https://www.faz.net/-gv6-2s5c

Arzneimittel : Sammelklage gegen Bayer-Konzern in den USA vorbereitet

  • Aktualisiert am

Vom Markt genommen: Der Cholestersenker Lipobay Bild: dpa

Wegen schädlicher Nebenwirkung ihres Medikaments Lipobay verklagen Patienten den Bayer-Konzern in den USA. In Deutschland wurden erstmals Todesfälle mit dem Medikament in Verbindung gebracht.

          2 Min.

          Der Münchner Rechtsanwalt Michael Witti bereitet Sammelklagen gegen den Pharmakonzern Bayer wegen schädlicher Nebenwirkungen des Cholesterin-Medikaments Lipobay vor. Er habe bereits von einigen Deutschen ein Mandat erhalten, Bayer in den USA zu verklagen, sagte Witti am Freitag im Radiosender NDR4 Info. Diese Patienten hätten über Beschwerden nach Einnahme der Blutfett senkenden Tabletten geklagt. Angehörige der vier deutschen Todesopfer, deren Tod mit Lipobay im Zusammenhang gebracht wird, seien aber nicht darunter.

          Die amerikanischen Geschädigten machten „die Tür auf“ für Klagen deutscher Opfer in den USA, erläuterte Witti. Wenn sich herausstellen sollte, dass der Tod von 31 US-Bürgern durch Lipobay - dort unter dem Namen Baycol vertrieben - verursacht wurde, gebe es weltweit einen Anspruch auf Schadenersatz nach US-Recht. Er arbeite bereits mit Anwaltskanzleien in den USA zusammen, um die Sammelklagen vorzubereiten. In Deutschland gelten Witti zufolge Haftungsgrenzen nach dem Arzneimittelgesetz, die „ziemlich hoch“ seien. In Amerika gehe die Justiz aber noch härter mit den Herstellern ins Gericht: Dort gebe es einen „empfindlich hohen“ Schadenersatzanspruch.

          Todesfälle in Deutschland?

          Im Skandal um das Bayer-Medikament Lipobay werden in Deutschland vier Todesfälle mit dem Cholesterinsenker in Verbindung gebracht. Insgesamt gebe es 90 Verdachtsfälle, bei denen das Medikament zur Auflösung des Muskelgewebes geführt haben könnte, sagte Ulrich Hagemann vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte am Donnerstag in Bonn.

          Das Bundesinstitut für Arzneimittel und die EU-Arzneimittelbehörde prüfen bereits seit Juli die Gesundheitsrisiken durch Baycol/Lipobay. Dabei werden nach Institutsangaben mögliche schwere Nebenwirkungen untersucht: Es besteht der Verdacht, dass durch eine Auflösung des Muskelgewebes „Abfallprodukte“ des Zellgewebes in die Niere gelangen, wo dies zu Funktionsstörungen bis hin zum tödlichen Nierenversagen führen kann. Ein EU-Vertreter sagte in Brüssel, Bayer sei durch seinen Verkaufsstopp einer Empfehlung zum Verbot der Substanz zuvor gekommen. Die Untersuchungen seien nach dem Bekanntwerden von weltweit 481 Fällen von Muskelschwund eingeleitet worden. Nebenwirkungen seien bekannt.

          Kein eindeutiger Zusammenhang

          Ein Bayer-Sprecher betonte, ob es einen eindeutigen Zusammenhang mit schweren Schädigungen gebe, sei nicht klar. Es könne auch Verschreibungsfehler des Arztes oder Einnahmefehler der Patienten geben. Jeder Fall müsse einzeln geprüft werden. Bayer hatte am Mittwoch einen Verkaufsstopp für Lipobay, das in den USA unter dem Namen Baycol vertrieben wird, bekannt gegeben. Kurz darauf hatte die zuständige US-Behörde erklärt, sie gehe 31 Fällen nach, in denen Patienten nach der Einnahme von Baycol an Muskelschwäche gestorben sein könnten. Für Bayer brach damit das im Umsatz drittstärkste Medikament weg. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen mit dem Produkt einen Umsatz von 636 Millionen Euro und damit vier Millionen mehr als mit dem Klassiker Aspirin. In diesem Jahr sollte Lipobay eine Milliarde Euro bringen.

          Weitere Themen

          Warum auch ein Dax 40 kaum hilft

          Aktienmarkt : Warum auch ein Dax 40 kaum hilft

          Vor allem die Insolvenz von Wirecard hat den Wunsch nach einer Reform des deutschen Aktienindex vorangetrieben. Derzeit erfragt die Deutsche Börse die Meinung der Marktteilnehmer. Für Anleger wäre ein Dax 40 kaum besser, lautet eine Ansicht.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.