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Zweiklassengesellschaft : Die wachsende Teilung der Euro-Peripherie

Bild: F.A.Z.

Die Lage an den Anleihemärkten Spaniens und Italiens hat sich etwas entspannt. Nicht nur umfangreiche verdeckte Käufe aus China sorgen für Nachfrage. Griechenland und Irland hingegen bleiben unter Druck. Und Portugal kämpft.

          An den Anleihemärkten in der Euro-Peripherie bildet sich immer deutlicher eine Zweiklassengesellschaft heraus. Während sich die Lage in Spanien und Italien etwas entspannt, beurteilen Marktteilnehmer die Situation in Griechenland, Irland und zunehmend auch Portugal als verzweifelt. Dies zeigt sich an dem Auseinanderlaufen der Preise für Kreditausfallderivate (CDS) auf fünfjährige Staatsanleihen dieser Länder (siehe Grafik) sowie auch an der Entwicklung der Renditen von Staatsanleihen.

          Die Entwicklung der Preise für griechische CDS belegt einen weiteren deutlichen Anstieg der Risikoprämien, aber fast noch dramatischer sieht ein Blick auf die Renditen griechischer Staatsanleihen aus. Hier rentieren Papiere mit dreijähriger Restlaufzeit mit astronomischen 16 Prozent; zehnjährige Papiere rentieren mit 12 Prozent ebenfalls jenseits von Gut und Böse. Griechenland weist damit eine inverse Zinskurve aus: Niedrige Laufzeiten rentieren höher als lange Laufzeiten. Hierin wie in der schieren Höhe der Renditen zeigt sich die Erwartung des Marktes auf eine Umschuldung.

          Ein klarer Kandidat für Hilfen

          Der Handel bleibt dünn. Nach Angaben der Bank von Piräus beträgt der durchschnittliche Tagesumsatz an der Athener Börse knapp 50 Millionen Euro. Am ehesten finden noch Geschäfte mit kurzen Laufzeiten statt; die Umsätze mit mittleren und längeren Laufzeiten bezeichnet die Bank von Piräus als „vernachlässigbar“. Während an eine Emission neuer mehrjähriger Anleihen nicht zu denken ist, will die Regierung in Athen durch die Ausgabe kürzer laufender Geldmarktpapiere weiterhin Präsenz bei den Investoren zeigen. Für den kommenden Dienstag ist der Verkauf sechsmonatiger Schatzwechsel vorgesehen.

          Neben Griechenland bezieht Irland, dessen zehnjährige Staatsanleihe mit sehr hohen 9,10 Prozent rentiert, Hilfen seiner Partner. Schaut man auf die jüngste Entwicklung, so bewerten die Marktteilnehmer auch Lissabon als einen klaren Kandidaten für Hilfen. Der Abstand sowohl der Preise für CDS wie der Anleiherenditen gegenüber dem spanischen Nachbarn hat sich zuletzt spürbar vergrößert. Die zehnjährige portugiesische Staatsanleihe rentiert seit rund einem Monat über der Marke von 7 Prozent. Auf die Dauer gilt am Markt ein solches Renditeniveau als viel zu hoch für das südwesteuropäische Land. Zuletzt betrug die Rendite 7,34 Prozent.

          Doch die Regierung will sich nicht einfach geschlagen geben. Am vergangenen Mittwoch verkaufte sie Schatzwechsel mit Laufzeiten von 6 und 12 Monaten bei starker Nachfrage und zu akzeptablen Konditionen. Aber bei längeren Laufzeiten ist die Lage schwieriger. Refer, die Gesellschaft für den Betrieb der portugiesischen Eisenbahn-Infrastruktur, ist in dieser Woche mit dem Versuch gescheitert, eine Anleihe über 500 Millionen Euro durch ein Bankenkonsortium zu plazieren. Der portugiesische Staat will am kommenden Mittwoch über eine Anleihe mit Fälligkeit September 2013 zwischen 750 Millionen und 1 Milliarde Euro aufnehmen. Gleichzeitig hat Lissabon angekündigt, zwei in den kommenden Monaten fällig werdende Staatsanleihen schon im März vorzeitig tilgen zu wollen.

          Derweil ist es um die Staatsanleihen Spaniens und Italiens ruhiger geworden. Nicht nur sorgen umfangreiche verdeckte Käufe aus China für Nachfrage. Der größte Betreiber von Anleihefonds in der Welt, die kalifornische Pimco, lobte Spanien dieser Tage für seine Bereitschaft, privates Kapital bei der Sanierung der Sparkassen zu akzeptieren. Dies sei ein soliderer Schritt als der misslungene Versuch Irlands, die Risiken seiner Banken auf den Staatshaushalt zu nehmen, heißt es bei Pimco.

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