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Finanzmarktturbulenzen : Banken-Stress geht weiter – Kurse sinken

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Bild: dpa

In Europa sind Bank-Aktien massiv unter Druck geraten – vor allem die der Deutschen Bank. Bundeskanzler Olaf Scholz sprach ihr demonstrativ das Vertrauen aus.

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          Das Vertrauen ins Bankensystem wiederherstellen: Dieses Ziel verfolgten die Schweizer Regierung und die Notenbank des Alpenlandes, als sie in der vergangenen Woche die 167 Jahre alte Credit Suisse mit ihrer Rivalin UBS sozusagen zwangsfusionierten. Das Vertrauen der Investoren herzustellen, das gelang ihr nur sehr kurzfristig. Nach einer überaus volatilen Woche gingen die Kurse von Deutscher Bank und Commerzbank wieder einmal auf Talfahrt.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.
          Archibald Preuschat
          Redakteur in der Wirtschaft

          In der Spitze 15 Prozent verloren die Aktien von Deutschlands größtem Geldinstitut. Binnen zwei Wochen, also seit der durch den Kollaps der Silicon Valley Bank ausgelösten Bankenkrise, büßte die Deutsche Bank 30 Prozent oder rund 7 Milliarden Euro ihres Börsenwerts ein. Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe notierte die Deutsche-Bank-Aktie bei 8,23 Euro, 11,5 Prozent weniger als am Donnerstag

          Dem Dax-Rückkehrer Commerzbank erging es nicht viel besser. Er büßte binnen zwei Wochen rund ein Viertel seines Börsenwerts ein, der am Freitag nur noch etwas mehr als 10 Milliarden Euro betrug. Vorbei die Zeiten, in denen der Commerzbank-Kurs zweistellig war. Bei Redaktionsschluss war eine Commerzbank-Aktie noch 8,83 Euro wert, 6 Prozent weniger als am Vortag. Die Schwäche der Banken drückte den deutschen Leitindex Dax wieder unter die Marke von 15.000 Punkten mit einem Tagesminus von 1,9 Prozent.

          Schützenhilfe vom Bundeskanzler

          Schützenhilfe bekommt die Deutsche Bank von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD): „Es gibt keinen Anlass, sich irgendwelche Gedanken zu machen“, sagte Scholz nach dem EU-Gipfel in Brüssel. Die Deutsche Bank habe ihr Geschäftsmodell grundlegend modernisiert, neu organisiert und „ist sehr profitabel“. Das Bankensystem in Europa sei sehr stabil und widerstandsfähig.

          Das Misstrauen im Markt sitzt aber tief. Wohl auch deshalb, weil die Zentralbanken ungeachtet der Turbulenzen der Finanzinstitute weiter an der Zinsschraube drehen, um die Inflation zu bekämpfen. So erhöhte die Schweizer Notenbank den Leitzins in dieser Woche um einen halben Prozentpunkt. Die US-Fed wie auch die Bank of England hoben das Zinsniveau um 25 Basispunkte.

          Schon Anfang dieser Woche riet Michael Heise, Chefökonom beim Familien-Vermögensverwalter HQ Trust, um Bankaktien einen großen Bogen zu machen. Der Sturm sei noch nicht vorbei. Die Gründe mögen auch in den USA liegen, dem Ausgangspunkt des gegenwärtigen Bankenbebens.

          Neben der Zinserhöhung, die die Lage für Finanzinstitute mit einem hohen Anteil von Staatsanleihen und staatlich abgesicherten Hypothekenpapieren erschwert, ist da noch Finanzministerin Janet Yellen. Sie hatte am Mittwoch gesagt, dass nicht an einer Komplettgarantie für Bankguthaben gedacht sei, am Donnerstag versicherte sie, dass die Regierung entschlossene Maßnahmen vorgenommen habe, um sicherzustellen, dass die Bankguthaben sicher sind. Das Finanzministerium sei vorbereitet, zusätzliche Schritte zu unternehmen, wenn es nötig werde.

          Zu den wichtigsten Rettungsmaßnahmen gehörte das am 13. März eingerichtete „Bank Term Funding Program“, das Finanzinstituten Liquidität gegen die Hinterlegung von Staatsanleihen oder Wertpapieren gleicher Qualität gewährt. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht weiter die First Republic Bank , die trotz einer konzertierten Liquiditätshilfe von Großbanken im Umfang von 30 Milliarden Dollar weiter an Wert verliert. Am Donnerstag endete sie den Börsenhandel mit einem Minus von 4,5 Prozent. Der Unternehmenswert schrumpfte binnen einem Monat um 90 Prozent. Versuche, eine Übernahme zu organisieren, haben bis jetzt nicht zum Erfolg geführt.

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