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Banken : "Ein Konzept ohne Beispiel"

  • -Aktualisiert am

Macht zwei Euro Bild: ZB

Über der Tür steht ein rotes S mit Punkt. Auffälliger aber ist das Display mit durchlaufender Schrift, auf dem Konzerte angekündigt werden. Eine Sparkassenfiliale wird zum Event-Center.

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          BONN, 2. Mai. Wer genau hinschaut, kann über der Tür das rote S mit dem Punkt obendrauf entdecken. Aber nicht das Sparkassen-Logo fällt auf, sondern das Display am Schaufenster mit durchlaufender Schrift, auf dem Konzerte der nächsten Wochen in Bonn und Köln angekündigt werden. Hinter einer anderen Scheibe leuchtet es magenta: Hier locken Fan-Artikel der Telekom Baskets Bonn, die dieses Jahr endlich Deutscher Meister werden möchten.

          Wer eintritt, fragt sich, ob es sich um einen Fan-Shop, eine Vorverkaufsstelle oder ein Café handelt. Alles ist richtig und falsch. Denn der Besucher steht in einem "Event Center", das Internet-Café, Veranstaltungs- und Fetenraum, Börsentreff, Ticket-Shop und Mediathek zugleich ist, vor allem aber eine Filiale der Sparkasse Bonn: Bis zum unauffälligen "Service Point" mit einer lächelnden Sparkassenangestellten sind es nur zwei, drei Schritte.

          "Das Konzept ohne Beispiel" war dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse, Michael Kranz, 4 Millionen Euro Investitionen wert, die in das stadtbekannte, aber heruntergekommene Gangolf-Kino in Bahnhofsnähe investiert wurden. Das nicht nur von der Sparkasse Bonn anvisierte Ziel bringt Kranz auf die Formel: "Wir möchten als Sparkasse Teil der Erlebniswelt der Achtzehn- bis Dreißigjährigen sein."

          Diese Altersklasse entscheide sich sehr bewußt, welche Dienstleistung sie wähle - oft zum Nachteil der Sparkasse. So kommt das Kreditinstitut nach eigenen Untersuchungen zwar bei den Sechzehn- bis Zwanzigjährigen auf 60 Prozent Marktanteil. In der Altersklasse "20 bis 30 Jahre" sinkt der Anteil aber auf 40 Prozent. Ausschlaggebend sei nicht der Preis, sondern seien die vermutete Leistungsfähigkeit einer Bank und ihr Image, sind sich die Bonner sicher.

          Hier setzt die Sparkasse mit ihrem "soft marketing" an. Nicht das Unternehmen und seine Angebotspalette stehen im Vordergrund, sondern Themen, die die junge Zielgruppe interessieren: Musik und Tanzen von der schrillen House Party über Charthits bis zum Tango für Anfänger, Sport mit Liveübertragungen von Formel 1 und Bundesliga auf Großleinwand und Internet. Hier liegt die Verbindung zum Bankgeschäft am nächsten. Der Börsentreff in einer Ecke des Cafés wird gut angenommen. Die vier Computerplätze sind fast immer besetzt. Natürlich loggt sich hier schon mal ein Fünfzehnjähriger zum Börsenspiel ein, der viel Begeisterung für den zu gewinnenden Motorroller, aber wenig Ahnung von Aktien mitbringt. Treue Kunden sind Studenten, die regelmäßig ihr fiktives Depot aktualisieren, mit der Aussicht, echte Fondsanteile zu gewinnen. Dazu können sie Laptops ausleihen, um drahtlos (Wireless-LAN) ins Internet zu kommen.

          Die erwartet hohen Besucherzahlen seien erreicht worden, bilanziert Reimund Koch, Geschäftsführer des Gangolf.com, drei Monate nach dem Start. Nun müsse man die richtige Kundenansprache lernen. Ihr Marketingkonzept und ihre Erfahrungen will die Sparkasse auch anderen verkaufen. Interessenten aus Leipzig, Frankfurt, Dresden und Stuttgart haben sich das Gangolf schon angesehen. Darunter sind nicht nur Finanzdienstleister, sondern beispielsweise auch Telekommunikationsunternehmen. Koch ist sicher: "Das Konzept ist im Prinzip auf jede Branche und jede Stadt übertragbar."

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