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Zypern-Anleihen : Die neuen Lieblinge der Spekulanten

Zypern hat der Agentur Bloomberg zufolge Staatsanleihen über insgesamt rund 8,2 Milliarden Euro ausstehen. Bild: dapd

Griechenland in klein: Keiner weiß, ob Zypern bald pleite ist. Das hat die Renditen gewaltig in die Höhe getrieben. Auch Privatanleger steigen in Zypern-Anleihen ein.

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          Zypern ist die drittgrößte Insel im Mittelmeer - gut eine Million Einwohner, 225 Kilometer lang, 90 Kilometer breit. Einige Leute kennen das Land vielleicht, weil sie dort mal im Urlaub waren. Oder aus den Nachrichten, immerhin sorgten die Streitigkeiten zwischen dem türkischem Nord- und dem griechischen Südteil immer mal wieder für Fernsehberichte.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seit der Umschuldung Griechenlands aber bekommt die kleine Inselrepublik aus ganz anderen Gründen Aufmerksamkeit. Das kleine Euroland könnte auch einen Rettungsschirm nötig haben. Deshalb sind seine Staatsanleihen in Spekulantenkreisen so etwas wie die legitimen Nachfolger der Griechen-Bonds geworden. Portugal, Spanien, Italien: Geh mir weg damit, sagt so mancher spekulative Anleger - und setzt lieber auf Zypern.

          Zyperns Bankensystem eng mit Griechenland verbunden

          Zu Recht? „Zypern-Anleihen sind im Augenblick ein hoch spekulatives Investment“, sagt David Schnautz, Anleihen-Experte der Commerzbank in London. „Die Kreditausfallversicherungen für sie notieren nach der Griechenland-Umschuldung auf Höchstständen.“ Die Märkte fragten sich, ob auf die griechische Umschuldung nicht bald eine weitere in dem Nachbarland folgen wird.

          Renditen zehnjähriger Staatsanleihen
          Renditen zehnjähriger Staatsanleihen : Bild: F.A.Z.

          Immerhin ist das Bankensystem in Zypern eng mit Griechenland verbunden. „Viele Banken in Zypern halten griechische Staatsanleihen“, sagt Schnautz. „Viele von ihnen haben auch Filialen in Griechenland.“ Diese Banken hätten zum Teil hohe Kredite an Unternehmen und Privatpersonen in Griechenland vergeben. „Zudem sind die Banken in Zypern, ähnlich wie seinerzeit in Irland, im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt des Landes relativ groß.“

          Privatkunden entdecken Zypern-Anleihen als Anlageobjekt

          Bei der Commerzbank-Tochter Comdirect bestätigt man, dass auch Privatleute in Deutschland mittlerweile die Zypern-Anleihen als Anlageobjekt entdeckt hätten. Auch wenn es noch keinen solchen Ansturm auf der Internetplattform gebe wie seinerzeit bei den Griechen-Anleihen.

          Zypern hat der Agentur Bloomberg zufolge Staatsanleihen über insgesamt rund 8,2 Milliarden Euro ausstehen. Im Vergleich zu Griechenland „Peanuts“, könnte man frei nach Ex-Deutsche-Bank-Vorstand Hilmar Kopper sagen. Für solch ein kleines Land ist das aber nicht wenig. „2,25 Milliarden davon werden 2012 noch fällig“, sagt Anleihen-Experte Schnautz.

          Würden die Euro-Staaten auch Zypern retten?

          Es gibt nur drei Anleihen mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Euro. „Die werden am genauesten beobachtet.“ Eine Anleihe, die im Juni 2013 fällig wird, steht noch bei 91 Prozent des Nennwertes. Ein länger laufendes Papier, mit Fälligkeit im November 2015, wird nur noch zu 70 Prozent gehandelt. „Das zeigt, dass viele Anleger mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einen Schuldenschnitt dazwischen einplanen“, meint Schnautz.

          Worüber man allerdings wenig weiß, ist die Frage, ob die anderen Eurostaaten Zypern genauso retten würden wie Griechenland. Und ob dann trotzdem, wie bei Griechenland, die privaten Gläubiger beteiligt würden. Das Land hat zwar seit dem 1. Januar 2008 den Euro als Währung. Für die Stabilität des gesamten Euroraums ist es aber ungleich weniger wichtig als Griechenland.

          Russland hat Zypern aus geostrategischen Gründen Geld geliehen

          Bislang hat sich vor allem Russland mit einer Art Rettungsschirm in Zypern engagiert, wohl aus geostrategischen Gründen. „Russland hat Zypern einen Kredit von 2,5 Milliarden Euro über viereinhalb Jahre zu 4,5 Prozent gewährt“, sagt Schnautz. „Das wird auf Dauer vermutlich nicht reichen.“

          Zwar könnte das Land seine dieses Jahr fällig werdenden Staatsanleihen mit den russischen Milliarden bedienen - vorausgesetzt, das Geld ist noch nicht anderweitig verplant. Unklar ist aber, wie stark der Staat in Zypern darüber hinaus für seine relativ großen Banken wird einspringen müssen.

          Wer Zypern-Anleihen kauft, kann also über allerhand Fragen spekulieren: Braucht Zypern bald auch den EFSF oder ESM? Werden die Russen noch einmal einspringen, um einen Fuß in der Tür eines Eurolandes zu haben? Werden die anderen Euroländer das genau aus solchen Gründen verhindern? Und also selbst helfen?

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