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Outsourcing von Banken : Banken und Fintechs wollen leichter kooperieren

Fintech-Messe in Singapur: Überblick behalten ist schwer Bild: Reuters

Die Bankenaufsicht stellt hohe Anforderungen an das Outsourcing. Banken fordern nun, leichter Kooperationen mit jungen Finanztechnikunternehmen anbahnen zu dürfen.

          Anfangs war die Rivalität zu den etablierten Banken groß, doch kaum ein Fintech außer der Smartphonebank N26 pflegt diesen Wettstreit heute noch. Nur N26 greift mit Werbeslogans wie „Deine Bank verarscht dich“ Banken und Sparkassen an und wirbt mit Mottos wie „Die erste Bank, die Du lieben wirst“ um junge Leute als Kunden. Aber N26 ist insofern eine Ausnahme, als dieses im Februar 2013 gegründete Unternehmen nach mehreren Namensänderungen seit dem Jahr 2016 über eine Banklizenz verfügt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit ist N26 eine Vollbank, die Einlagen und Kredite vergeben darf und sich gleichzeitig der strengen Prüfung und Kontrolle der staatlichen Finanzaufsicht unterwirft. Mit der deutschen Bankaufsicht Bafin gerät das junge Unternehmen denn auch wegen seiner eher lockeren Verfahren etwa zur Identifizierung von Kunden bei der Kontoeröffnung immer wieder aneinander.

          Viele junge Finanztechnikunternehmen haben denn auch einen anderen Weg als N26 eingeschlagen: Die meisten Fintechs konkurrieren nicht mit Banken, sondern sie bieten sich Banken als innovativer, technikgetriebener Kooperationspartner an. Mit der Digitalisierung – dazu gehören das sprunghafte Anwachsen von Daten, ihre immer leichtere Speicherung und umfänglichere Nutzung – sind viele Geschäftsprozessketten in Banken in kleine digitale Glieder zerfallen. Es gibt dafür zahlreiche Beispiele, etwa wenn die Kunden sich bei der Kontoeröffnung ausweisen und dies per Online-Video-Übertragung des Reisepasses geschieht und in einem zweiten Schritt die Übertragung von zum Beispiel Daueraufträgen vom alten auf das neue Bankkonto erfolgt.

          Für solche „Legitimierungsverfahren“ und „Kontowechselservices“ greifen Banken heutzutage oft auf von Fintechs entwickelte Lösungen zurück, die sie eingekauft haben. Die Beratungsgesellschaft PWC zählte im Oktober 2018 in Deutschland genau 562 Kooperationen von Banken mit Fintechs und 294 Kooperationen von Versicherern mit Fintechs, so viele wie noch nie. Im Jahr 2012 hatte dieser Trend begonnen, zwischen den Jahren 2014 und 2017 hat sich die Zahl der Kooperationen verzehnfacht.

          Allerdings knirscht es oft schon in der Anbahnungsphase einer Kooperation. Die oft nicht einmal hundert Mitarbeiter beschäftigenden jungen Finanztechnikunternehmen sind schnell überfordert von den Fragen, die Banken unter dem Druck der Finanzaufsicht schon beantwortet wissen möchten, bevor sie Geschäftsprozesse auslagern. Wie sind die internen Kontrollen, gibt es etwa ein Vier-Augen-Prinzip? Und eine Revision? Und eine Geldwäscheprüfung, wie sie die Bafin in Banken vorschreibt?

          Zwischen 70 und 700 Fragen hätten Banken schon aufgeworfen, bevor sie eine Kooperation mit einem Fintech eingegangen seien, berichtet Dirk Jäger, Geschäftsführer des privaten Bankenverbandes. „Der Anbahnungsprozess vor einer Auslagerung ist zu schwerfällig“, lautet Jägers Schlussfolgerung. Zum Teil seien die Banken selbst schuld daran, weil sie die Vorgaben der Bankenaufsicht zu kompliziert umsetzten.

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