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Dax-Kontrolleure : Aufsichtsräte ringen mit der Corona-Krise und Compliance

Die Corona-Pandemie bestimmt noch immer die Arbeit der Aufsichtsräte. Bild: AFP

Die Corona-Krise beschäftigt die Aufsichtsräte auch im Jahr 2021 noch immer, wie eine Studie darstellt. Außerdem gewinnt das Thema Compliance Relevanz. Erst nach der Digitalisierung finden sich Aspekte des Klimas.

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          Auch 2021 wird die Arbeit von Aufsichtsräten von der Corona-Pandemie dominiert. Zu diesem Ergebnis kommt die Aufsichtsratsstudie 2021, die der Arbeitskreis deutscher Aufsichtsrat (AdAR) gemeinsam mit der Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller herausgibt und der F.A.Z. exklusiv vorliegt. Rund 90 Prozent der Umfrageteilnehmer stuften die Pandemie und deren Bewältigung als relevant oder sehr relevant ein. Obwohl die signifikanten wirtschaftlichen Auswirkungen auf bestimmte Branchen begrenzt seien und zum Zeitpunkt der Befragung die konjunkturelle Erholung bereits wieder eingesetzt habe, sei der zurückliegende Ausnahmezustand noch immer der zentrale Punkt auf der Agenda der Aufsichtsräte.

          Inken Schönauer
          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Weit oben – auf Platz zwei – auf der Agenda steht bei den Aufsichtsräten inzwischen auch das Thema Compliance. Wahrscheinlich habe dazu auch der Wirecard-Skandal beigetragen, der zahlreiche Gremienmitglieder besonders sensibilisiert habe, heißt es in der Studie. Rund 80 Prozent der Befragten würden Compliance ein besonderes Gewicht auf ihrer Aufsichtsratsagenda beimessen. Auffällig in der Studie ist, dass es inzwischen bei rund der Hälfte der befragten Unternehmen eine direkte Verbindung zwischen Aufsichtsrat und Compliance oder Revision gibt, sodass direkt von diesen Abteilungen an das Kontrollgremium berichtet werden kann.

          Dass es bisher „nur“ 50 Prozent sind, könnte überraschen. Stefan Siepelt, Partner bei LLR und im Vorstand des AdAR, hält das dagegen für eine bemerkenswerte Entwicklung. „Das Thema Compliance ist erst mit dem Siemens-Skandal 2006 richtig in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt.“ Dass jetzt innerhalb von 15 Jahren die Berichtslinien direkter geworden sind, hält Siepelt für eine richtige Entwicklung. „Das höchste Kontrollgremium der Unternehmen hat Gesetzestreue klar zur Chefsache gemacht.“

          Klimaaspekte haben eher geringen Stellenwert

          Bei 94 Prozent der börsennotierten Unternehmen berichte ein Compliance-Vertreter mindestens einmal im Jahr im Aufsichtsrat oder dem Prüfungsausschuss. Bei nicht börsennotierten Unternehmen bescheinigen eine solche Vorgehensweise nur 58 Prozent der Aufsichtsräte. Etwas überraschen könnte die Tatsache, dass der Megatrend der Finanzindustrie, ESG (Environmental, Social und Governance), erst auf Platz vier in der Wichtigkeit vorkommt. Rund 68 Prozent halten das nach der Pandemie, Compliance und Digitalisierung für relevant oder sehr relevant.

          „Die anderen Themen sind einfach noch dringlicher“, sagt Simon Link, Partner bei Hengeler Mueller, im Gespräch. Ihn habe aber überrascht, dass das Einzelziel Dekarbonisierung gerade mal von gut der Hälfte der Aufsichtsräte als relevant oder sehr relevant angesehen werde und erst auf Platz acht zu finden sei. „Unternehmen tun sich schon schwer, den CO2-Fußabdruck zu ermitteln“, sagt Link. Das ganze Thema bilde vielleicht in der Wahrnehmung der Befragten nur einen Teilaspekt des Gesamtkomplexes ESG.

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