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Betrugsvorwürfe : Auch die Anleihegläubiger von Grenke leiden

Im Blickpunkt des Finanzmarktes: die Unternehmenszentrale von Grenke in Baden-Baden. Bild: Bloomberg

Die Leerverkaufsattacke auf den Leasingspezialisten hat nicht nur den Aktionären Verluste beschert. Auch die Schuldtitel haben deutlich an Wert verloren. Wie die Ratingagenturen reagieren.

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          Wenn ein Unternehmen wie der Leasingspezialist Grenke unter Beschuss gerät, dann leiden zunächst die Aktionäre. Die Leerverkaufsattacke des britischen Investors Fraser Perring, der dem in Baden-Baden ansässigen Unternehmen Bilanzbetrug, fehlende Liquidität und Geldwäsche vorwarf, kostete zeitweise mehr als die Hälfte des Börsenwerts. Da Grenke in den vergangenen Jahren regelmäßig Anleihen begeben hat, die mit einem Mindestanlagevolumen von 1000 Euro auch für Privatanleger in Frage kamen, soll an dieser Stelle an die Wertverluste für die Gläubiger erinnert werden. Derzeit werden Grenke-Anleihen mit Abschlägen von 20 Prozent und mehr am Markt gehandelt.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mitte September, als die Angriffswelle in Form der Berichte von Perrings Researchhaus Viceroy auf das Leasingunternehmen zurollte, war es noch mehr: Die Rendite der im April 2024 fällig werdenden Anleihe schoss auf über 17 Prozent hoch, nachdem sie im März noch bei 0,27 Prozent gelegen hatte. Der Titel trägt einen Zinskupon von 1,625 Prozent. Ein solcher Renditeanstieg lässt sich nur mit zu befürchtenden Zahlungsschwierigkeiten erklären. Inzwischen hat sich der Kurs wieder stabilisiert. Doch die aktuelle Rendite von rund 8 Prozent signalisiert weiterhin eine Besorgnis am Anleihemarkt, die mit den Kursschwankungen der Grenke-Aktie korrespondiert.

          Nervös ist auch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) geworden. Sie prüft das Grenke-Rating derzeit hinsichtlich der Vorwürfe Perrings. Diese Prüfung erfolgt unter negativem Vorzeichen, also zielt auf eine mögliche Herabstufung. Derzeit wird Grenke von S&P noch mit „BBB+“ bewertet. Damit liegt das Unternehmen noch zwei Ratingstufen über dem sogenannten Ramschbereich, der unterhalb von „BBB–“ beginnt. So zählt Grenke zum Investment Grade und damit zu den Anleiheemittenten, deren Bonität als investitionswürdig gilt.

          Unternehmen verfügt über Liquidität

          Einen Vorwurf Perrings konnte das Unternehmen mit seinem Liquiditätsnachweis auf den Bundesbankkonten inzwischen entkräften. Auch die Fälligkeiten in den kommenden Jahren scheinen beherrschbar zu sein. Bis zum Jahresende werden nach Angaben von Grenke Schuldtitel in Höhe von 145 Millionen Euro fällig. Im Jahr 2021 müssen Schuldtitel im Volumen von rund 339 Millionen Euro getilgt werden. Im Jahr 2022 müssen dann Anleihen im Volumen von rund 529 Millionen Euro an die Gläubiger zurückgezahlt werden.

          Bei einer Liquidität von mehr als einer Milliarde Euro per 30. Juni und einer mit dem Geschäft fristenkongruenten Finanzierung können sich die Grenke-Gläubiger vergleichsweise abgesichert fühlen. Doch das Unternehmen steht unter Druck. So müssen die komplexen Franchisestrukturen sowie deren Verbindungen zum Unternehmensgründer Wolfgang Grenke dem Kapitalmarkt und der Finanzaufsicht erklärt werden. Sollte das gelingen, winken nicht nur den Aktionären, sondern auch den Anleihegläubigern satte Kursgewinne.

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