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Bafin-Chef zu Wirecard : „Wir haben unsere Pflichten erfüllt“

  • Aktualisiert am

Verteidigt seinen Posten: Felix Hufeld, Präsident der Bafin Bild: dpa

Mit einer Mischung aus Selbstverteidigung und Reue meldet sich der Chef der Bankenaufsicht im Wirecard-Skandal zu Wort. Seine eigene Zukunft sieht er klar.

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          Bafin-Präsident Felix Hufeld gibt sich im Wirecard-Skandal reumütig. Auf der Bankentagung des „Handelsblatts“ erklärte er: „Wir haben uns selbstverständlich auch das Unternehmen Wirecard sehr genau angeschaut, wir waren an dieser Stelle nicht blind. Aber wir haben uns zu lange auf die formal korrekten Verfahren verlassen.“ Formal, so erklärte Hufeld abermals, sei die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) aber nur für einen Teil des Wirecard-Konzerns zuständig gewesen.

          Kritiker werfen Hufeld vor, seine Behörde habe bei der Kontrolle über Wirecard versagt. Diesen Vorwürfen widersprach er: „Wir haben unsere Pflichten erfüllt.“ Zugleich gab er sich auch selbstkritisch. „Wir haben vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen.“ Die Bafin habe es wie alle anderen auch erst zu spät für möglich gehalten, dass bei Wirecard ein so großes Maß an krimineller Energie herrschte. „Mit dem Wissen von heute hätten wir in fünf Minuten die Staatsanwaltschaft angerufen und gesagt: Verhaftet diesen Haufen Krimineller.“ Dass er selbst wegen der teils harschen Kritik an seiner Behörde zurücktritt, schließt Hufeld weiterhin aus. „Wenn man Präsident der Bafin ist, muss man das aushalten oder sich einen anderen Job suchen.“

          Der inzwischen aus dem Dax geflogene Münchner Zahlungsdienstleister hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und in der Folge Insolvenz angemeldet. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Wirecard seit 2015 Scheingewinne auswies, und ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Zahlreiche Anleger haben Klage eingereicht. Der ehemalige Finanzvorstand des Unternehmens ist auf der Flucht und wird international mit Haftbefehl gesucht.

          Die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses des Bundestags zum Wirecard-Skandal habe er erwartet. „Es ist eine Selbstverständlichkeit“, sagte Hufeld. „Wir werden unseren Beitrag dazu leisten, jeden Krümel darzulegen.“ Es gehe nun darum, schonungslos aufzuklären was passiert sei und alles Mögliche zu tun, um so etwas in Zukunft zu verhindern. Es müsse geprüft werden, ob gesetzlichen Vorgaben verbessert werden müssten.

          Auch der Chef der Deutschen Börse kündigte Konsquenzen aus dem Wirecard-Skandal an. „Wir haben eine ganz bittere Erfahrung für den deutschen Kapitalmarkt hinter uns“, sagte Vorstandschef Theodor Weimer auf der Bankenkonferenz. Sowohl bei der öffentlich-rechtlichen Frankfurter Wertpapierbörse als auch beim Leitindex Dax, dem Wirecard auch Wochen nach dem spektakulären Betrug noch angehörte, werde es Anpassungen geben. „Auf der öffentlich-rechtlichen  Seite werden wir die Sanktionsverfahren beschleunigen“, sagte Weimer. Und: „Wir werden alles daran setzen, dass die Sanktionshöhen dramatisch ausfallen.“

          „Wir machen uns Sorgen um die 20-30 schwächsten Institute“

          Auch die Corona-Krise war auf der Bankentagung großes Thema. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing erklärte, mit einer neuen Finanzkrise wie 2008 sei nicht zu rechnen, da die Institute deutlich besser aufgestellt seien. Es sei jedoch wichtig, dass die Unternehmen ihre Geschäftsmodelle an die neuen Marktbedingungen anpassten. Auch Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis sieht wegen der Corona-Krise und der dauerhaft niedrigen Zinsen viel Druck auf die Banken, effizienter zu werden. „Don't walk, run (deutsch: nicht gehen, sondern rennen). Das gilt für die gesamte Kreditbranche.“

          „Im Aggregat sind die Belastungen durch Corona verkraftbar, aber wir machen uns schon Sorgen um die 20 bis 30 schwächsten Institute“, ergänzte Hufeld. „Das dicke Ende steht noch aus.“

          Die Banken haben in den ersten sechs Monaten des Jahres bereits höhere Risikovorsorgen für drohende Kreditausfälle in ihren Bilanzen gebildet. Die Deutsche Bank legte alleine im zweiten Quartal 600 Millionen Euro zur Seite, bei der spanischen Santander waren es 3,1 Milliarden Euro.

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