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Antivirenprogramme : Ist Kaspersky noch zu trauen?

Der Russe Eugene Kaspersky verkauft seit 1997 Antivirenprogramme in alle Welt. Zurzeit sind 400 Millionen Computer damit ausgerüstet. Bild: dpa

Der russische Unternehmer Eugene Kaspersky schützt Millionen von Computern vor Viren. Jetzt gibt es einen bösen Verdacht. Zeit, Alternativen zu prüfen.

          6 Min.

          Warum bietet ausgerechnet ein Unternehmer aus der russischen Hafenstadt Noworossijsk angeblich den besten Schutz vor Computerviren auf der Welt? Es gab auch früher schon genügend Anlass, diese Frage zu stellen. Jetzt ist ein neuer, handfester Grund hinzugekommen: Das amerikanische Heimatschutzministerium hat die Bundesbehörden der Vereinigten Staaten angewiesen, sämtliche Kaspersky-Programme innerhalb von neunzig Tagen aus den Computersystemen der Verwaltungen zu werfen.

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Der Grund: Verdacht auf russische Spionage. Es gebe Verbindungen gewisser Kaspersky-Vertreter zu russischen Geheimdienst- und anderen Behörden, ließ die Heimatschutzministerin Elaine Duke wissen, allerdings ohne Beweise dafür vorzulegen. Außerdem sei zu befürchten, dass russische Gesetze Kaspersky zu einer Kooperation mit den Geheimdiensten zwingen könnten.

          Kaspersky weist die Schuld von sich

          Das kann man als besondere Ausprägung des neuen amerikanischen Protektionismus abtun, da ist zweifellos auch etwas dran. Die Amerikaner hatten noch nie ein besonders entspanntes Verhältnis zum Erzfeind Russland, aber in Zeiten, in denen sogar ein Sonderermittler den Einfluss Russlands auf die amerikanische Politik untersucht, liegen die Nerven blank. Der umtriebige Gründer des Softwareherstellers jedenfalls beteuert: „Kaspersky Lab hat niemals und wird niemals irgendeiner Regierung in der Welt bei Cyberspionage oder offensiven Cyberaktivitäten helfen“, so die Reaktion von Eugene Kaspersky auf den ungewöhnlichen Schritt der amerikanischen Behörden. Giftig fügte er an: Es sei beunruhigend, dass ein privates Unternehmen aufgrund geopolitischer Fragen als schuldig angesehen werden könne, bis es sich als unschuldig erwiesen habe.

          Die Unschuldsvermutung ist ein hohes Gut, aber kein Kriterium bei der Wahl des Virenscanners. Deshalb dürfte sich der interessierte Kaspersky-Nutzer spätestens jetzt fragen: Was bedeutet das für den eigenen Computer? Wenn das amerikanische Heimatschutzministerium schon alarmiert ist, müssten wir es nicht erst recht sein? Da hilft nur auf den ersten Blick, dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) die seit Jahren gute und „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mit Kaspersky Lab lobt. Das BSI nutzt die Erkenntnisse des russischen Antivirensoftware-Herstellers zu Sicherheitslücken für seine Gefahrenanalyse. Bei Bedarf fließen sie in die Lagebilder ein. Aber das trägt nur wenig zur Beruhigung bei: Auch die Behörde nutzt derzeit keine Produkte des russischen Anbieters.

          Das Schutzschild kann zum Angreifer werden

          Nicht frei von Ironie war die Sache ja schon immer, deshalb trifft die Anordnung einen wunden Punkt. Russland traut man in Sachen Computerattacken bekanntlich so einiges zu, allerdings eher auf der Anwender-, nicht so sehr auf der Abwehrseite.

          Gleichzeitig sind Antivirenprogramme ja nicht nur Schutzschild nach außen, sondern gleichzeitig Einfallstor nach innen, schließlich haben sie Zugriff auf alle persönlichen Informationen auf der Festplatte. Was also, wenn das Schutzschild plötzlich selbst zum Angreifer wird?

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