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Zinssenkung : Billiges Geld gegen die Rezessionsangst

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die amerikanische Notenbank wird bald den Leitzins senken. Das ist schlecht für den Dollar und wegen der Inflationsgefahr gut für das Gold. Denn Investoren vertrauen auf die Werthaltigkeit des Goldes und wollen sich so vor Verlusten schützen.

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          Mit den Leitzinsen in Amerika geht es bald weiter bergab. Das hat der oberste Währungshüter in der Federal Reserve, Ben Bernanke, in ungewöhnlich deutlichen Worten angekündigt. Spätestens am 30. Januar, zum Ende des zweitägigen Treffens des Offenmarktausschusses, wird der Zielzinssatz für Tagesgeld weiter herabgeschleust. Und die Fed wird es wohl nicht mit einem kleinen Zinsschritt bewenden lassen. Eine deutliche Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt ist nach Einschätzung Bernankes notwendig, um den gestiegenen Konjunkturrisiken zu begegnen. Andernfalls hätte der Fed-Chairman nicht das Wort „substantiell“ in seinen Ausführungen gebraucht.

          Die Marktteilnehmer können sich darauf nun ihren Reim machen: Auf der einen Seite hebt die Aussicht auf billigeres Geld die Stimmung, weil sich dadurch die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen verbessern. In dieser Weise sind die Kursgewinne kurz nach der Rede Bernankes zu deuten. Auf der anderen Seite zeugt die Ankündigung aber auch von einem wachsenden Konjunkturpessimismus in der Fed.

          Die Furcht schlägt aufs Gemüt

          Eine Rezession ist zwar nicht das wahrscheinlichste Szenario der Währungshüter, sondern nur ein verhältnismäßig schwaches Wachstum über einige Quartale hinweg; doch die Furcht vor einem Schrumpfen der Wirtschaft schlägt auch den Börsianern aufs Gemüt, wie zum Ausklang der Handelswoche spürbar wurde, als der Dow Jones knapp 2 Prozent auf 12.606 Punkte verlor. Die Erwartung sinkender kurzfristiger Zinsen und einer schwächeren Konjunktur ist aber auch abzulesen auf dem Kapitalmarkt: Dort wirft die maßgebliche amerikanische Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit derzeit nur noch 3,8 Prozent ab, rund 1,5 Prozentpunkte weniger als im Sommer vergangenen Jahres.

          Eine deutliche Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt ist laut Ben Bernanke notwendig

          Die Marktauguren prophezeien derzeit fast ohne Ausnahme eine fortgesetzt hohe Schwankungsanfälligkeit der Kurse in den kommenden Wochen, nicht nur in Amerika, sondern auch an anderen Handelsplätzen wie Frankfurt, London oder Tokio. Denn auch andernorts führt das Gerede von einer Rezession in den Vereinigten Staaten zur Verunsicherung. Allerdings können die Marktteilnehmer im Euro-Raum nicht darauf hoffen, dass ihnen die Europäische Zentralbank (EZB) mit einer Leitzinssenkung die Perspektiven verbessert. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat die unmissverständliche Botschaft gesendet, dass es um die Wirtschaft des Euro-Raums nicht schlecht bestellt sei, dass aber die Risiken für die Preisstabilität längst nicht gebannt seien. Der Währungshüter appellierte vor allem an die Tarifparteien, nicht durch überzogene Abschlüsse eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale in Gang zu setzen. Die Euro-Notenbanker, die seit Jahresbeginn die Verantwortung für die Geldpolitik in 15 Ländern tragen, neigen damit offenkundig zu einer Zinserhöhung und nicht zu einer Politik billigeren Geldes.

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