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Ratenkäufe per Klick : Die Kreditgeberin

Miriam Wolfarth hat 2009 das Start-up Ratepay gegründet – heute ein Teil von Otto. Bild: Andreas Pein

Start-up-Gründerin Miriam Wohlfarth macht Ratenkäufe in drei Klicks möglich. Der Kunde bleibt dabei weitgehend anonym. Das birgt allerdings auch Risiken.

          Miriam Wohlfarth hat einen guten Instinkt. Schon um das Jahr 2000 herum hatte die Gründerin des Fintech-Unternehmens Ratepay die Ahnung, dass sich der Handel und damit der Zahlungsverkehr zunehmend ins Internet verlagern würden. Sie arbeitete damals im Vertrieb eines großen Reiseunternehmens und sah es kommen, dass die Leute schon bald ihre Reisen, Flüge und viele andere Dienstleistungen und Produkte im Internet kaufen und auch bezahlen würden. Nur wusste sie damals noch nicht wie.

          Inge Kloepfer

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Heute weiß sie es ziemlich genau. Mit 80 Mitarbeitern wickelt sie inzwischen den Online-Zahlungsverkehr für Händler ab, die damit nichts mehr zu tun haben wollen. Das von ihr gegründete Start-up Ratepay nimmt den Unternehmen im Zahlungsverkehr mit dem Kunden alles ab - vor allem die schwierige Bonitätsprüfung, die für Rechnungs- und Ratenkäufe notwendig ist. Neben der Bonitätsprüfung kümmert sich Ratepay auch um die Finanzierung, das Debitorenmanagement, das Ausfallrisiko - alles gegen eine Gebühr des Verkäufers. Der Verkäufer bekommt mit Abschluss des Kaufs oder der Buchung sein Geld, den Rest regelt Wohlfarths Team.

          „Wir sind der Technologie-Anbieter für den Händler. Der Händler trifft mit den Kunden die Ratenvereinbarung“, sagt Wohlfahrth. Deshalb kennt die Öffentlichkeit das Unternehmen Ratepay nicht, sondern nur die Kunden: Butlers, MyToys, Fashionette, Barbour, Otto, aber auch Unternehmen wie Heizöl 24, Matratzen Concord und etliche mehr. Am Tag vergibt das Unternehmen schon mal bis zu 2000 Ratenkredite - mit deutlich steigender Tendenz. Die einfache Lösung, die Wohlfahrt und ihr Team gefunden haben, befördert das Geschäft. Seit vergangenem Jahr schreibt Ratepay schwarze Zahlen.

          Ein mühsamer Aufstieg

          Der Weg dorthin allerdings war mühsam, die Gründung alles andere als ein Selbstläufer und Miriam Wohlfarth als Start-up-Gründerin auch nicht mehr die Jüngste. Wohlfarth, die ohne abgeschlossenes Studium zunächst im Vertrieb eines Reisekonzerns gearbeitet hatte, dann eher per Zufall im Jahr 2000 bei einem Anbieter im Online-Zahlungsverkehr landete, der später von der Royal Bank of Scotland übernommen wurde, war fast vierzig Jahre alt, als ihr Unternehmen Ratepay 2009 an den Start ging.

          Womit sie und ihre Mitgründer damals alle nicht gerechnet hatten, war der Umstand, dass sie schwer Investoren finden würden. Die Idee war womöglich zu sperrig, der Gründungszeitpunkt vor sechs Jahren ziemlich ungünstig gewählt - 2009 steckten die Banken in einer tiefen Krise. „Und das Wort Fintech gab es damals noch nicht“, erinnert sich die Unternehmerin. Fintech ist die Abkürzung von Finanztechnologie. Dies wiederum ist ein Sammelbegriff für neue, computergestützte Technologien auf dem Feld der Finanzdienstleistungen. Selbst Risikokapitalgeber scheuten damals ein Investment. Drei, vier Jahre später wäre es um ein Vielfaches leichter gewesen und für sie vielleicht auch ein wenig anders ausgegangen.

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