Die Bundesregierung sollte alles daran setzen, die Behörde nach Deutschland zu holen“, sagte Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, am Montag in einer Videokonferenz vor Journalisten. „Eine deutsche Bewerbung um den Standort dieser Behörde wäre ein starkes Signal, wie ernst das Thema hierzulande auch politisch genommen wird.“

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Noch steht nicht fest, ob eine solche Behörde überhaupt eingerichtet wird. Die Europäische Kommission erarbeitet gerade ein neues Gesetzeswerk, das den Kampf gegen Geldwäsche in der EU verstärken und vereinheitlichen soll. Nach Ansicht des Bankenverbands gehe die politische Diskussion eindeutig in Richtung einer eigenständigen Behörde.

          Gespräche zwischen Banken und Politikern

          Es gebe zu diesem Thema schon Gespräche zwischen Banken und Politikern. „Wir sind zuversichtlich, dass Deutschland gute Chancen für einen Zuschlag hat“, sagte Ossig weiter. In zwei bis drei Jahren könne es eine Entscheidung geben. Es sei gut und wichtig, sich jetzt schon dafür zu positionieren. Die Ansiedlung der Behörde in Frankfurt würde dabei helfen, das deutsche Finanzzentrum weiter als international bedeutenden Finanzplatz zu stärken und vor allem auch mehr qualifiziertes Personal an den Main zu locken.

          Schon vor dem Bankenverband hatte der deutsche Fondsverband BVI in einem Gastbeitrag in der F.A.Z. für die Ansiedlung der Behörde in Frankfurt getrommelt. Hauptgeschäftsführer Thomas Richter schrieb darin Ende März, die Bundesregierung wäre gut beraten, diesmal mehr diplomatischen Einsatz zu zeigen als im Fall der „unnötig vergeigten Bewerbung um die europäische Bankenbehörde Eba“, die nach dem Brexit letztlich von London nach Paris zog.

          Brexit-Banker wollen nicht nach Frankfurt

          Nach dem Brexit haben internationale Großbanken offenbar zunehmend Schwierigkeiten, ihre Mitarbeiter zu einem Wegzug aus London zu bewegen. Besonders schwer zu verkaufen sei der Umzug nach Frankfurt, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg nach Interviews mit mehreren Bankern und Führungskräften. Mehrere internationale Großbanken wie die amerikanischen Institute Goldman Sachs und JP Morgan oder die japanische Nomura haben allerdings ihre „EU-Hubs“ in Frankfurt eingerichtet und müssen nach dem Willen der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank dort auch eine entsprechend große Belegschaft aufbauen. Einige Nomura-Händler hätten den Wunsch geäußert, lieber nach Mailand oder Paris umzuziehen.

          Besonders Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern seien zögerlich beim Umzug. Andere Sorgen betreffen die Karrieremöglichkeiten, die Bezahlung und die geringere Größe anderer Finanzzentren als London. Offiziell äußern wollte sich keine Bank zu dem Thema.

          „Hier schneidet Deutschland schlecht ab“

          Der Bericht passt aber zu der Beobachtung des Bankenverbands. Demnach ist Frankfurt in einer ersten Phase nach dem Brexit unter den kontinentaleuropäischen Ausweichstandorten für London der klare Sieger gewesen, sagte Ossig. Das beziehe sich aber vor allem darauf, wie viele Banken Lizenzen hier beantragt und Bilanzwerte nach Frankfurt verlagert hätten. Jetzt gehe es in einer zweiten Phase darum, Mitarbeiter in Frankfurt anzusiedeln und zum Verbleib zu bewegen. „Hier schneidet Deutschland schlecht ab“, sagte Ossig. Gleiches gelte für die Ansiedlung großer Investoren wie Fondsgesellschaften und Vermögensverwaltern. Hier müsse die Bundesregierung mehr tun, indem sie zum Beispiel bürokratische Hürden abbaue.

          „Der Brexit unterstreicht die Dringlichkeit, im europäischen Finanzbinnenmarkt zu Fortschritten zu kommen“, sagte Ossig. Das helfe nicht nur den Banken, sondern sorge auch dafür, dass die Verbraucher und die Unternehmen einen besseren Zugang zu Finanzprodukten und Krediten erhielten.

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