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Negativzinsen : Banken warnen EZB

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main Bild: Maximilian von Lachner

Der Bundesverband deutscher Banken fordert die Zentralbank auf, weniger negative Einlagenzinsen von den Geschäftsbanken zu fordern. Sonst wären diese gezwungen, diese Negativzinsen noch stärker an die Kunden weiterzugeben.

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          Die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf Einlagen der Geschäftsbanken setzen der Kreditwirtschaft immer stärker zu. Am Montag warnte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Hans-Walter Peters, die Notenbank vor den Konsequenzen, sollten die Banken nicht stärker von dem negativen Einlagensatz, der seit dem 18. September 2019 minus 0,5 Prozent beträgt, entlastet werden. Nach den Worten Peters’, der bis Jahresende Chef der Hamburger Berenberg Bank ist, wären dann noch mehr Banken gezwungen, die negativen Zinsen auf die Kunden auszurollen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bislang sind davon in der Regel Unternehmen mit hohen Einlagen und wohlhabende Kunden mit Konteneinlagen ab 100.000 Euro betroffen. Allerdings sind zuletzt immer mehr Banken dazu übergegangen, negative Zinsen schon auf Einlagen von 10.000 Euro an zu erheben. Die deutschen Banken, die sich hier auch eng mit den französischen Instituten abstimmen, fordern einen höheren Freibetrag, für den keine negativen Zinsen fällig sind. Die europäischen Banken würden in diesem Jahr mehr als zehn Milliarden Euro an negativen Zinsen der EZB zahlen nach sieben Milliarden Euro im Jahr 2019, sagte Peters. Das seien 870 Millionen Euro im Monat. Diese Beträge fehlen den Banken zur Kreditvergabe, die in der Corona-Krise aber dringend benötigt wird.

          Bankenpräsident Peters, der das Amt im April 2021 an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Christian Sewing, abgeben wird, sprach von einem drastischen Anstieg der Einlagen. Das liege zum einen an der von 10,9 auf 15 Prozent gestiegenen Sparquote der deutschen Haushalte, die in der Pandemie auf Vorsicht setzten. Zum anderen machte Peters auch die Anleihekäufe der EZB dafür verantwortlich. Dies führe auch zu einem deutlich höheren Aufwand, den Banken für den europäischen Abwicklungsfonds leisten müssten. Dessen bis Ende 2023 zu erreichende Zielausstattung betrug ursprünglich 55 Milliarden Euro, was 1 Prozent der gedeckten Einlagen, also aller Konten bis zur staatlichen Garantie von 100.000 Euro je Kunde und Bank, entsprechen sollte.

          Doch der Zielbetrag sei durch den Einlagenzustrom um 30 Prozent auf 70 Milliarden Euro gestiegen, sagte Peters. Damit steigt die Bankenabgabe stark. „Lag der Beitrag der europäischen Kreditwirtschaft 2016 noch bei 6,4 Milliarden Euro, reden wir dieses Jahr über 9,2 Milliarden Euro – Tendenz steigend. In der augenblicklichen Situation ist das nicht zu rechtfertigen“, sagte Peters. Er sprach sich dafür aus, den Abwicklungsfonds auf 55 Milliarden Euro zu deckeln, wodurch den europäischen Banken 15 Milliarden Euro zur Verfügung stünden.

          Der noch amtierende Berenberg-Chef wird zum Jahresende aus der Geschäftsleitung der Hamburger Privatbank ausscheiden. Da sein Nachfolger Sewing erst im April 2021 antreten wird, hat sich der Bankenverband für das Novum eines übergangsweise hauptamtlichen Bankenpräsidenten entschieden. „Ich werde dieses Amt unentgeltlich ausüben“, sagte Peters. Doch danach wird der Bankenverband wieder einen ehrenamtlichen Präsidenten haben. „Der gesamte Vorstand ist weiterhin davon überzeugt, dass das Modell eines ehrenamtlichen, im Hauptberuf fest im Bankgeschäft verwurzelten Präsidenten das richtige Führungsmodell für den Bankenverband ist“, fügte Peters hinzu. „Zwischen Sewing und mir ist das fest vereinbart, dass er das im April übernimmt. Das hat er heute in der Vorstandssitzung auch noch mal untermauert“, sagte Peters.

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