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Auktionsverfahren : Märkte vom Reißbrett, im Labor getestet

  • -Aktualisiert am

Zweitpreisauktionen, wie sie das Online-Auktionshaus Ebay nutzt, sind ein Beispiel für „Mechanism Design“. Dabei geht es um die zweckmäßige Ausgestaltung von Institutionen und Verfahren wie Auktionen. Wissenschaftler testen im Labor, wie unterschiedliche Regeln wirken.

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          Die Versteigerungen im weltgrößten Online-Auktionshaus Ebay haben sogenannte Zweitpreisauktionen populär gemacht. Was ist der Vorteil dieses Auktionsverfahrens? „Herkömmliche Erstpreisauktionen, bei denen der höchste gebotene Preis gewinnt, aber auch gezahlt werden muss, stürzen die Bieter in schwierige Abwägungen“, erläutert Axel Ockenfels, Wirtschaftsprofessor in Köln und Fachmann für Auktionsdesign. „Auf der einen Seite will man in der Auktion gewinnen, auf der anderen Seite aber auch möglichst wenig zahlen.“ Die Zweitpreisauktion erleichtere die Abwägung und das Bieten, sagt Ockenfels.

          Denn jeder Bieter kann bei diesem Verfahren seinen „besten Preis“ nennen - er muss nämlich lediglich nur so viel bezahlen wie das zweithöchste Gebot. Das nimmt die Angst, zu teuer zu kaufen. Vielmehr hat der Gewinner der Auktion das gute Gefühl, die anderen Mitbewerber mit dem gerade erforderlichen Minimum an Aufwand ausgestochen zu haben. Das beruhigt und erhöht die Bereitschaft, an solchen Auktionen überhaupt teilzunehmen. Wenn aber viele Bieter teilnehmen, ist dies auch zum Vorteil des Verkäufers.

          „Spieltheorie“ untersucht strategisches Verhalten

          Die Entwicklung der Zweitpreisauktion, die dem Ökonomen William Vickrey zugeschrieben wird, ist ein Beispiel für „Mechanism Design“, eine Disziplin der Wirtschaftswissenschaften, die sich mit der Konstruktion von möglichst zweckmäßigen Institutionen und Verfahren befasst. Vickrey erhielt für seine Arbeit über Auktionen 1996 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. In diesem Jahr wurden drei weitere Ökonomen für „Mechanism Design“ und die verwandte Disziplin „Spieltheorie“, die strategisches Verhalten analysiert, ausgezeichnet. Hintergrund ist, dass die überkommene neoklassische Wirtschaftstheorie mit idealtypischen Modellen arbeitet. In der gelebten Wirklichkeit herrscht aber längst nicht auf allen Märkten sowohl bei den Anbietern als auch den Nachfragen „vollständige Konkurrenz“, wie es die einfachen Modelle unterstellen. Auch sind die Informationen oft ungleich unter den Marktteilnehmern verteilt. Die neuen Disziplinen antworten auf diese vielkritisierten Schwächen. Sie untersuchen, welche Strategien Käufer und Verkäufer unter solchen Bedingungen einschlagen und welche Preise sich herausbilden dürften. Der Preismechanismus, das zentrale Steuerungsinstrument der Marktwirtschaft, wird dadurch differenzierter analysiert, die Wirtschaftstheorie rückt näher an die Vielschichtigkeit des Wirtschaftslebens heran.

          In seinem „Kölner Laboratorium für Wirtschaftsforschung“ untersucht Ockenfels mit wissenschaftlicher Akribie, welche Bietstrategien Testpersonen in unterschiedlichen Auktionsverfahren einschlagen. „Kleine Details in den Regeln können zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen“, berichtete er unlängst auf einem Seminar der „Science Media Academy“ in Frankfurt. Die Erkenntnisse, die Forscher wie Ockenfels aus Laborstudien, der genauen Beobachtung der Wirklichkeit und theoretischen Einsichten gewinnen, sind für die Praxis von weitreichender Bedeutung. Denn in der Wirtschaft werden Auktionen viel genutzt, beispielsweise um millionenschwere Aufträge der öffentlichen Hände oder Lizenzen für den Mobilfunk zu vergeben.

          Kleine Fehler - große Wirkung

          Ebay-Gründer Pierre Omidyar wählte die Zweitpreisauktion, weil er zu dem Schluss gekommen war, dass sie für Käufer und Verkäufer fair sei. Das war ihm wichtig, weil er möglichst viele Nutzer auf seinen Internet-Marktplatz locken wollte, zum einen, um sein Geschäft zu beleben, zum anderen, um möglichst vielen Menschen die Möglichkeit zu bieten, sich wirtschaftlich zu betätigen. Aus ähnlichen Überlegungen unterstützt Omidyar nun auch Mikrofinanzierungsbanken - die ihrerseits ein Beispiel für „Mechanism Design“ sind, weil sie auf die besonderen Bedingungen von Menschen zugeschnitten sind, die fleißig arbeiten, aber mittellos sind.

          Nach Einschätzung von Ockenfels wurden beim „Mechanism Design“ für den Handel mit Emissionszertifikaten Fehler gemacht. Das trage dazu bei, dass der Börsenpreis für diese Zertifikate seit einiger Zeit nahe null liege. Nun gelte es, einige Detailregeln in diesem Handel zu verbessern sowie die geplanten Zertifikatsauktionen richtig auszugestalten. Erst dann werde der Handel mit Emissionszertifikaten den erhofften Beitrag zum Umweltschutz in vollem Umfang leisten.

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