https://www.faz.net/-gv6-qxjb

Auswirkung Börse : Terror beeindruckt Finanzmärkte nur kurzfristig

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Terroranschläge, wie gerade erst in London gesehen, wirken sich auch auf die Finanzmärkte aus. Doch die langfristigen Folgen für die Kurse sind geringer als bisher vermutet. Trends werden kaum verändert.

          2 Min.

          Nicht erst seit dem 11. September 2001, auch in den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erschütterten schon Terrorattacken die Welt und die Finanzmärkte. Doch zumindest die Finanzmärkte haben sich auch im Falle der jüngsten Anschläge rasch von den damit verbundenen Kursverlusten wieder erholt.

          „Die langfristigen Folgen von Terroranschlägen für die Finanzmärkte sind weniger dramatisch, als man es auf den ersten Blick vermuten würde“, sagt Carl Fox, Fondsmanager bei Union Investment, der sich die Terroranschläge der vergangenen 15 Jahre und ihre Folgen für die Finanzmärkte angesehen hat.

          Nach wenigen Tagen auf alten Pfad zurück

          Seine Erkenntnis aus dem Studium dieser Daten: Mit Ausnahme der Anschläge vom 11. September 2001 hat kein Terrorakt langfristige Trends an den Kapitalmärkten verändert; zumeist waren die entsprechenden Kursverluste sogar schon wenige Tage nach den Attentaten wieder ausgeglichen. Die Kursmuster, die Fox im Umfeld von Terrorattacken findet, ähneln sich häufig: Unmittelbar nach dem Anschlag kommt es zu erhöhten Kursschwankungen, teilweise wird an der Börse vor Ort der Handel auch ausgesetzt.

          Doch schon nach wenigen Tagen finden die Wertpapierkurse zurück auf ihren alten Pfad. Gleiches gelte auch für die Märkte von Kriseninvestments wie Gold. „Nur nach dem Anschlag auf das World-Trade-Center hat der Goldpreis signifikant reagiert, im Falle anderer Attentate war das nicht zu beobachten“, sagt Fox. Auch das Ausmaß der Kursschwankungen (Volatilitäten) habe sich nach den meisten Anschlägen relativ rasch wieder auf das alte Niveau eingependelt.

          Auf Panik folgen Orders

          Ein ähnliches Bild bietet sich auch an den Tagen selbst, an denen sich Anschläge ereignen: Einem starken Ausschlag folgt relativ rasch eine Beruhigung der Kurse - und gegen Ende des Handels sind die anfänglichen Verluste wieder deutlich zusammengeschrumpft. „Anfangs reagieren viele Anleger emotional, dann kommen einige Anleger hinzu, die bei fallenden Kursen verkaufen müssen, weil ihre Risikobudgets erschöpft sind und automatische Verkaufsprogramme oder Stop-Loss-Orders ausgelöst werden“, sagt Udo Rosendahl, Leiter Europäische Aktien bei der Fondsgesellschaft DWS.

          Auf die erste Panikwelle folgen also Orders, die auf diese Panik reagieren und die Kurse weiter nach unten treiben. „An diesen Tagen bleibt man als Portfolio-Manager besser ruhig, steht an der Seitenlinie und beobachtet, wie der Markt Kapriolen schlägt. In solchen Situationen kann man nur verlieren“, meint Rosendahl.

          Stop-Loss-Orders überdenken

          „Automatismen sind in solchen Situationen nicht optimal“, bestätigt Fox. Er rät dazu, an solchen Tagen Stop-Loss-Orders zu überdenken. Zuerst müsse man sich einen Überblick darüber verschaffen, wie schwer die wirtschaftlichen Folgen eines Attentates wiegen und ob die Folgen regional und zeitlich begrenzt sind. Dann müsse man seine Risikopositionen neu durchrechnen und sich bewußtmachen, daß die Börse möglicherweise zunächst einmal überreagiert.

          Zudem solle man auch auf die Liquidität im Portfolio achten: In manchen Märkten gehen die Spannen zwischen An- und Verkaufspreis infolge von Anschlägen zunächst so stark auseinander, daß der Handel in diesen Märkten fast zum Erliegen kommt und kurzfristige Portfolio-Dispositionen kaum noch zu vertretbaren Kosten ausgeführt werden können. Hinzu kommt möglicherweise, daß bei Anschlägen ganze Handelszentren evakuiert werden, was die Liquidität in den betreffenden Märkten stark ausdünnen kann.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Christian Lindner (FDP) wird als neuer Finanzminister vereidigt.

          Im Bundestag : Scholz’ Minister vereidigt

          Jetzt ist das Kabinett von Olaf Scholz offiziell im Amt: Nachdem der Bundespräsident die Minister ernannt hat, haben sie vor dem Bundestag den Amtseid abgelegt.
          Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU)

          Gewaltphantasien in Chatgruppe : Ermittlungen nach Mordplänen gegen Kretschmer

          Nach einem Fernsehbericht über Gewaltphantasien in einer Telegram-Chatgruppe ermittelt die sächsische Terrorabwehr. Mitglieder der Gruppe hatten dazu aufgerufen, Sachsens Ministerpräsidenten wegen seiner Corona-Politik „aufzuhängen“.
          Polizisten schützen das Kapitol in Washington am 6. Januar 2021 vor Anhängern Donald Trumps.

          Republikaner und Kapitol-Sturm : Sorge um die amerikanische Lebensweise

          Einig sind sich die Republikaner nur in der Verurteilung der Gewalt beim Sturm aufs Kapitol. Der äußerste rechte Flügel sieht die inhaftierten Angreifer dagegen als „politische Gefangene“ – und eine Mehrheit ihrer Wähler findet, Menschen mit „traditionellen Werten“ würden benachteiligt.