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Sanktion der Finanzaufsicht : Bafin greift bei Unzer durch

Die Bafin verhängst drastische Sanktionen gegen den Zahlungsdienstleister Unzer. Die Vorwürfe wiegen schwer. Bild: Reuters

Die Tochtergesellschaft E-Com des Heidelberger Zahlungsdienstleisters darf bis auf weiteres keine neuen Kunden mehr annehmen. Insbesondere bei der Verhinderung von Geldwäsche hat die Aufsicht „schwerwiegende Mängel“ festgestellt.

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          Die Finanzaufsicht Bafin greift beim Heidelberger Zahlungsdienstleister Unzer durch. Nach einer Sonderprüfung durch die Bafin darf die Tochtergesellschaft Unzer E-Com keine neuen Kunden mehr annehmen, bis festgestellte Mängel bei der Annahme von Neukunden und bei der Geldwäscheprävention behoben sind. Dies teilten die Behörde und das Unternehmen am Mittwoch übereinstimmend mit.

          Archibald Preuschat
          Redakteur in der Wirtschaft

          Laut der Bafin habe die Sonderprüfung eine Vielzahl von zum Teil gravierenden Mängeln in den Bereichen der angemessenen Maßnahmen der Unternehmenssteuerung, Kontrollmechanismen und Verfahren ergeben. Bei den Vorgaben des Geldwäschegesetzes spricht die Behörde sogar von „schwerwiegenden“ Mängeln. Dabei hätten die gravierendsten Mängel eine spezielle Zahlungsdienstleistungskonstruktion mit mehreren hundert Händlern betroffen, der Großteil davon Scheinfirmen. „Das Transaktionsmonitoring für dieses Geschäft war lückenhaft oder nicht vorhanden. Das zwischen 2018 und 2021 betriebene Geschäft war ungewöhnlich profitabel. Daraus resultierte ein sehr hohes Risiko für kriminelle Geldwäscheaktivitäten“, heißt es in der Bafin-Mitteilung.

          „Der Abschluss der Prüfung ist für uns ein wichtiger Meilenstein im Rahmen der Weiterentwicklung unserer Compliance-Systeme und Prozesse. Wir räumen der Optimierung unserer Compliance weiterhin hohe Priorität ein“, wird Unzer-Chef Robert Bueninck in der Mitteilung des Unternehmens zitiert. Die als Heidelpay gegründete Unzer E-Com ist eine der Keimzellen des heutigen Unternehmens. Es bietet eine Zahlungsplattform für derzeit rund 4300 Händler, die in der Regel einen Webshop im Einzelhandel anbieten oder auf einem Online-Marktplatz aktiv sind. Unzer betont, dass das auferlegte Neukunden-Verbot der Bafin weder das laufende und neue Geschäft mit Bestandskunden noch das Geschäft anderer Unzer-Tochtergesellschaften im In- und Ausland betreffe.

          Eigenen Angaben zufolge hat der Heidelberger Zahlungsdienstleister rund 70 000 Kunden und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 241 Millionen Euro, wozu die nun von der Bafin sanktionierte Tochtergesellschaft E-Com 12 Prozent beigetragen hat.

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