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Banken im Stress : Die Überdehnung des internationalen Bankgeschäfts

Welche Folgen hat es, wenn die Banken schrumpfen? Bild: dpa

Das Geschäft europäischer Banken mit dem Dollar ist vor der Krise extrem gewachsen. Der Derivatemarkt boomt. Erste Banken erwägenen nun, an dieser Stelle zu reduzieren.

          7 Min.

          Bankgeschäfte wachsen manchmal sehr rasch, aber nicht in den Himmel. Diese Erfahrung lässt sich auch in der laufenden Krise treffen. Die französischen Großbanken Société Générale und BNP Paribas haben Reduzierungen ihrer Geschäfte fest angekündigt, während der Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Bank, Josef Ackermann, einen solchen Schritt zumindest angedeutet hat. Banken auf beiden Seiten des Atlantiks haben einen Personalabbau angekündigt.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Während in der Krise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers vor allem amerikanische Banken zum Mittel der Bilanzverkleinerung griffen, um ihre Verschuldung in den Griff zu bekommen („Deleveraging“), stehen in der aktuellen Krise hauptsächlich, wenn auch nicht nur, europäische Banken im Brennpunkt. Deutliche Kursverluste der Aktien, gestiegene Preise für Kreditausfallderivate (CDS) auf Bankanleihen und Herabstufungen durch die Ratingagenturen sind Ausdruck des gewachsenen Risikos, das die Finanzmarktteilnehmer mit vielen europäischen Banken verbinden. Eine von der Politik erörterte Idee besteht in der Ausstattung der Banken mit Eigenkapital als Reservepuffer. Alternativ können Banken aber auch Risiken reduzieren, indem sie sich von vorhandenen Geschäften trennen.

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          Mehr Dollargeschäfte

          Zwei bemerkenswerte und miteinander verbundene Entwicklungen der vergangenen zehn Jahre im internationalen Bankgeschäft schlagen in der aktuellen Krise auf die europäischen Banken zurück. Das ist zum einen die extreme Vergrößerung der auf Dollar lautenden Geschäfte durch große europäische Banken. Diese Geschäfte wurden und werden innerhalb Europas vor allem von Banken aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, der Schweiz und den Benelux-Staten betrieben. Zweitens hat die Mittelaufnahme der großen europäischen Banken durch Ausgabe von Wertpapieren, darunter nicht zuletzt kurzfristigen Geldmarktpapieren, als Alternative zur Refinanzierung durch Kundeneinlagen erheblich zugenommen. Diese beiden Effekte hat in aktuellen Arbeiten der Princeton-Ökonom Hyun Song Shin untersucht.

          Die stark wachsende Verschuldung bei geringem Eigenkapital zeigt in der Grafik die Entwicklung der Bilanzsummen der britischen Barclays Bank und der französischen Société Générale. Deutlich wird eine sehr starke Zunahme der Geld- und Kapitalmarktfinanzierungen („Sonstige Verbindlichkeiten“), die zu einer kräftigen Ausweitung der Bilanzsummen führten. Sowohl die Bankeinlagen der Kunden als auch das ohnehin nicht allzu üppige Eigenkapital veränderten sich kaum. Verwendet wurden diese zusätzlichen Mittel unter anderem zum Kauf von Staatsanleihen, für die Banken kein zusätzliches Eigenkapital vorhalten müssen. Shin sieht in solchen Regeln einen wichtigen Grund für die Aufblähung der Bankbilanzen. Diese Vorliebe für als risikolos angesehene Staatsanleihen erklärt, warum sich Banken heute mit dem Gedanken an unsichere Staatsanleihen schwer tun.

          Nicht nur Amerika, auch die Schwellenländer

          Ein extrem starkes Wachstum haben in der vergangenen Dekade vor allem die Dollargeschäfte europäischer Banken verzeichnet. Wie die Grafik zeigt, begann dieses Wachstum mit Beginn des vergangenen Jahrzehnts, doch auch hier ist ab dem Jahr 2005 eine besonders schnelle Zunahme zu erkennen. In den Jahren 2006 bis 2008 übertrafen die Dollaranlagen ausländischer Banken (Finanzanlagen und reale Anlagen wie Immobilien) mit einem Höchststand von gut 10 Billionen Dollar sogar die Dollar-Finanzanlagen der amerikanischen kommerziellen Banken (ohne Investmentbanken).

          Diese Dollargeschäfte beschränken sich nicht auf die Vereinigten Staaten, sondern umfassen auch viele Geschäfte in Schwellenländern. Die wichtigsten europäischen Banken im Dollarraum sind Häuser aus Großbritannien und der Schweiz gewesen, gefolgt von den deutschen und den französischen Banken.

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