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Auschüttungen : Steuern beeinflussen Dividenden

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Bild: dapd

Dividenden unterliegen in voller Höhe der Abgeltungsteuer. Die Bank des Anlegers behält sie und eventuell die Kirchensteuer ein. Kein Abzug gibt es bei Aktien der Telekom und der Post. Dagegen ist mit Extrasteuern im Ausland zu rechnen.

          Dividenden unterliegen in voller Höhe der Abgeltungsteuer. Die Bank des Anlegers behält von jeder Dividendenzahlung 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer ein, sobald der Sparerfreibetrag des Kunden von 801 (Verheiratete: 1602) Euro überschritten ist.

          Allerdings gibt es einige wenige deutsche Unternehmen, die inländische Aktionäre in den Genuss steuerfreier Dividenden kommen lassen. Bei ausländischen Unternehmen müssen deutsche Anleger indes oft höhere Steuerabzüge einkalkulieren. Damit beeinflusst Steuerrecht die Attraktivität von Dividenden.

          Steuerfreie Dividenden bei der Telekom, der Post und bei Hawesko

          Steuerfreie Dividenden an in Deutschland lebende Aktionäre schütten Deutsche Telekom, Deutsche Post sowie der Weinhändler Hawesko, die Immobilienunternehmen Deutsche Euroshop und Deutsche Wohnen und die Technologieunternehmen Mensch und Maschine, Software AG und Kontron aus. Den Aktionären bleibt der Abzug von Abgeltungsteuer bei der Dividende deshalb erspart, weil diese Unternehmen die Ausschüttungen nicht aus dem Jahresgewinn, sondern aus Rücklagen vom steuerlichen Einlagenkonto nach Paragraph 27 des Körperschaftsteuergesetzes zahlen. Dort werden offene und verdeckte Sach- und Bareinlagen und andere Zahlungen gebucht, die nicht in das Nennkapital der Gesellschaft geflossen sind. Bei Deutscher Post und Deutscher Telekom entstanden diese Konten bei der Aufspaltung des Post-Monopols im Jahr 1995. Dass die Anleger die Dividenden von Telekom und Post steuerfrei kassieren konnten, dürfte sie indes nur wenig über die schwache Kursentwicklung ihrer Aktien seit dem Börsengang hinwegtrösten.

          Während durch die Steuerbegünstigung Telekom und Post für deutsche Aktionäre zu noch schöneren Dividendenperlen werden, wird durch den Zugriff des Fiskus manche ausländische Aktie zum hässlichen Entchen. Denn in vielen Ländern behält der Fiskus einen Teil der Dividende als Quellensteuer ein. Unproblematisch ist das bei Gesellschaften aus Ländern wie Japan, den Niederlanden, Kanada, China und Finnland. Dort liegt der Quellensteuersatz bei höchstens 15 Prozent. Dann gibt sich der deutsche Fiskus mit 10 Prozent Abgeltungsteuer zufrieden, und die Depotbank sollte auch nicht mehr einbehalten und abführen.

          Mühsamer Prozess der Steuererstattung bei Quellensteuerabzug im Ausland

          Schlechter bei höheren Quellensteuersätzen wie in der Schweiz (35 Prozent), Italien (27 Prozent), Belgien, Frankreich, Österreich und Norwegen (25 Prozent) aus. Zwar gibt es mit diesen Ländern Doppelbesteuerungsabkommen, sie sehen vor, dass sich Anleger zu viel gezahlte Steuern vom ausländischen Fiskus zurückholen können. Dies ist in der Praxis indes sehr mühsam. Wer den erforderlichen Antrag bei der ausländischen Behörde stellt, wartet etwa im Fall von Italien nicht selten mehr als zehn Jahre auf eine Rückerstattung. Auch gibt es immer wieder die Aufforderung, die Depotbank müsse den Antrag stellen. Diese verlangt dafür aber in der Regel hohe Gebühren, die oft in keinem Verhältnis zum Steuerrückerstattungsanspruch stehen.

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