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Assekuranz : Autoversicherungen werden günstiger

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Bild: F.A.Z.

Zum ersten Mal seit Jahren zeichnet sich eine Trendwende für die Autofahrer ab: Die Beitragszahlungen für die Kraftfahrt-Versicherung sinken. Die Preissenkungsrunde von Marktführer Allianz zeigt branchenweite Wirkung.

          Nach mehreren Jahren mit steigenden Beiträgen für die Autoversicherung zeichnet sich für das laufende Jahr eine Trendwende ab. Im Januar gingen die Beitragseinnahmen der deutschen Versicherer im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,8 Prozent zurück.

          Da etwa 70 Prozent der Jahreseinnahmen in diesem Versicherungszweig zu Jahresbeginn fließen, sollte sich in den kommenden Monaten an der Richtung nicht viel ändern.

          Nutznießer Beamte

          Damit zeigt die im vergangenen Herbst vom Marktführer Allianz gestartete Preissenkungsrunde in der Autoversicherung inzwischen branchenweit Wirkung. „Wenn jemand sagt, die Kraftfahrtversicherung wird in diesem Jahr insgesamt günstiger, würde ich das nicht dementieren können“, kommentiert Edmund Schwake, der im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) den Ausschuß für Schadenversicherung leitet, den jüngsten Trend.

          Die Allianz hatte im vergangenen Herbst angekündigt, die Preise für einige Kundengruppen zu senken. Größter Nutznießer waren dabei Beamte und Beschäftigte im öffentlichen Dienst, für die sich die Tarife um bis zu 30 Prozent verbilligten. Von einem Preiskrieg will die Branche dennoch nicht sprechen.

          Zunehmender Wettbewerbsdruck

          Vielmehr ist von einer größeren Ausdifferenzierung der Kundschaft und von Tarifen, die sich stärker am Risiko orientieren, die Rede. Doch die jüngste Beitragsstatistik macht deutlich, daß Wettbewerber offensichtlich dem Beispiel der Allianz gefolgt sind. Schwake spricht auch schon wieder von der einstigen „Türöffnerfunktion“ der Autoversicherung für den Vertrieb. Damit ist gemeint, daß versicherungstechnische Verluste bei Autopolicen bewußt in Kauf genommen werden, um diese im Idealfall später über den Verkauf margenstärkerer Versicherungsprodukte an den Kunden mehr als auszugleichen.

          Auch das Gerangel um die Erhöhung der Höchstschadensdeckung in der Auto-Haftpflichtversicherung läßt auf einen wieder zunehmenden Wettbewerbsdruck schließen. Als wegen der Terroranschläge vom 11.September 2001 in New York die Zeit der unbegrenzten Deckung vorüberging, etablierte sich bei den Autoversicherungen zunächst ein Höchstbetrag von 50 Millionen Euro.

          Verbesserte Einstufungen

          Einzelne Anbieter versuchten in den vergangenen Monaten, diese Deckung auf 100 Millionen Euro anzuheben - und sie mit einer nennenswerten Beitragserhöhung zu verbinden. Solche Versuche wurden jedoch von Konkurrenten schnell ausgebremst, indem sie ebenfalls ihre Deckungssumme in diese Größenordnung anhoben, ihre Tarife allerdings nur wenig oder gar nicht erhöhten. Immerhin hält sich das Risiko für die Anbieter in Grenzen. Der GDV-Vertreter Schwake verweist darauf, daß es in Deutschland noch keinen einzigen Verkehrsunfall gegeben habe, für den 50 Millionen Euro nicht ausgereicht hätten.

          Die sinkenden Beitragseinnahmen nur auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck zurückzuführen greift nach Ansicht von Brachenvertretern allerdings zu kurz. Inzwischen stellt sich nämlich auch die Schadenssituation in der Autoversicherung wieder günstiger dar als in der Vergangenheit. Im vergangenen Jahr ging der Aufwand für die Schadensregulierung um 1,1 Prozent zurück. 2003 waren es sogar 3,8 Prozent. Das hat niedrigere Einstufungen der Versicherten in den Schadenfreiheitsklassen und somit niedrigere Beiträge zur Folge. Auch verbesserte Einstufungen in den Typ- und Regionalklassen schlagen sich im Beitragsaufkommen nieder.

          Rückläufigen Beitragseinnahmen

          Die Trendumkehr in der Autoversicherung ist ein Signal, daß die Versicherungsbranche insgesamt wieder auf die Füße kommt. Nach der Liberalisierung der Tarifgestaltung 1994 war die Autoversicherung nicht zuletzt wegen der schon genannten „Türöffnerfunktion“ mehr und mehr zu einem Zuschußgeschäft geworden. Erst mit den zunehmenden Verlusten aus der Kapitalanlage nach der Jahrtausendwende entzogen sich immer mehr Gesellschaften dem Wettbewerb und erhöhten ihre Tarife, statt sie wie zuvor regelmäßig zu senken.

          Die aktuell rückläufigen Beitragseinnahmen lassen also die Interpretation zu, daß die Versicherer inzwischen wieder finanziellen Spielraum sehen. Im vergangenen Jahr waren die Einzahlungen in die Autoversicherung - also Haftpflicht, Teilkasko, Vollkasko und Insassenunfallschutz - von 22,3 auf 22,4 Milliarden Euro nur noch geringfügig um 0,5 Prozent angestiegen. Dieser Zuwachs lag allerdings schon deutlich unter der Steigerungsrate des Vorjahres von 1,6 Prozent.

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