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Umstrittenes Tracing : Australien schaltet Corona-App frei

Australiens Ministerpräsident Morrison Bild: dpa

Umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen sollen einen Daten-Missbrauch verhindern. Um die Verbreitung zu fördern, übt Ministerpräsident Morrison sanften Druck aus: Machen 40 Prozent der Menschen mit, könnten die Distanzregeln fallen.

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          Australien, dass für eine extreme Überwachung seiner Bürger nicht berüchtigt ist, aber bislang das Virus sehr erfolgreich bekämpft hat, führt am Sonntagabend eine Anti-Virus-App ein. Sie lässt nachverfolgen, wenn der Nutzer in Kontakt mit einem Infizierten, der die selbe App freigeschaltet hat, gekommen ist.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der Nutzer der App wird über den Kontakt, der auf weniger als eineinhalb Meter stattgefunden haben muss, umgehend informiert. Das Bluetooth-System sorgt für einen „digitalen Handschlag“, ähnlich wie bei einigen Partnersuch-Apps. Die so auflaufenden Daten werden auf einem zentralen Rechner gespeichert, der in Australien und nicht etwa in Übersee angesiedelt werden muss. Die Daten des Infizierten bleiben über 21 Tage erkennbar, danach werden sie automatisch gelöscht. Ausgewählte Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden bekommen den Kontakt zu sehen, und können die Beteiligten dann warnen – oder auch testen lassen.

          Mehr als 500 ungeklärte Infektionen

          Ministerpräsident Scott Morrison erklärte, 40 Prozent der knapp 25 Millionen Australier müssten die App herunterladen, damit die Anordnungen zur sozialen Distanz aufgehoben werden könnten. „Es gibt mehr als 500 Corona-Infizierte in Australien, bei denen wir nie die Ursprungsquelle der Ansteckung ermitteln konnten. Es könnte sein, dass zwei Leute in einer Schlange standen und einer war aus Versehen ein bisschen zu nah. Es könnte in Bus oder Bahn passiert sein“, warb Gesundheitsminister Greg Hunt für die künftige Nachverfolgung dank der App „CovidSafe“.

          Auch Australien führt eine Debatte über den Kontrollmechanismus. Der Stadtstaat Singapur, anfangs sehr erfolgreich in der Virusbekämpfung aber seit Wochen mit um die tausend Neuinfizieren täglich Opfer einer verhängnisvollen und teuren Fehleinschätzung der Lage seiner Gastarbeiter durch die Regierung, hat schon früh eine solche App unter dem Namen „Trace Together“ eingeführt. Die australische Version basiert auf der Technologie aus Singapur.

          Angst vor Überwachung

          Hunt bemühte sich am Sonntag, jeden Zweifel darüber auszuräumen, wie die Demokratie im Pazifik die auflaufenden Daten nutzt: Es gibt keinen Zwang, „CovidSafe“ zu nutzen und es ist – beispielsweise Arbeitgebern - verboten, jemanden zu zwingen, sie herunterzuladen. Ärzte und Verbände der Krankenschwestern und Pfleger hielten die Australier schon an, die App zu nutzen.

          Auch die Vorstandschefs der australischen Großbanken fördern den Einsatz der modernen Technologie: Ross McEwan, Vorstandvorsitzender der National Australia Bank, will sie auch seinen 34.000 Mitarbeitern ans Herz legen. „Das Nutzen der App bleibt freiwillig, weil wir daran glauben. Und zweitens handelt es sich, wie auch der Generalstaatsanwalt sagte, um die wohl sicherste Datensammlung in der australischen Geschichte“, sagte Australiens Chefmediziner Brendan Murphy.

          Diejenigen, die die App auf ihrem Mobiltelefon installieren, können dies unter einem anonymisierten, selbst gewählten Namen tun. Sie müssen aber ihre Telefonnummer, einen Alterskorridor und eine Postleitzahl angeben. Ein zweistufiges Zustimmungssystem ist notwendig. Zunächst müssen die App heruntergeladen und die Daten eingetragen werden. Dann müssen Nutzer aber auch noch zustimmen, dass ihre Daten bei einer Infizierung mittels der App weitergereicht werden dürfen.

          Unter dem Dach des Gesetzes zur Bio-Sicherheit stehen nun Strafen von bis zu fünf Jahren Gefängnis auf einen Missbrauch der Angaben. Wer die App im Laufe der Zeit wieder löscht, verliert auf seinem Mobiltelefon sofort alle von ihr heruntergeladenen Informationen. Er kann zugleich die Behörden auffordern, all seine Daten vom Zentralrechner löschen zu lassen.

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