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Banca Carige : EZB stellt italienische Bank unter Zwangsverwaltung

In Schieflage: Die Banca Carige. Bild: Reuters

Eine kleine Bank aus Genua bedroht das Image der italienischen Banken. Ein Großaktionär sperrt sich gegen eine Kapitalerhöhung. Die EZB schreitet ein. Und die Finanzmärkte reagieren nervös.

          Für die Sanierung und das Image des italienischen Bankensystems wird nun die relativ kleine Genueser Banca Carige zum Prüfstein. Die zur Europäischen Zentralbank (EZB) gehörende Bankenaufsicht hat am Mittwoch die Bank unter Zwangsverwaltung gestellt.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Dieser Schritt folgt auf einen Streit um eine Kapitalerhöhung. Sie wurde von der Bankenaufsicht angeordnet, vom größten Aktionär Vittorio Malacalza, mit 27,5 Prozent der Anteile, jedoch abgelehnt. Deswegen sind der Bankpräsident Piero Modiano, Geschäftsführers Fabio Innocenzi sowie weitere Mitglieder des Verwaltungsrates zurückgetreten, womit die Bank führungslos wurde.

          Nervöse Finanzmärkte

          Die Entscheidung der Aufseher sorgte für Nervosität an den Finanzmärkten. Der italienische Bankenindex fiel zeitweise um 2,8 Prozent, der Index für die Banken der Eurozone um 2,5 Prozent. Die Aktien von Carige waren am Mittwoch vom Börsenhandel ausgesetzt.

          Obwohl Carige, die ehemalige Sparkasse Genuas, mit einer Bilanzsumme von 24 Milliarden Euro ziemlich klein ist und die Europas Bankenaufsicht normalerweise nur Banken mit der zehnfachen Größe beaufsichtigt, wird das Genueser Instituts von Frankfurt aus verfolgt. Italiens Banken sind alarmiert und befürchten, dass nach ersten Anzeichen der Besserung in der Branche die Nachricht vom Zusammenbruch einer Bank ein Krisensignal für das Land bedeuten könnte.

          Bankenindex verliert an Wert

          Der Index aller italienischen Bankaktien liegt derzeit 30 Prozent unter dem Wert des Jahresbeginns 2018 und verlor am Mittwoch rund 1,3 Prozent an Wert. Italiens Banken hatten in den vergangenen Jahren bis zu 200 Milliarden faule Kredite und mehr als 100 Milliarden Euro an Wackelkrediten ausweisen müssen, womit rund 20 Prozent aller Ausleihungen fragwürdig waren.

          Der italienische Bankenverband Abi verbreitet nun aber positive Nachrichten zum Nettowert aller faulen Kredite nach Abzug der dafür getätigten Rückstellungen. Dieser hatte im Oktober 2016 noch 85,5 Milliarden Euro betragen und 19,2 Prozent des Eigenkapitals und der Reserven der italienischen Banken ausgemacht, zugleich auch 4,8 Prozent aller Ausleihungen. Bis Oktober 2018 sei der Nettowert der faulen Kredite in Italien mit Kapitalerhöhungen und weiteren Abschreibungen sowie dem Verkauf von Forderungen auf nur noch 38,2 Milliarden Euro gesunken und damit auf 9,6 Prozent der Eigenmittel.

          Versperrte Kapitalerhöhung

          Der Zusammenbruch auch einer kleinen Bank wegen neuer Abschreibungen auf faule Kredite würde dem gegenwärtig gepflegten Bild der Besserung widersprechen. Daher waren die großen italienischen Banken bereit zu einer Rettungsaktion für Carige im November. Mit einer Anleihe von 320 Millionen Euro des Einlagensicherungsfonds sollte die Bank abgesichert werden bis zu einer Kapitalerhöhung von 400 Millionen Euro im Jahr 2019.

          Der Hauptaktionär Malacalza versperrte jedoch bisher den Weg zur neuen Kapitalerhöhung, weil er wie alle anderen Aktionäre die bisherigen Investitionen in die Bank zu verlieren droht. Vor einem Jahr war eine Aktie von Carige noch 1 Euro-Cent wert, zuletzt lag der Kurs am 28. Dezember 2018 bei 0,15 Cent.

          Die Europäische Bankenaufsicht hat einen dreiköpfigen Aufsichtsrat ernannt, zugleich den bisherigen Präsidenten und den bisherigen Geschäftsführer zusammen mit einem Finanzrechtsprofessor zu kommissarischen Geschäftsführern berufen. Diese dürfen nun eine neue Hauptversammlung einberufen.

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