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Anleihenmarkt : Anleihen mit Feuergefahr

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          3 Min.

          Stufe 4 auf dem Flamm-O-Meter: Staatsanleihen aus Uruguay. Einstmals, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt das Land als die „Schweiz Südamerikas“. Doch die verfehlte Importsubstitutionspolitik, vor allem aber der unbewegliche und ineffiziente ausufernde Staatsektor behindern seit Jahren die Entwicklung, so daß das Land immer weiter zurückgefallen ist. Die drohende Zahlungsunfähigkeit im Jahr 2002 konnte das Land durch eine umfangreiche Schuldenumwandlung gerade noch vermeiden. Dies verlieh dem Land Auftrieb, das Länderrisiko ging von 3.099 Punkten im Juli 2002 auf unter 400 Punkte im Februar 2005 zurück.

          Die Bankeinlagen haben wieder leicht angezogen, die internationalen Reserven sind auf rund 2,2 Milliarden Dollar gestiegen. Nach vierjähriger Rezession konnte Uruguay 2003 mit 2,5 Prozent wieder wachsen, 2004 sogar mit 11,8 Prozent. Doch die Rahmenbedingungen bleiben schwierig. Der Kapitalstock ist nach Jahren der Investitionszurückhaltung genauso überaltert, wie die Bevölkerung, deren Struktur durch eine Auswanderungswelle junger leistungsfähiger Menschen zunehmend ungesunder wird.

          75 Prozent der Staatsausgaben entfallen auf Löhne und Sozialversicherung, der Privatisierungsprozeß endete mit abgelehnten Referenden über die Privatisierung der staatlichen Telefongesellschaft Antel und des Mischkonzerns Ancap. Laut Umfragen sind 63 Prozent der Bevölkerung der Ansicht, die staatlichen Unternehmen sollten ganz oder überwiegend in Staatseigentum bleiben. Auf diese Weise dürfte Uruguay weiter krisengeschüttelt bleiben. Zwei Anleihen mit einer Restlaufzeit von rund sechs bzw. sieben Jahren und einer Rendite 6,06 bzw. 6,08 Prozent (ISIN: XS0131127036 bzw. XS0167136786) sind interessant. Das Rating beläuft sich auf B3/B, die Kupons auf sieben Prozent.

          Stufe 5 auf dem Flamm-O-Meter: Staatsanleihen aus Jamaika. Der Karibikstaat ist zwar für Urlauber ein Paradies, kaum aber für die Wirtschaft. Größtes Problem ist der Staatshaushalt. Mit einer Schuldenquote von 136,6 Prozent des Bruttosozialprodukts ist Jamaika eines der höchstverschuldeten Länder der Welt. Der Schuldendienst ist mit einem Anteil von fast 70 Prozent größter Ausgabeposten im Haushalt. Ein gewichtiger Posten bleibt die Abwicklung der für die Rettung des bankrotten Finanzsektors 1997 gegründeten staatlichen Auffanggesellschaft FINSAC. Dafür haben Weltbank, Interamerikanische und Karibische Entwicklungsbank Kredite im Umfang von 325 Millionen Dollar gewährt, weitere 400 Millionen mußte die Regierung am Kapitalmarkt aufnehmen.

          Für 2005/06 wird ein ausgeglichener Haushalt angestrebt, wobei die teuren Inlandsschulden in niedriger verzinste Auslandsverbindlichkeiten umgewandelt werden sollen. Nachdem die Wirtschaft in den neunziger Jahren stagnierte, wurde im Jahr 2000 mit einer Wachstumsrate von 0,7 Prozent eine Trendwende gefeiert. Derzeit liegt das Wachstum bei 1,5 bis zwei Prozent. Insgesamt ist das Land wirtschaftlich immer noch ausgesprochen anfällig. Das Rating liegt bei B1/B, die drei Anleihen (ISIN: DE000A0ACPU0, DE000A0DAKG8 und DE000A0DED93) laufen noch dreieinhalb bis neun Jahre und rentieren zwischen 6,19 und 7,97 Prozent bei Kupons von 10,5 und elf Prozent.

          Stufe 6 auf dem Flamm-O-Meter: Colt Telecom. Mit B3/B- werden die Anleihen des britischen Netzbetreibers Colt Telecom bewertet. Seit Jahren gelingt es dem Unternehmen nicht so recht, auf die Erfolgsspur zu gelangen. Die Marktbedingungen seien weiter „schwierig“. Nach wie vor verbrennt das Unternehmen Geld und macht Verluste im dreistelligen Millionen-Pfund-Bereich. Die Schulden belaufen sich auf zwei Milliarden Pfund, was etwas weniger als der Jahresumsatz ist.

          Schon im Jahr 2002 mußte Mehrheitsaktionär Fidelity Investments der in London ansässigen Gesellschaft unter die Arme greifen. Seitdem hat Colt Investitionen zurückgefahren und Stellen abgebaut, um wieder in die Gewinnzone zu kommen. Gehofft wird auf das Jahr 2006. Die bisherigen Verbesserungen sind eher marginal. Die Verschuldung nach Verbesserungen im zweiten Halbjahr 2004 wieder deutlich angestiegen. Die Colt Telecom-Anleihe rentiert derzeit mit 7,47 Prozent bei einem Kupon von 7,625 Prozent.

          Stufe 7 auf dem Flamm-O-Meter: Thiel Logistik war ein Liebling des Neuen Marktes. Mehr als 48 Euro bezahlten Anleger im August 2000 für eine Aktie. Der Logistik-Dienstleister macht in der jüngsten Vergangenheit vor allem durch fortwährende Prognosensenkungen von sich reden - allein in diesem Jahr schon zweimal. Vor Steuern und Zinsen (Ebit) werden in diesem Jahr nur noch 25 bis 30 Millionen Euro erwartet. Erst Anfang April hatte das Unternehmen seine Prognose von „50 Millionen plus x“ auf 36 Millionen Euro gesenkt.

          Im Zusammenhang mit der zweiten Senkung der Gewinnerwartung warf Verwaltungsratschef Winter den früheren Vorständen vor, die Geschäftsentwicklung zu positiv dargestellt zu haben. Derzeit sucht Thiel nach einem neuen Vorstandschef. Im ersten Halbjahr gingen die moderaten Umsatzsteigerungen von 4,2 Prozent einmal mehr zulasten des Ergebnisses, das operativ um ein Fünftel auf 10,3 Millionen Euro einbrach. Schuld daran seien vor allem die operativen Probleme des neuen Möbel-Verteilzentrums in Lemgo sowie die Abfindungen für die ausgeschiedenen Manager.

          Fast 600 Millionen Euro Verbindlichkeiten hat das Unternehmen, dessen Anleihe kein Rating besitzt und noch über sieben Jahre läuft. Bei einem Kupon von acht Prozent rentiert sie derzeit mit 9,193 Prozent.

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