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Protektionismus : Auch Indien dreht an der Zollschraube

Container im Hafen von Mumbai: Auch zwischen Amerika und Indien droht ein Handelskonflikt. Bild: Reuters

Amerikas Präsident Donald Trump legt sich nicht nur mit Europa und China an. Nachdem Amerika indische Waren mit Strafzöllen belegt hat, schlägt das Land zurück.

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          Während sich der Handelskonflikt zwischen Amerika und China weiter zuspitzt, liegen auch die beiden größten Demokratien der Welt über Kreuz: Nachdem Washington Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus Indien verhängt hat, hebt Neu-Delhi ab Donnerstag die Zölle auf 30 amerikanische Waren um bis zu 50 Prozent an. Dazu zählen – wie bei den Europäern – Motorräder von Harley Davidson, aber auch Äpfel, Walnüsse, Schokolade, Mandeln und Shrimps.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Auf diese Weise will das Handelsministerium der drittgrößten asiatischen Volkswirtschaft die zusätzlichen Zölle von geschätzten 240 Millionen Dollar auf indische Waren ausgleichen. Zugleich wählten die Inder, wie auch die Europäer, vor allem Güter, die aus dem republikanischen Heimatprovinzen stammen, um auf Trump über seine Wähler Druck auszuüben.

          Für die amerikanischen Apfel-Bauern ist nach dem benachbarten Mexiko Indien der zweitgrößte Absatzmarkt. Allerdings liegen die Einfuhrzölle für Äpfel und Mandeln nur bei 10 Prozent. Dennoch summiert sich der zusätzliche Zoll auf Mandeln auf 116 Millionen Dollar, auf Äpfel auf 24 Millionen Dollar. Die schweren Motorräder von Harley-Davidson werden indes mit einem Zoll von weiteren 50 Prozent belegt. Amerikas Präsident Donald Trump hatte während des G7-Treffens insbesondere diese Abgabe kritisiert: „Es geht nicht nur um die G7. In Indien betragen einige Einfuhrzölle 100 Prozent. Wir dagegen verlangen nichts. So können wir das nicht lassen.“

          Indiens abgeschotteter Markt

          Trump hat mit Blick auf den in großen Bereichen abgeschotteten indischen Markt nicht unrecht. Allerdings gab sich der indische Ministerpräsident Narendra Modi bei seiner Rede beim Sicherheitsgipfel Shangri-La-Dialog in Singapur vor zwei Wochen als Freihändler und sprach sich strikt gegen den wachsenden Protektionismus aus. Es gebe Lösungen jenseits dieser Wälle, sagte er, kündigte aber keine Änderung der indischen Importpolitik an.

          Im vergangenen Jahr betrug das amerikanische Defizit im Warenhandel mit Indien 22,9 Milliarden Dollar. Das waren knapp 6 Prozent weniger als 2016. Der Stahl- und Aluminiumhandel beträgt jährlich gut 1,2 Milliarden Dollar.

          Auch die Inder erwägen, weiter an der Zollschraube zu drehen. In einem Schreiben an die Welthandelsorganisation WTO heißt es: „Indien behält sich das Recht vor, weitere Maßnahmen in der Größenordnung zu ergreifen, die die Vereinigten Staaten verhängen.“ Von Indiens Handelsministerium hieß es zuletzt, von den Belastungen in Amerika sei die Stahlausfuhr mit 198,6 Millionen Dollar betroffen, Aluminium mit 42,4 Millionen Dollar.

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