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Kontogebühren steigen : Die Banken ziehen die Zügel an

Finanzplatz Frankfurt bei Nacht: Banken heben ihre Gebührten deutlich an. Bild: dpa

Die Bankgebühren in Deutschland sind im Laufe eines Jahres im Durchschnitt um mehr als 6 Prozent gestiegen. Das berichtet das Statistische Bundesamt. In den letzten Wochen gab es offenbar nochmal eine neue Welle, an der nicht der Negativzins Schuld hat.

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          Deutschlands Banken haben ihre Gebühren zuletzt deutlich angehoben. Im Laufe eines Jahres sind die Gebühren für Verbraucher im Durchschnitt um 6,4 Prozent gestiegen und gehörten damit zu den in diesem Zeitraum am stärksten gestiegenen Preisen in Deutschland überhaupt. Das berichtet das Statistische Bundesamt. In der Inflationsrate für Oktober in Deutschland, die insgesamt negativ war, gehörten die Bankgebühren damit neben beispielsweise den Lotto-Preisen zu den treibenden Faktoren.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Gespräch mit der F.A.Z. führte eine Sprecherin des Amtes aus, zu dieser ungewöhnlich starken Preissteigerung hätten höhere Kontoführungsgebühren für Girokonten und beispielsweise auch Gebühren für Kredit- und Debitkarten beigetragen. Hingegen seien sogenannte Verwahrentgelte und Negativzinsen, die bei vielen Banken zuletzt auch eingeführt, ausgeweitet oder angehoben worden waren, in dieser Kategorie vom Statistischen Bundesamt nicht berücksichtigt worden.

          Berücksichtigt bei diesem gut sechsprozentigen Preisanstieg seien sowohl Filialbanken als auch Online-Banken in Deutschland, berichtete die Sprecherin weiter. Möglicherweise reagierten die Banken damit auf das für sie herausfordernde Umfeld durch die Niedrigzinsen und negativen Einlagenzinsen der Europäischen Zentralbank.

          Deutsche Bank hebt Gebühren an

          Zum 1. Oktober hatte beispielsweise die Deutsche Bank die Kontoführungsgebühren fürs Girokonto angehoben, zum Teil nicht unerheblich. Das sogenannte „DB Aktiv Konto“ kostet seither 6,90 Euro (statt 5,90 Euro) und das „DB Best Konto“ 13,90 Euro (statt von 11,90 Euro) im Monat, sieht man von befristeten Rabattaktionen ab.

          Auch die Commerzbank hatte zuletzt an der Gebührenschraube gedreht. So war nicht nur das sogenannte kostenlose Girokonto von Bedingungen abhängig gemacht worden. Es war auch die Grenze für Verwahrentgelte herabgesetzt worden, für Neukunden von 250.000 auf 100.000 Euro. Und zum 1. Januar sollen auch die Preise für Schließfächer bundesweit deutlich steigen.

          Viele Sparkassen und Volksbanken hatten bereits im ersten Halbjahr die Gebühren für das Girokonto und damit verbundene Leistungen angehoben. Das Internetportal Biallo kommt auf 180 Sparkassen, bei denen das der Fall gewesen sei, und auf rund 300 Genossenschaftsbanken. Zuletzt hatten beispielsweise die Chemnitzer Sparkasse und die Sparkasse Vogtland höhere Kontogebühren angekündigt.

          Veränderung der Gebühren-Struktur

          In vielen Banken sind zudem die Kontomodelle für Girokonten umgestellt worden. Mittlerweile gebe es zunehmend auf der einen Seite Kontomodelle mit einer pauschalen Kontoführungsgebühr und auf der anderen Seite solche, bei denen viele Posten einzeln abgerechnet würden, berichtet das Statistische Bundesamt. Das mache es für Verbraucher nicht immer ganz einfach, gleich zu sehen, ob die Kontoführung für sie teurer wird oder nicht. Das Bundesamt hat versucht, die Auswirkungen dieser Veränderung unter dem Strich zu messen und in die Verbraucherpreis-Entwicklung einfließen zu lassen, wie die Sprecherin weiter sagte. 

          Der starke Gebühren-Anstieg ist nicht nur in den Verbraucherpreis-Beobachtern aufgefallen. Die FMH-Finanzberatung, die bundesweit regelmäßig Zinsen und andere Bankkonditionen vergleicht, bestätigte die Beobachtung des Statistischen Bundesamtes in der Tendenz. Jeden Monat ändere im Schnitt jede zwanzigste Bank die Konditionen für ihre Girokonten, sagte Ania Scholz-Orfanidis, Prokuristin bei FMH. Auf welche Weise die Banken ihre Einnahmen dabei erhöhten, sei unterschiedlich. Nicht nur die monatlichen Kontoführungsgebühren und die Jahresentgelte für Kreditkarten seien bei vielen Banken angehoben worden. Manche Banken nähmen auch Änderungen vor, welche Leistungen bei ihnen kostenlos seien und für welche man zahlen müsse. Unter anderem für beleglose Buchungen gebe es in letzter Zeit häufig neue Gebühren.

          Einen relativ aufwendigen Girokontenvergleich unter 500 Angeboten, der sogar vom TÜV zertifiziert wurde, bietet die Internetplattform Check 24 neuerdings an. Auch dieses Unternehmen berichtet von steigenden Gebühren für die Kontoführung bei vielen Banken. Allein seit Ende September, also innerhalb weniger Wochen, seien die Kontoführungsgebühren bei Online- und Filialbanken in Deutschland im Durchschnitt um knapp 2 Prozent gestiegen, von 4,28 auf 4,36 Euro im Monat. Dabei eingerechnet sind auch solche Girokonten, für die keine Gebühren fällig werden.

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