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Zinspolitik : Starker Euro senkt Gefahr höherer Leitzinsen

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Ein höherer Euro dämpft die Inflation. Um wie viel, zeigt eine ZEW-Studie. Das Ergebnis macht die erwartete Erhöhung der Leitzinsen unwahrscheinlicher.

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          Vor allem die deutschen Exportunternehmen beobachten die jüngste Aufwertung des Dollar mit einer gewissen Sorge. Das ist wenig überraschend, verteuert ein höherer Euro doch ihre Exportgüter.

          Aber ein steigender Euro bringt für die Konjunktur in Europa nicht nur Nachteile. Für die weitere Zinspolitik der Europäischen Zentralbank kann er sogar segensreiche Wirkungen haben. Denn bei einer anhaltenden Aufwertung des Euro wirkt dies dämpfend auf die Inflation. Schließlich verbilligen sich dadurch die Importpreise.

          ZEW-Studie zeigt die Effekte

          Um welche Dimensionen es dabei geht, hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) jetzt berechnet. In einer Studie kommen die Autoren zu dem Schluss, dass eine zehnprozentige Aufwertung der Währung gegenüber den wichtigsten Handelspartnern die Konsumentenpreise innerhalb von zwölf Monaten um etwa 0,4 Prozent sinken lässt. Nach drei Jahren belaufen sich die Auswirkungen sogar auf 0,8 Prozentpunkte.

          Zum Zeitpunkt der Erhebung betrug die effektive nominale Aufwertung des Euro seit Jahresbeginn rund fünf Prozent. Mithin sollte bereits der bisherige Effekt die Inflationsrate um 0,2 Prozentpunkte drücken. Und bekanntlich hat der Euro zuletzt speziell gegenüber dem Dollar weiter zugelegt und sich ganz nahe an die Parität vorgeschoben. Seit dem Jahrestief hat er sich im Verhältnis zur US-Devise damit schon um über 15 Prozent verbessert.

          Gelten die alten Mechanismen auch in Euroland?

          Hält der Trend zu einer Aufwertung des Euro an, wofür aktuell mehr als dagegen spricht, könnte sich der inflationsdämpfende Effekt sogar noch verstärken. Jedenfalls kommt Felix Hüfner als Mitautor der ZEW-Studie zu folgendem Schluss: „Der Außenwert des Euro dürfte für die weitere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank eine nicht unwesentliche Rolle spielen: Die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung der Leitzinsen noch in diesem Jahr wird durch die inflationshemmende Euro-Aufwertung geringer.“

          Allerdings mit der Einschränkung, dass sich seit der Einführung des Euro die Mechanismen der Überwälzung nicht verändert haben. Denn die auf Daten der vergangenen 20 Jahre zurückgreifende Studie basiert natürlich auf der Annahme, dass sich die früheren Zusammenhänge auch in Europa mit einer einheitlichen Währung nicht wesentlich geändert haben. Doch da gravierende Veränderungen unwahrscheinlich sind, dürfte in der Tat die Euro-Aufwertung dazu führen, dass die eigentlich schon bald erwartete Zinserhöhung durch die EZB verschoben wird.

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