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Hoffnung auf IWF : Argentinien läuft im Schuldenstreit die Zeit davon

Argentiniens Wirtschaftsminister Martín Guzmán Bild: Reuters

Das überschuldete südamerikanische Land kommt in den Verhandlungen mit seinen Gläubigern nicht weiter. Wirtschaftsminister Martín Guzmán setzt nun auf die Hilfe des Internationalen Währungsfonds.

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          Argentinien geht weiterhin nicht auf das verbesserte Angebot der Gläubiger ein, die auf einen Teil ihrer Forderungen von 65 Milliarden Euro verzichten sollen. Stattdessen setzt die Regierung in Buenos Aires einmal mehr auf die Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF). Wirtschaftsminister Martín Guzmán kündigte nun das Vorhaben an, ein neues IWF-Programm unabhängig von den Schuldenverhandlungen mit den Gläubigern anzustreben.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Frist im Schuldenstreit endet am 4. August, also am Dienstag kommender Woche. Am Wochenende hatte die argentinische Regierung die Gläubiger mit ihrem aufgebesserten Angebot abblitzen lassen. Nun droht der neunte Staatsbankrott in der Geschichte des südamerikanischen Landes.

          Keine weiteren Zugeständnisse

          Zuletzt hatten die Gläubiger, darunter große Kapitalanlagegesellschaften wie Blackrock und Fidelity, höhere Zinsen auf die Staatsanleihen und Änderungen an einigen Vertragsklauseln gefordert. Die argentinische Regierung hält aber an ihrem jüngsten Angebot fest und ist zu keinen weiteren Zugeständnissen bereit. Weit sollen die Offerten nicht auseinanderliegen, ist Medienberichten zu entnehmen.

          Die argentinische Wirtschaft ist von der Corona-Krise hart getroffen worden. Das erklärt auch, warum das Wirtschaftsministerium sehr emotional das Angebot der Gläubiger zurückwies: „Das wäre nicht nur unverantwortlich, sondern auch ungerecht. Während 50Prozent der Kinder in Argentinien in Armut leben, können wir nicht die kurzfristigen Gewinne unserer Gläubiger erhöhen.“

          Argentinien steckt in einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Inflationsrate betrug zuletzt mehr als 50 Prozent. Für dieses Jahr rechnen Fachleute mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um 12 Prozent. Ende Mai hatte Argentinien Zinsforderungen in Höhe von 503 Millionen Dollar nicht beglichen und war dadurch in einen begrenzten Zahlungsausfall gerutscht. Guzmán hatte im Mai erklärt, gerade in Virus-Zeiten könne Argentinien nicht weiterhin 20 Prozent seiner Staatseinnahmen für Zinszahlungen ausgeben. Der IWF hat die Schuldenlast des Landes als untragbar bezeichnet. Argentinien sitzt insgesamt auf 323 Milliarden Dollar Schulden (Stand Ende 2019).

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