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Automobile : Porsche-Anleihe ist eine Wette auf den Dollar

  • Aktualisiert am

Lieber das Auto in der Garage als die Anleihe im Depot Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Name Porsche zieht. Nicht nur Autofahrer, auch Anleger wollen den Sportwagenbauer im Portfolio haben. Die neue Hybrid-Anleihe ist zwar attraktiv verzinst, birgt aber Währungsrisiken.

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          Der Name Porsche zieht. Nicht nur Autofahrer, auch Anleger wollen den Sportwagenbauer im Portfolio haben.

          Das gilt wohl auch für die beiden Anleihen, die die Stuttgarter in diesem Jahr begeben wollen: eine Hybrid-Anleihe in Dollar und eine Euro-Anleihe mit zwei Tranchen unterschiedlicher Laufzeiten von fünf und zehn Jahren.

          Porsche will mindestens 2 Milliarden Euro einsammeln

          Die Hybrid-Anleihe in Dollar, deren Ausstattung am Donnerstag bekanntgegeben wurde, ist nach Bloomberg-Informationen bereits vierfach überzeichnet. Sie richtet sich vor allem an Privatinvestoren aus Asien. Die Hybrid-Anleihe, die definitionsgemäß keine Laufzeitbegrenzung aufweist, hat ein Volumen von einer Milliarde Dollar, wird am 1. Februar zu pari begeben und weist einen Kupon von 7,2 Prozent und eine Stückelung von 2.000 Dollar auf. Frühestens zum 1. Februar 2011 und danach vierteljährlich kann Porsche die Anleihe kündigen.

          Das Volumen der beiden Euro-Tranchen soll jeweils mindestens 500 Millionen Euro betragen. Der Renditevorsprung (Spread) der fünfjährigen Euro-Anleihe werde 30 Basispunkte über Swapmitte erwartet, sagte ein mit der Situation vertrauter Banker der Nachrichtenagentur Reuters. Beim zehnjährigen Bond werde der Spread voraussichtlich bei 50 Basispunkten liegen. Das Papier solle am Freitag, nach Ende der Präsentation vor europäischen Investoren, begeben werden.

          Günstige Liquidität

          Die Begebung der Anleihen hat mit dem Einstieg bei Volkswagen zu tun. Zwar habe Porsche zum Ende des Geschäftsjahres 2004/05 über mehr als 3,6 Milliarden Euro an liquiden Mitteln verfügt. „Wir optimieren mit den neuen Anleihen jedoch die Struktur unserer Liquidität und sorgen zudem - ganz im Sinne unserer konservativen Finanzstrategie - für ein durchgehend komfortables Liquiditätspolster“, läßt sich Porsche-Finanzvorstand Holger P. Härter in einer Pressemitteilung zitieren.

          Diese Liquidität kann sich Porsche bei dem gegenwärtig noch immer niedrigen Zinsniveau derzeit günstig beschaffen. So will Porsche eine im Jahr 2007 fällige Euro-Anleihe in Höhe von 300 Millionen Euro bereits jetzt refinanzieren. Während die fällige Anleihe einen Zinskupon von 5,25 Prozent aufweist, wird die neue Euro-Anleihe deutlich darunter liegen.

          Viele Vorteile für Porsche

          Die auf Dollar lautende Hybrid-Anleihe hat für Porsche zwei Vorteile: Zum einen wird unter den internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen IFRS eine Hybrid-Anleihe dem Eigenkapital zugeordnet, womit die Kapitalbasis des Konzerns gestärkt wird.

          Zum anderen dient sie Porsche zur Währungsabsicherung. Mehr als ein Drittel seines Umsatzes erwirtschaften die Sportwagenbauer in Dollar. „Die Hybrid-Anleihe ist der natürliche Hedge unserer Dollar-Forderungen“, sagt Härter.

          Gute Bonität

          Scheint also, daß Porsche mit den Transaktionen gut fährt: Günstiges Geld, Eigenkapitalstruktur verbessert, Kursrisiko abgesichert. Doch was springt für die Anleger raus? Ein Urteil wird erschwert durch den Umstand, daß Porsche kein Rating von Moody's, Standard & Poor's oder Fitch hat.

          Zumindest die DZ-Bank hat Porsche jüngst unter die Lupe genommen: In einem internen Ranking geben die Analysten des Hauses dem Autobauer Bonität A+. Das Rating der DZ-Bank orientiert sich an den Stufen von S & P, demnach darf Porsche eine gute Bonität unterstellt werden.

          Dollar-Anleihe: Rendite lockt, aber Risiko ist höher

          Über die Euro-Anleihen läßt sich noch nicht viel sagen, schließlich werden die Details erst bekanntgegeben. Mit dem laut Reuters vorgesehenen Spread und historischen Daten aus der DZ-Bank-Studie läge der Renditevorsprung der Euro-Anleihe etwas über dem Durchschnitt bei Anleihen gleicher Bonität.

          Bei der in Dollar begebenen Hybrid-Anleihe lockt vielleicht die Rendite von 7,2 Prozent, die deutlich über der langlaufender Staatsanleihen liegt. Doch der Anleger sollte sich über zwei Risiken im Klaren sein: Erstens das Währungsrisiko. Viele Experten rechnen mittelfristig mit einer Dollar-Abwertung - der Zinsvorteil kann da ganz schnell dahinschmelzen. Zweitens das Bonitätsrisiko, daß sich im Laufe der Jahre erhöhen kann, schließlich muß Porsche die Anleihe nicht nach fünf Jahren zurückkaufen. Das Unternehmen kann bequem die Wechselkurs- und Zinsentwicklung abwarten, bevor es sich zu einem Rückkauf entscheidet. Nicht zu vergessen, daß das Kapital des Anlegers bei Hybrid-Anleihen nachrangig bedient wird. Operative Risiken finden sich auch bei Porsche, selbst wenn das Unternehmen derzeit blendend dasteht. Zum Beispiel ist der Cayenne-Absatz in den Vereinigten Staaten jüngst eingebrochen.

          Das Dollar-Papier bietet sich also nur für Anleger an, die auf einen stabilen oder steigenden Dollar wetten wollen. Den anderen Investoren macht ein Porsche in der Garage wahrscheinlich mehr Freude als diese Anleihe im Depot.

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