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Assekuranz : Lebensversicherer belassen meist Gutschrift

  • Aktualisiert am

Allianz Leben hat die Tendenz vorgegeben Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Viele Versicherer haben die Gesamtversinsung stabil gehalten, obwohl für sie eine Senkung besser gewesen wäre. Die wichtige Wettbewerbsgröße liegt zwischen 3,4 und 6,0 Prozent. Der Schnitt ist erstmals seit fünf Jahren nicht gefallen.

          2 Min.

          Die meisten deutschen Lebensversicherer haben ihre Überschußbeteiligungen für dieses Jahr nicht weiter gesenkt. Der Durchschnitt der festgeschriebenen Gesamtverzinsungen liegt für das Jahr 2005 bei rund 4,35 Prozent. Das ist unwesentlich weniger als im Vorjahr.

          Damit scheint der Abwärtstrend gestoppt. Im Jahr 1999 lag die durchschnittliche Gutschrift noch bei 7,25 Prozent. Es folgten drei Jahre mit hohen Verlusten an den Aktienmärkten, durch die einige Lebensversicherer in eine existenzbedrohende Krise gerieten. Die Ansprüche der Versicherten der Mannheimer Lebensversicherung beispielsweise konnten erst durch die Auffanggesellschaft Protektor gesichert werden.

          Verringerung der milliardenschweren Last

          Nun hat sich die Lage gebessert. Ursache sind unter anderem die Kursgewinne an den Aktienmärkten in den Jahren 2003 und 2004, wenngleich viele Lebensversicherer davon nur wenig profitierten, weil sie ihre Aktienquoten zuvor reduziert hatten. Noch sind nicht alle stillen Lasten abgebaut. Es gibt also Versicherer, die Wertpapiere zu höheren Werten als den Marktwerten in der Bilanz stehen haben. Allerdings hat sich diese im Jahr 2002 noch milliardenschwere Last der Branche deutlich verringert. Die Aktienkurse haben sich deutlich erholt. Zudem haben betroffene Gesellschaften die Werte abgeschrieben. Vor diesem Hintergrund hat sich die überwiegende Zahl der Lebensversicherer dazu entschlossen, die Verzinsung nicht weiter zu senken.

          Die Gesamtverzinsung ist die Summe aus dem Garantiezins und der Überschußbeteiligung. Mit diesem Wert wird der Sparanteil der von den Kunden gezahlten Prämien verzinst. Von den Prämien werden zuvor die Abschlußkosten, die Verwaltungskosten und die Aufwendungen für einen etwaigen Risikoschutz abgezogen, der zum Beispiel gegen die finanziellen Folgen von Tod oder Berufsunfähigkeit absichert. Nur was übrigbleibt, wird zugunsten des Kunden verzinst. Einmal gutgeschriebene Zinsen erhöhen die Ansprüche des Kunden und werden in den Folgejahren ebenfalls mit dem Garantiezins und der Überschußbeteiligung verzinst. Zu dieser Gesamtverzinsung kommt ein weiterer Wert, der die Zuweisung zu einem Fonds beziffert, aus dem die Schlußgewinnanteile finanziert werden. Diese Schlußgewinne erhöhen erst am Ende der Vertragslaufzeit die Ansprüche des Versicherungsnehmers.

          Wichtige Wettbewerbsgröße

          Für die Lebensversicherer ist die Gesamtverzinsung eine wichtige Größe im Wettbewerb. Einige Gesellschaften werben mit bis zu 6 Prozent. Die größte Gesellschaft, die Allianz Leben, hat die Tendenz vorgegeben und in diesem Jahr ihre Gesamtverzinsung mit 4,5 Prozent stabil gehalten. Einige Gesellschaften seien der Vorgabe gefolgt, obwohl für sie eine Senkung der Überschüsse besser gewesen wären, sagt Wolfgang Essing von der Unternehmensberatung ZEB. „Da ist eine Chance verpaßt worden.“ Derzeit sei es noch am ehesten möglich, den Kunden eine niedrige Verzinsung zuzumuten und so die eigene Finanzkraft zu stärken, ohne große Wettbewerbsnachteile zu erleiden. Das Interesse der Sparer konzentriere sich heute auf die Finanzstärke der Versicherer.

