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Antrag bei Finma : Facebook ändert Pläne für Libra

Cybergeld von Facebook Bild: dpa

Das soziale Netzwerk und die anderen Mitglieder des Libra-Konsortiums wollen Zentralbanken und Aufsehern Mitsprache bei dem Großprojekt einer Digitalwährung einräumen.

          2 Min.

          Facebook und das für die Digitalwährung Libra verantwortliche Konsortium reagieren auf die Bedenken von Regierungen und Notenbanken. Die Pläne für Libra wurden nun geändert. Das in Genf ansässige Konsortium will Libra Mitte November einführen. Neben einer neuen Konzeption des Digitalgelds sollen nun auch mehrere, an einzelne Währungen gekoppelte Varianten von Libra aufgelegt werden.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ursprünglich hatte Facebook geplant, das Digitalgeld an einen Währungskorb zu binden, womit Libra als „stablecoin“, also als im Wert stabile Einheit im Gegensatz zu den schwankungsanfälligen Kryptowerten wie zum Beispiel Bitcoin, vorgesehen war.

          Die Libra Association hat in der Schweiz bei der Finanzmarktaufsicht (Finma) einen Antrag für die Bewilligung als Zahlungsmittel gestellt. Die Finma teilte mit, das vorgelegte Gesuch unterscheide sich deutlich von dem ursprünglich eingereichten Projekt. Sie werde den Antrag eingehend analysieren. Die geplante internationale Reichweite des Projekts mache allerdings ein international koordiniertes Vorgehen unverzichtbar.

          Facebook hat mit seinen im Juni 2019 vorgestellten Plänen für die Digitalwährung Regierungen und Notenbanken aufgeschreckt, weil diese um das staatliche Geldmonopol fürchten. Führende Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank (EZB), prüfen seit Monaten, wie sich digitales Zentralbankgeld einführen lässt.

          Der Internetkonzern zählt mit seinen sozialen Netzwerken Facebook und Instagram sowie seinem Kurznachrichtendienst Whatsapp 2,5 Milliarden Nutzer, was Libra eine hohe Reichweite ermöglicht. Facebook kann nach Einschätzung von Fachleuten im Erfolgsfall das Finanzsystem der Welt durcheinander wirbeln. Die EU-Länder hatten sich im vergangenen Jahr auf eine harte Linie gegenüber Digitalgeld von Privatfirmen wie Facebook verständigt.

          Knackpunkt Datenschutz

          Kritiker von Libra haben auch darauf verwiesen, dass Facebook oft gegen den Datenschutz verstoßen hat. Die Frage des Datenschutzes stellt eine offene Flanke dar, weshalb das Konsortium nun für Libra eine neue Blockchain einrichten will, mit der die Sicherheit der Finanzdaten gewährleistet werden soll. Über die Blockchain, auch Grundlage für Bitcoin, können Daten von Transaktionen dezentral und geschützt vor Manipulationen auf den Rechnern der einzelnen Nutzer gespeichert werden. Die Technologie eignet sich für die Abwicklung von Zahlungen oder den Handel von Wertpapieren. Alle Großbanken beschäftigen sich mit den neuen technologischen Möglichkeiten. Blockchain-Transaktionen gelten als fälschungssicher.

          Mit der Neukonzeption will Facebook mehr Akzeptanz für Libra erreichen. Das gilt auch für das Konsortium, das prominente Mitglieder, darunter Vodafone oder die Kartengesellschaften Mastercard und Visa, verlassen haben. Dazu hat auch der Widerstand der Finanzaufseher beigetragen, die keine Freiräume, erst recht nicht im Kampf gegen Geldwäsche, akzeptieren.

          Nun plant die Libra Association Cyberdevisen, die an einzelne Währungen wie Euro oder Dollar gebunden sind. Daneben soll es eine überarbeitete Libra-Version geben, die aus solchen individuellen Cyberdevisen zusammengesetzt ist und etwa für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr genutzt werden könnte.

          „Wir behalten die Konstruktion eines Multiwährungs-Libra bei, aber sie wurde fundamental geändert, verschlankt und vereinfacht relativ zur ursprünglichen Form“, sagte Christian Catalini, leitender Volkswirt der digitalen Geldbörse Calibra von Facebook. Diese soll künftig Libra über ihre Messenger- und Whatsapp-Dienste anbieten.

          Mitsprache für Zentralbanken und Finanzaufseher

          Einem Kollegium von Zentralbanken, Aufsehern und Behörden aus mehr als 20 Ländern will das Konsortium ein Mitspracherecht beim Lizenzantrag für den Zahlungsverkehr einräumen. Details zur Zusammensetzung des Gremiums wurden nicht genannt. Darüber hinaus verspricht das Libra-Konsortium strenge Standards zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung sowie anderer illegalen Aktivitäten.

          „Würden die neuen Vorschläge in die Tat umgesetzt, könnten sich die Kräfteverhältnisse unter den Zahlungsdienstleistern in Europa massiv verschieben“, sagte Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband deutscher Banken (BdB). Er fürchtet, dass Europa bei digitalen Zahlungssystemen noch weiter in Abhängigkeit von amerikanischen oder chinesischen Anbietern gerät.

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