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Zinsprodukte : Die Rendite des Bertelsmann-Genussscheins lockt

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Auch Genussscheine wurden von der Kreditkrise in Mitleidenschaft gezogen. Das Papier von Bertelsmann wirft dadurch derzeit eine Rendite von deutlich mehr als 9 Prozent ab. Trotz höherer Risiken als bei Anleihen ist das durchaus reizvoll.

          Ähnlich wie Unternehmensanleihen haben zuletzt auch Genussscheine unter den Turbulenzen an den Finanzmärkten gelitten. Das gilt auch für die beiden existierenden Genussscheine des Verlags- und Medienkonzerns Bertelsmann (zu dem unter anderem der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, die Verlagsgruppe Random House, die Druck- und Dienstleistungssparte Arvato und die RTL Group gehören), die wohl die bekanntesten Vertreter ihres Bereichs in Deutschland sind.

          So weist der Genussschein 2001 mit der Isin DE0005229942, der im Vergleich mit dem Genussschein aus dem Jahr 1992 (Isin DE0005229900) über ein deutlich höheres Volumen (499 Millionen zu 17 Millionen Euro) verfügt und wegen der daraus resultierenden höheren Börsenliquidität vom Unternehmen selbst als „der Bertelsmann Genussschein“ bezeichnet wird, derzeit noch eine Notiz von 160 Prozent auf. Gemessen am 52-Wochenhoch von 235,60 Prozent ist das ein beachtlicher Rückfall.

          Ausgeschüttet werden 15 Prozent des Grundbetrags

          Daraus errechnet sich eine Rendite von immerhin 9,375 Prozent. Zumindest dann, wenn die Ausschüttung des Genussscheins weiterhin 15 Prozent des Grundbetrags beträgt. Dies wird laut Statuten solange der Fall sein, wie ein in der Bertelsmann AG dafür ausreichender Konzernjahresüberschuss und Jahresüberschuss erwirtschaftet wird.

          Zur Renditeberechnung sei noch folgendes ergänzt: Der Genussschein hat einen Grundbetrag von 10 Euro. Die Notierung an der Börse erfolgt als Prozentnotiz. Bei einem Kurs von aktuell 160 Prozent ergibt sich je Bertelsmann Genussschein über einen Grundbetrag von 10 Euro ein Kurswert von 16 Euro. Die Ausschüttung wird ebenfalls in Prozent vom Grundbetrag dargestellt, das heißt bei einer Ausschüttung von 15 Prozent entfallen auf jeden Bertelsmann Genussschein im Grundbetrag von zehn 10 Euro folglich 1,50 Euro.

          Kennen müssen Anleger natürlich auch die im Vergleich zu Anleihen erhöhten Risiken. So ist die 15-prozentige Ausschüttung nicht fix oder garantiert, sondern sie kann im Falle eines nicht ausreichenden Konzernjahresüberschusses auch geringer oder ganz ausfallen. Der angestrebten jährlichen Ausschüttung von 15 Prozent des Grundbetrags steht somit als Gefahr eine Beteiligung an etwaigen Verlusten gegenüber.

          Risiken nicht vergessen

          Sofern die Gesamtkapitalrendite des Konzerns in einem Geschäftsjahr negativ ist, entfällt auf die Genussscheine ein Verlustanteil. Die Verlustbeteiligung bestimmt sich nach dem Prozentsatz der negativen Gesamtkapitalrendite, bezogen auf den Grundbetrag der Genussscheine. Ein solcher Verlustanteil ist durch Gewinnanteile der Folgejahre auszugleichen. Im Liquidations- oder Konkursfall werden die Rückzahlungsansprüche der Genussscheininhaber gegenüber den Forderungen der Gläubiger nachrangig behandelt.

          Gemessen an den für das erste Halbjahr vorgelegten Zahlen der Gütersloher sollte für das Geschäftsjahr 2008 eine 15-prozentige Ausschüttung aber gewährleistet sei. Der Umsatz der fortgeführten Aktivitäten sank in diesem Zeitraum zwar um 1,2 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro, aber der Gewinn vor Zinsen und Steuern aus den fortgeführten Geschäften stieg gleichzeitig von 472 Millionen Euro auf 673 Millionen Euro. Auch die Kreditwürdigkeit kann bei einer von der Ratingagentur Standard & Poor´s vergebenen Note von BBB+ als durchaus solide bezeichnet werden.

          Trotzdem werden die Anleger sehr gespannt darauf warten, was das Unternehmen am 11. November anlässlich der Bekanntgabe der Zahlen für die ersten neun Monate zu berichten haben wird. Und natürlich wird es dabei auch stark auf den abgegebenen Ausblick ankommen, schließlich haben auch die Befürchtungen, die Kreditkrise könnte sich negativ auf den Werbe- und damit Medienmarkt auswirken, den Kurs der Genussscheine in Mitleidenschaft gezogen. Wenn die Welt nicht untergeht, ist aber einer Gesellschaft wie Bertelsmann zuzutrauen, letztlich gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

          Aufträge sollten limitiert werden

          Zum Handel der Genussscheine sei noch angemerkt, dass es sich bei einer etwaigen Orderaufgabe lohnt, genau zu vergleichen und die Aufträge zu limitieren. So schwankten am gestrigen Donnerstag nicht nur die Notierungen zwischen den Börsenplätzen in Frankfurt und Stuttgart stark, sondern auch in Stuttgart selbst ging es sehr volatil zu. Denn es wurden Umsätze sowohl zu einem Kurs von 167 als auch von 160 Prozent getätigt. Bei Zinsanleihen, wo es auf jede Stelle nach dem Komma ankommt, ist es ein wesentlicher Unterschied, ob man zum Tageshoch oder zum Tagestief zum Zuge kommt.

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