          Einige wenige Gesellschaften sind dieser Überlegung offenbar gefolgt und haben die Verzinsung zumindest leicht gesenkt. So reduzierte zum Beispiel die Gothaer die Gesamtverzinsung von 4,2 auf 4,0 Prozent. Auch die Asstel reduzierte die Verzinsung, allerdings liegt sie mit 5,1 Prozent, nach 5,7 bis 6,0 Prozent im Vorjahr, immer noch auf hohem Niveau. Mindestens zwei Gesellschaften, Arag Leben und Öffentliche Leben Berlin, haben die Gesamtverzinsung für Neukunden sogar angehoben.

          ruh. FRANKFURT, 6. Januar. Die meisten deutschen Lebensversicherer haben ihre Überschußbeteiligungen für dieses Jahr nicht weiter gesenkt. Der Durchschnitt der festgeschriebenen Gesamtverzinsungen liegt für das Jahr 2005 bei rund 4,35 Prozent. Das ist unwesentlich weniger als im Vorjahr. Damit scheint der Abwärtstrend gestoppt. Im Jahr 1999 lag die durchschnittliche Gutschrift noch bei 7,25 Prozent. Es folgten drei Jahre mit hohen Verlusten an den Aktienmärkten, durch die einige Lebensversicherer in eine existenzbedrohende Krise gerieten. Die Ansprüche der Versicherten der Mannheimer Lebensversicherung beispielsweise konnten erst durch die Auffanggesellschaft Protektor gesichert werden.

          Nun hat sich die Lage gebessert. Ursache sind unter anderem die Kursgewinne an den Aktienmärkten in den Jahren 2003 und 2004, wenngleich viele Lebensversicherer davon nur wenig profitierten, weil sie ihre Aktienquoten zuvor reduziert hatten. Noch sind nicht alle stillen Lasten abgebaut. Es gibt also Versicherer, die Wertpapiere zu höheren Werten als den Marktwerten in der Bilanz stehen haben. Allerdings hat sich diese im Jahr 2002 noch milliardenschwere Last der Branche deutlich verringert. Die Aktienkurse haben sich deutlich erholt. Zudem haben betroffene Gesellschaften die Werte abgeschrieben. Vor diesem Hintergrund hat sich die überwiegende Zahl der Lebensversicherer dazu entschlossen, die Verzinsung nicht weiter zu senken.

          Die Gesamtverzinsung ist die Summe aus dem Garantiezins und der Überschußbeteiligung. Mit diesem Wert wird der Sparanteil der von den Kunden gezahlten Prämien verzinst. Von den Prämien werden zuvor die Abschlußkosten, die Verwaltungskosten und die Aufwendungen für einen etwaigen Risikoschutz abgezogen, der zum Beispiel gegen die finanziellen Folgen von Tod oder Berufsunfähigkeit absichert. Nur was übrigbleibt, wird zugunsten des Kunden verzinst. Einmal gutgeschriebene Zinsen erhöhen die Ansprüche des Kunden und werden in den Folgejahren ebenfalls mit dem Garantiezins und der Überschußbeteiligung verzinst. Zu dieser Gesamtverzinsung kommt ein weiterer Wert, der die Zuweisung zu einem Fonds beziffert, aus dem die Schlußgewinnanteile finanziert werden. Diese Schlußgewinne erhöhen erst am Ende der Vertragslaufzeit die Ansprüche des Versicherungsnehmers.

          Für die Lebensversicherer ist die Gesamtverzinsung eine wichtige Größe im Wettbewerb. Einige Gesellschaften werben mit bis zu 6 Prozent. Die größte Gesellschaft, die Allianz Leben, hat die Tendenz vorgegeben und in diesem Jahr ihre Gesamtverzinsung mit 4,5 Prozent stabil gehalten. Einige Gesellschaften seien der Vorgabe gefolgt, obwohl für sie eine Senkung der Überschüsse besser gewesen wären, sagt Wolfgang Essing von der Unternehmensberatung ZEB. "Da ist eine Chance verpaßt worden." Derzeit sei es noch am ehesten möglich, den Kunden eine niedrige Verzinsung zuzumuten und so die eigene Finanzkraft zu stärken, ohne große Wettbewerbsnachteile zu erleiden. Das Interesse der Sparer konzentriere sich heute auf die Finanzstärke der Versicherer.

          Einige wenige Gesellschaften sind dieser Überlegung offenbar gefolgt und haben die Verzinsung zumindest leicht gesenkt. So reduzierte zum Beispiel die Gothaer die Gesamtverzinsung von 4,2 auf 4,0 Prozent. Auch die Asstel reduzierte die Verzinsung, allerdings liegt sie mit 5,1 Prozent, nach 5,7 bis 6,0 Prozent im Vorjahr, immer noch auf hohem Niveau. Mindestens zwei Gesellschaften, Arag Leben und Öffentliche Leben Berlin, haben die Gesamtverzinsung für Neukunden sogar angehoben.

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