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Bankanleihen : Fitch senkt Bonitätsnoten von acht Instituten

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Auf die Herabstufung weiterer Bankenratings reagiert die Börse gelassen. Allerdings wächst wegen der steigenden Anforderungen der Aufsichtsbehörden die Furcht vor einer Kreditklemme.

          3 Min.

          Die Welle der Bonitätsabstufungen durch die Ratingagenturen setzt sich fort. Am Freitag senkte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit von acht internationalen Großbanken, und zwar von der Deutschen Bank, der Bank of America, Barclays, BNP Paribas, Credit Suisse, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Société Générale. Bei den meisten dieser Institute wurde sowohl das Emittentenausfallrating herabgesetzt wie auch das Individualrating, das signalisiert, wie kreditwürdig eine Bank ohne die potentielle Unterstützung durch den Staat wäre.

          „Egal wie gut diese Banken geführt sind, ihr Geschäftsmodell mit der Art ihrer Refinanzierung, ihrer Erträge und ihres Leverage macht die Institute anfällig für die Stimmung an den Märkten, vor allem in Zeiten von externem Stress“, teilte die Agentur mit. Fitch räumte ein, dass die Institute ihr Kapital zwar aufgestockt hätten, dass die Deutsche Bank die jetzt geforderte Kernkapitalquote von 9 Prozent bereits Ende des Jahres erreiche und dass all diese Banken über bessere Liquidität verfügten. Aber die wirtschaftliche Entwicklung und die Flut von Regulierungsvorschriften bedeuteten erhebliche Belastungen. Zwar führten die Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu einer besseren Kapital- und Liquiditätsausstattung. Sie erhöhten aber auch die Kosten der Banken und beschränkten ihre Erträge.

          Deutschen Bank herabgestuft

          Das Emittentenrating der Deutschen Bank wurde von „AA-“ auf „A+“ herabgesetzt und das Individualrating von „aa-“ auf „a“. Fitch betonte, dass die Bank ihr Geschäftsmodell schneller anpassen und die Erträge besser ausbalancieren müsse. Die künftige Berechnung der risikogewichteten Aktiva nach den Vorschriften des Baseler Ausschusses für Bankaufsicht würde die Deutsche Bank noch hart treffen.

          Der Druck auf die Banken, ihre risikogewichteten Aktiva zu senken, hat sich durch die Eigenkapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) erhöht, die schon im Juni 2012 erfüllt werden müssen. Die Furcht ist, dass die höheren Eigenkapitalvorschriften unweigerlich zu einer Drosselung der Kreditvergabe an die Wirtschaft führen könnten. Die EBA hat einen bis Juni zu deckenden Kapitalbedarf der großen europäischen Banken von knapp 115 Milliarden Euro errechnet. Da eine Eigenkapitalerhöhung an den Börsen angesichts der niedrigen Aktienkurse für Banken prohibitiv teuer wäre, werden die Institute nach eigener Rechnung mindestens ein Drittel des Kapitalbedarfs durch eine entsprechende Senkung der risikogewichteten Aktiva erzielen müssen.

          Konjunkturschwäche zeichnet sich ab

          Ein Drittel des von der EBA errechneten Kapitalbedarfs wären 38 Milliarden Euro. Sie würden die Kernkapitalquote von 9 Prozent eines risikogewichteten Aktivavolumens von etwa 400 Milliarden Euro ausmachen. Unterstellt man, dass Aktiva von Banken im Durchschnitt zu 40 Prozent mit Kernkapital unterlegt werden müssen, dann wären diese 400 Milliarden Euro der mit 9 Prozent Kernkapital zu unterfütternde Teil von 1 Billion Euro. Die europäischen Großbanken müssten also Vermögenswerte und Kreditforderungen von 1 Billion Euro reduzieren, wollten sie auch nur ein Drittel der Kapitalanforderungen der EBA durch eine Reduzierung ihrer risikogewichteten Aktiva darstellen.

          Die Banken wurden von der EBA aufgefordert, den Kapitalbedarf weitgehend durch einbehaltene Gewinne zu erreichen. Angesichts der sinkenden Erträge in der sich abzeichnenden Konjunkturschwäche könnte diese Rechnung nach Einschätzung von Bankenbeobachtern jedoch eine Illusion sein.

          „Die hätten wir auch gern“

          Je niedriger die Gewinne der Banken ausfallen, desto mehr ist die Möglichkeit beschnitten, Kapital aus einbehaltenen Gewinnen zu schaffen. Müsste im Extremfall der gesamte Kapitalbedarf der Banken von 115 Milliarden Euro durch eine Senkung der risikogewichteten Aktiva erfolgen, würde dies einen Abbau von Vermögenspositionen und Forderungen der Banken von bis zu 3 Billionen Euro bedeuten mit entsprechend gravierenden Konsequenzen für die Wirtschaft. In Deutschland wäre dies theoretisch ein Volumen von mehr als 350 Milliarden Euro, in Spanien von mehr als 700 Milliarden Euro und in Italien von mehr als 400 Milliarden Euro.

          Die EBA verlangt daher, dass ihre Anforderungen nicht dazu führen dürften, dass die Banken ihre Kreditvergabe einschränken. Dies sei rechtlich aber nicht durchsetzbar, heißt es bei Banken in der Londoner City. Es könnte daher künftig noch mehr Unternehmern so gehen wie jüngst einem deutschen Industrievertreter, der bei einer Bank um 50 Millionen Euro nachfragte und als Antwort erhielt: „Die hätten wir auch gern.“

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