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Zinsen : Die globale Sparschwemme drückt den Realzins

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Stephen Jen von der Investmentbank Morgan Stanley erwartet deshalb eine Neuauflage der „Jagd nach Rendite“. Sie gilt als eine der Ursachen für die aktuelle Kredit- und Bankenkrise.

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          Die anschwellende Flut an Ersparnissen hat das globale Niveau der langfristigen realen Zinsen nach Berechnungen der Investmentbank Morgan Stanley auf den niedrigsten Stand seit mindestens 25 Jahren gedrückt. Wenn die aktuelle Krise an den Finanzmärkten abgeklungen sei, werde das niedrige Zinsniveau im zweiten Halbjahr zu einem „enthusiastischen Anstieg“ der Preise von riskanten Vermögenswerten wie zum Beispiel Aktien führen, sagt Stephen Jen voraus, der Chefdevisenstratege von Morgan Stanley. Seine These von der Sparschwemme und deren weitreichenden Folgen für die Weltwirtschaft hat Jen erstmals schon im März des Jahres 2004 vorgetragen. Inzwischen wird sie in vielen Notenbanken geteilt. Nicht zuletzt Ben Bernanke, der Chef der amerikanischen Notenbank Fed, hat sie sich unter dem Stichwort „The Global Saving Glut“ zu eigen gemacht.

          Jens neue Studie lässt weitreichende Schlussfolgerungen zu. So steht mit der „Schwemme an Ersparnissen“ im Prinzip viel kostengünstiges Kapital für Sachinvestitionen zur Verfügung; das schafft gute Voraussetzungen für ein fortdauernd kräftiges Wachstum der Weltwirtschaft. Zudem erscheinen die „globalen Ungleichgewichte“ - dabei insbesondere das hohe amerikanische Leistungsbilanzdefizit - als weniger bedrohlich für die Stabilität der Finanzmärkte: Jen jedenfalls sagt voraus, dass im zweiten Halbjahr Kapitalzuflüsse in Richtung Vereinigte Staaten den derzeit schwächelnden Dollar stabilisieren und aufwerten lassen dürften.

          „Jagd nach Rendite“

          Andrerseits könnte das niedrige Niveau der Realzinsen die „Jagd nach Rendite“, die als eine der Ursachen für die aktuelle Kredit- und Bankenkrise gilt, schon bald unter etwas anderen Vorzeichen wiederaufleben lassen. Denn ein niedriges Zinsniveau zwingt viele institutionelle Anleger geradezu dazu, in höher rentierliche Anlagen zu investieren; nur so können sie die Renditeversprechen einlösen, die sie den Anlegern gegeben haben.

          Nach den Berechnungen von Jen ist der gewichtete Durchschnitt der realen Renditen zehnjähriger Staatsanleihen der zehn wichtigsten Finanznationen (“G 10“) zuletzt auf 1,4 Prozent gefallen. Die reale Rendite ergibt sich, wenn von der nominellen Rendite die Inflationsrate abgezogen wird. Das reale Zinsniveau sei damit nur noch etwa halb so hoch wie im Durchschnitt der neunziger Jahre, dementsprechend müssten die Vermögenspreise theoretisch ungefähr doppelt so hoch sein wie in jenem Zeitraum, schreibt Jen - und leitet daraus seine Prognose für eine kräftige Hausse riskanter Vermögenswerte im zweiten Halbjahr ab.

          Überschüsse in China

          Ursache der bereits seit längerem herrschenden Sparflut ist, dass die Ersparnisse in vielen Ländern den heimischen Investitionsbedarf bei weitem übersteigen. Das führt in Ländern wie China sowie den Ölstaaten zu großen Überschüssen im Außenhandel und in der Folge zu einem großen Export von Kapital auf die internationalen Finanzmärkte. Einen guten Teil ihrer Exporteinnahmen investieren diese Überschussländer als Währungsreserven in Staatsanleihen vor allem der Vereinigten Staaten, aber auch anderer G-10-Länder wie zum Beispiel Deutschlands oder der Schweiz. Das treibt die Kurse dieser Anleihen nach oben - und ihre Renditen nach unten.

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