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Automobilbranche : Amerikanische Auto-Aktien fahren auf der Felge

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Opel (hier der Astra Twin Top) macht GM wieder Freude Bild: Hersteller

Amerika ist einer der wichtigsten Automärkte - und heiß umkämpft. Denn die amerikanischen Hersteller stecken ganz tief in der Krise.

          Der heftige Preiskampf auf dem amerikanischen Markt ist nicht zuletzt eine Folge der Schwäche der einheimischen Hersteller, allen voran der Marktführer General Motors und Ford, die eine Neuverteilung des Marktes ermöglicht hat.

          Im Juli konnten sich beide Hersteller weiter stabilisieren. Gegenüber dem Vorjahr steigerten General Motors den Absatz um 20 Prozent, Ford um 33 Prozent. Möglich gemacht haben das aber in beiden Fällen aber nur die Fortsetzung alter und die Etablierung neuer Rabattprogramme. Dieser Verteidigungskampf bringt die finanziell schwer angeschlagenen Amerikaner unter zusätzlichen Druck. Ford und GM haben eine Senkung ihrer Listenpreise und bessere Ausstattungen für viele Automodelle angekündigt, um die Verkäufe anzukurbeln und die Lager zu räumen.

          Reicht das Geld?

          Für General Motors ist kein Ende der Krise absehbar. Auf dem amerikanischen Heimatmarkt hat das Unternehmen auch im zweiten Quartal einen Milliardenverlust zu verzeichnen. Ausgerechnet das viel gescholtene Europa-Geschäft wies erstmals seit langer Zeit wieder einen Gewinn aus. Dies und ein hoher Gewinn aus der Finanzsparte reichten aber bei weitem nicht aus, um einen Verlust im Gesamtkonzern zu vermeiden.

          Im Gesamtkonzern wies GM einen Verlust von 286 Millionen Dollar aus, nach einem Gewinn von 1,4 Milliarden Dollar im Vorjahr. Im ersten Quartal dieses Jahres gab es einen Verlust von 1,1 Milliarden Dollar. Der Konzernumsatz sank gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent auf 48,5 Milliarden Dollar. Und die Finanzkrise setzt sich weiter fort. Erst am Mittwoch erwarb die Bank of Amerika Automobilkredite im Volumen von bis zu 55 Milliarden Dollar von General Motors. Ziel ist es, die Verkäufe auf Finanzierungsbasis weiter durchhalten zu können, ohne dadurch die GM-Bilanzen weiter zu belasten.

          Ford hat im zweiten Quartal 19 Prozent weniger verdient und erlitt vor allem auf dem Heimatmarkt Einbußen und erwartet im Auto-Geschäft weiter Verluste, nachdem das Quartal vor Steuern und ohne Sonderbelastungen mit einem Verlust von 245 Millionen Dollar abgeschlossen wurde.

          Auf SUVs ausgeruht

          Zulange haben sich die amerikanischen Autobauer auf ihren Modellen ausgeruht und dabei verschlafen, daß sich auch in Amerika die Trends geändert haben. Neuerungen wie Hybrid-Antrieb oder auch nur einfacher Sparsamkeit hatten die Großen nichts entgegenzusetzen.

          Ford und General Motors setzten auf die als „Trucks“ klassifizierten großen und mittleren sportlichen Geländewagen (SUVs). Doch die Spritschlucker wurden immer unattraktiver. Kleinere Fahrzeuge kamen immer mehr in Mode. 2004 bildeten die SUVs noch die Hälfte der verkauften Fahrzeuge. GM und Ford verkauften zu 65 Prozent „Trucks“ und fuhr gut damit.

          Dabei wurde die Entwicklung im Personenwagen-Segment nicht nur vernachlässigt, sie wurde zum Beispiel bei General Motors explizit zusammengestrichen. Die Limousinen wie Buick und Pontiac laufen nicht schlecht. Doch auch sie sind nicht gerade sparsam. Die Aktien der Hersteller kann man sich dagegen sparen. Sie sind gnadenlos ausgebombt und als Investment indiskutabel - Insolvenz nicht ausgeschlossen. Zocken kann man mit den Anleihen, die Renditen von fünf Prozent und mehr bieten (ISIN: DE0002483005; XS0171922486). Aber nur wenn man die Nerven und das Geld zum Verlieren hat.

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