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Faule Kredite : Banken kassieren ihre Retter ab

Neubau in Frankfurt: Die EZB will faule Kredite der Banken aufkaufen um sie zu entlasten. Bild: dpa

Die EZB will in den Banken aufräumen. Damit beauftragt sie ausgerechnet Banken. Diese könnten aus der Rettungsaktion ein großes Geschäft machen – zu ihren Gunsten.

          Wiederholt sich die Geschichte? Als Amerika in den dramatischen Wochen der Finanzkrise seine Banken retten musste, da gab es ein seltsames Phänomen: Der Staat, der auf einmal zum übermächtigen Retter geworden war, brauchte ausgerechnet die Konstrukteure von all den komplexen Schrottpapieren, um die Strukturen wieder entwirren zu können. Die Mitarbeiter der staatlichen Behörden hätten das einfach nicht geschafft. Die Investmentbanker aber machten die Rettung der eigenen Branche aus der selbstverschuldeten Krise zu einem gewaltigen Geschäft.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Europa passiert gerade etwas Ähnliches. Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, steht kurz vor dem Beginn seines nächsten spektakulären Programms. Damit die Banken wieder mehr Spielraum für neue Kredite haben, will er ihnen Wertpapiere abkaufen, die „ABS“ heißen („Asset Backed Securities“) - zu Deutsch „forderungsbesicherte Wertpapiere“. Die Banken können damit alte Kredite für Häuser, Autos oder Maschinen gebündelt an die EZB weitergeben. Die Idee dahinter: Wenn die Banken alte Risiken loswerden, können sie mutiger neue Kredite vergeben. Das soll die Wirtschaft ankurbeln.

          Doch die Sache ist tricky. Das Geschäft mit diesen Wertpapieren ist nicht einfach - und das Programm soll nach Draghis Vorstellungen möglichst bald beginnen.

          Die Banken sind die Nutznießer

          Der eigenen Institution traute der EZB-Präsident das offenbar so schnell nicht zu. Deshalb sollen private Banken und Vermögensverwalter damit beauftragt werden. Ein erstes Mandat für das Design des Programms wurde bereits an den amerikanischen Finanzdienstleister Blackrock vergeben. Ein zweites für die Käufe selbst ist ausgeschrieben. Im Gespräch dafür sind die französische Großbank BNP Paribas und die Deutsche Bank.

          Die Banken profitieren von diesem Programm also doppelt. Auf der einen Seite werden sie von der Notenbank entlastet. Sie nimmt ihnen einen Teil der Risiken, die sie sonst nicht losgeworden wären. Auf der anderen Seite verdienen sie daran, dass sie den Kauf für die Notenbank abwickeln - natürlich gegen Honorar. Ganz schön unverfroren.

          Dabei sind die ABS-Papiere in Verruf. „Schrottpapiere“ wurden sie genannt oder „Giftpapiere“. Alle haben sie aus der Finanzkrise in Erinnerung. Als in Amerika die Hauskredite reihenweise ausfielen, da gab es weltweit Dominoeffekte - weil Banken Kredite verbrieft, verpackt und weiterverkauft hatten. Am Schluss wusste niemand mehr, wo was drin war.

          EZB kauft auch Papiere aus Krisenstaaten

          Die Banken sagen zwar, die Papiere seien in Europa nie so problematisch gewesen wie in Amerika. Unstrittig ist trotzdem, dass mit den ABS-Papieren erhebliche Risiken von den Banken auf die Notenbank übergehen. Und da möchte man schon sehr genau wissen, wer Einfluss auf die Auswahl hat.

          Immerhin geht es nach Schätzungen um ein Volumen von knapp 400 Milliarden Euro. Die Kredite, die in ABS-Papieren stecken, sind dabei sehr unterschiedlich. Die größte Zahl besteht aus verbrieften Immobiliendarlehen - allerdings weniger aus Deutschland. Hierzulande werden vor allem Autokredite verbrieft, etwa von Volkswagen. Es gibt auch verbriefte Kredite an kleine und mittlere Unternehmen, aber nicht in sehr großer Zahl. Die EZB hat außerdem angekündigt, auch ABS-Papiere aus Zypern und Griechenland aufkaufen zu wollen, allerdings zu besonderen Konditionen.

          Es wäre nicht so heikel, wenn die beauftragten Banken wirklich nur die Geschäfte ausführten, aber keinen Einfluss auf die Auswahl hätten. Wenn aber ihre Kenntnisse genutzt werden, um das Risiko einzuschätzen und den Preis zu finden, wäre ihr Einfluss nicht unerheblich. „Man würde den Bock zum Gärtner machen“, meint Hans-Peter Burghof, Bankenprofessor aus Stuttgart.

          Wiederholt sich die Geschichte?

          Wer schützt den Steuerzahler dann davor, dass die Banken sich ihrer faulen Kredite bei der Notenbank entledigen? Dass die EZB zur „Bad Bank Europas“ wird, wie es der Münchener Ökonom Hans-Werner Sinn formuliert hat?

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