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Automobilbranche : Bewertung der VW-Aktie als Vorschuß auf die Krisenlösung

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VW Jetta Bild: Hersteller

Nach den Skandalen der jüngsten Zeit macht Volkswagen am Freitag durch verbesserte Zahlen auf sich aufmerksam. Investoren meinen: Es wird besser, weil es nur besser werden kann, da es besser werden muß. Das kann ein Trugschluß sein.

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          DVW bis über beiden Ohren in der Krise steckt, hat sich inzwischen ganz klar abgezeichnet. Volkswagen will nicht nur die Fertigungskosten beim geplanten kleinen Geländewagen deutlich senken. Auch die nächstfolgenden VW-Modelle sowie bereits auf dem Markt befindliche Fahrzeuge wie der Golf und der Jetta werden einer scharfen Kostenkontrolle unterzogen.

          Viele Komponenten, die bislang werksintern gefertigt wurden, könnten künftig von externen Zulieferfirmen bezogen werden. Insgesamt sollen die Produktionskosten in den VW-Werken bis 2008 um 1,3 Milliarden Euro sinken und die Produktivität Jahr für Jahr um sechs Prozent steigen. Dies kündigte Reinhard Jung, im VW-Markenvorstand zuständig für Produktion und Logistik, im Gespräch mit der „FAZ“ an.

          Stammwerk im Leerlauf

          Damit wird der harte Sparkurs, auf den VW-Chef Bernd Pischetsrieder den Konzern gebracht hat , weiter verschärft. Das ist auch nötig, denn der Autobauer wird schon lange durchgerüttelt. Das Stammwerk in Wolfsburg gilt als derzeit nur zu rund 65 Prozent ausgelastet. „Wolfsburg ist unser teuerster und komplexester Standort.“, sagt Jung. Die Marke VW steckt seit vergangenem Jahr in den roten Zahlen. Einer der Hauptgründe ist die Überkapazität.

          Nun sollen Stellen abgebaut und Arbeitskosten gesenkt werden. Stimmen dem die Gewerkschaften nicht zu, droht der Autobauer den geplanten kleinen Geländewagen „Marrakesch“ in Portugal zu bauen. Dann müßten in Wolfsburg weiter 1.000 Arbeitsplätze dran glauben.

          Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer empfiehlt drastischere Schnitte statt des VW-üblichen Klein-Kleins. VW solle das Werk in Brüssel schließen, da dieses zum einen nicht ausgelastet, zum anderen ineffizient strukturiert sei. Nach Dudenhöffers Untersuchungen wurden im Jahre 2004 gerade noch 1,07 Millionen Fahrzeuge von VW in Deutschland gefertigt. Gegenüber dem Jahr 1998 sei das ein Rückgang von fast 550.000 Fahrzeugen. Die Kapazität der VW-Inlandswerke liege aber auf einem Niveau von über 1,6 Millionen Fahrzeugen pro Jahr.

          Außer Sparen nichts gewesen

          VW kommt laut Dudenhöffer an einem Mitarbeiterabbau in Westdeutschland nicht herum. Opel und Ford hätten diese Einschnitte bereits hinter sich. Nach seinen Analysen habe VW einen Personalüberhang von 15.000 Beschäftigten. Gerade gegen den wehrt sich VW immer wieder - besonders gegen Kündigungen. Mittlerweile will man nach den Worten von Jung „wenn nötig“, die Vorruhestandsregeln auf den Jahrgang 1952 ausweiten.

          Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres zeigt der Sparkurs bereits erste Wirkungen. Im ersten Halbjahr 2005 erwirtschaftete der Konzern unter dem Strich einen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,2 Prozent höheren Gewinn von 403 Millionen Euro. Das operative Ergebnis stieg um 61,6 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro, der Umsatz dagegen nur um schwache 1,9 Prozent auf rund 46 Milliarden Euro. Die Zahl der weltweiten Auslieferungen an Kunden stieg ebenfalls nur flau um 1,7 Prozent auf 2,56 Millionen Fahrzeuge.

          Ständig im Mittelfeld

          Das Hauptproblem des Wolfsburger Konzerns ist, daß er den Trends derzeit hinterher läuft. In der ADAC-Markenumfrage AutoMarxX dümpelt VW auf Platz Sechs, vor allem weil das Unternehmen bei den Technik- und Markentrends hintendran ist. Auch in anderen Bereichen hechelt VW hinterher. Rußpartikelfilter kamen zu spät, mit der Hochdachversion des Golf, dem Plus, ließen sich die Wolfsburger zuviel Zeit - Peugeot konnte derweil seinen 307 SW, Toyota den Corolla Verso und Ford den C-Max bequem am Markt platzieren.

          Gut, daß es noch Audi gibt. Die Tochter steigerte den Absatz im August um 18,7 Prozent und erwartet für 2005 ein neues Rekordjahr. Positive Impulse sollen von der IAAund konkret dem Q7 und dem neuen Cabrio ausgehen.

          Dagegen kam die Luxusstrategie (Bugatti, Phaeton) kam nicht richtig vom Hof. Während das bei Bugatti zu verschmerzen wäre, da es spätestens hier nur darum geht, Eindruck zu machen, so sollte man vom Phaeton auch finanziell etwas erwarten. 2003 schätzten laut Stuttgarter Zeitung Branchenkenner die Kosten des Phaeton-Projekts bereits auf knapp zwei Milliarden Euro.

          Phaeton, das Phantom

          Doch Spötter verballhornten den Modellnamen Phaeton bereits zu Phantom, weil kaum ein Mensch dieses Auto je gesehen hat. „Überschaubar“, nennt die Netzeitung die Verkaufszahlen des Phaeton. Denn Prestige, Image und Gewohnheit seien in der ersten deutschen Automobilliga alles. Und Volkswagen hat immer noch das Image des Klein- und Mittelklassewagen-Bauers.

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