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Zertifikate : Fremdwährungsanlage mit Risikomanagement

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Bild: FAZ.NET

Festgeld ist praktisch und sicher, doch fehlt es in Euro derzeit einfach am Ertrag. Fremdwährungskonten bieten mehr Zins, doch droht das Wechselkursrisiko. Mit einem Zertifikat der ABN Amro läßt sich das Risiko aber beherrschen.

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          Festgeld ist ja eine schöne Sache. Der Ertrag ist planbar, die Laufzeit kurz, die Risiken gering. Einzige Voraussetzung: es muß jemand bereit sein, ein paar akzeptable Zinsen dafür zu bezahlen. Und das ist derzeit reichlich schwierig. 2,5 Prozent bietet die in den Niederlanden ansässige türkische Finansbank und das ist derzeit das beste Angebot.

          Angesichts von Inflationsraten über zwei Prozent man man neidvoll ins Ausland schielen, in dem Zinsen von vier Prozent oder deutlich mehr geboten werden. Gäbe es da bloß nicht das vermaledeite Wechselkursrisiko, das die Rendite mehr als nur deutlich verwässern kann.

          Festgeld aus acht Ländern

          Am besten wäre natürlich eine gute Risikostreuung, indem das investierte Geld auf verschiedene Währungen verteilt wird. Doch dann wird die einfache und praktikable Festgeldanlage mit einem Mal unübersichtlich und möglicherweise gebührenintensiv.

          Dieses Problem war auch der ABN Amro-Bank bekannt, die im Segment der Zins-Zertifikate bereits länger aktiv ist. Im Februar brachte die Bank daher ihr „Super Zins Festgeld Zertifikat“ (Isin: NL0000110476) auf den Markt. Es handelt sich dabei um ein Open-End-Zertifikat, das die Veränderungen des „ABN Amro Money Market Super Yield Index“ widerspiegelt.

          Dieser setzt sich aus den Drei-Monats-Zinsen acht verschiedener Länder zusammen, wie sie von Banken mit einem Kurzfrist-Rating von mindestens „A1+“ gewährt werden. Bei den acht Ländern handelt es sich um Australien, Großbritannien, Mexico, Neuseeland, Polen, Südafrika, die Türkei und Ungarn.

          Automatisches Management des Wechselkursrisikos

          Laut Emittent ist diese Auswahl so zusammengestellt, daß die Währungen eine negative oder geringe Korrelation untereinander und gegenüber der Zertifikatwährung aufweisen, so daß das Währungsrisiko stark reduziert werde. Damit soll die Volatilität des Index möglichst gering gehalten werden.

          Um Übergewichtungen in einer Währung aufgrund von Wechselkurseffekten zu vermeiden, werden die Indexkomponenten zweimal im Jahr erneut gleichgewichtet. Dadurch sollen Gewinne von Indexkomponenten, die sich gut entwickelt haben, realisiert werden und verstärkt in Festgelder schwächerer Währungen investiert werden, bei denen die Bank höhere Renditen und erhöhtes Aufwertungspotential erwartet. Das senkt vor allem aber das Währungsrisiko.

          Dabei rechnet ABN Amro darauf, daß die Zentralbanken auf stärkere Abwertungen mit einer Anhebung der Leitzinsen reagieren, um so wieder verstärkt Kapital ins Land zu locken und so den Abwertungsdruck zu mildern.

          Damit verfolgt die Bank also eine kurzfristig ausgerichtete Anlagestrategie, die der Drei-Monats-Anlage auch durchaus entspricht. Derzeit erscheint eine solche Strategie auch nicht die schlechteste zu sein, da gerade am kurzen Ende eher Zinsanstiege erwartet werden.

          Negativszenarien möglich, aber derzeit nicht absehbar

          Zwar verzichtet die Emittentin durch das automatisierte Management dabei natürlich darauf, gut laufende Anlagen auszureizen, was sich in der Rendite auch negativ bemerkbar machen kann. Indes ist eher davon auszugehen, daß sich negative und positive Effekte der Anlagestrategie ausgleichen.

          Andererseits gibt es wie immer Szenarien, in denen die Anlagestrategie nicht von Erfolg gekrönt sein dürfte. Wenn zum Beispiel eine der Währungen dauerhaft zum Euro abwertet, womöglich weil das betreffende Land eine „Beggar-thy-neighbour“-Politik zugunsten seiner Export-Industrie eingeschlagen hat, und daher nicht mit Zinserhöhungen reagiert, führt der Anlageautomatismus dazu, daß die Abwertungsbelastung verstetigt wird. Da aber die anderen Währungen zum Teil nicht negativ korrelieren, kann dieser Effekt nicht ausgeglichen werden. Indes ist ein solches Szenario in den betreffenden Ländern derzeit nicht absehbar.

          In der hypothetischen Rückrechnung (Backtesting) bezifferte ABN Amro die Nettorendite des Papiers auf 6,2 Prozent nach Gebühren - das ist nicht schlecht. Indes zeigt sich, daß bei einer durchschnittlichen Nettorendite nach gebühren von 9,83 Prozent in den vergangenen vier Jahren die Erträge etwas zurückgegangen sind.

          Das liegt zum einen an den hohen Mittelzuflüssen in Schwellenländer, zum anderen an der verbesserten wirtschaftlichen Stabilität dieser Länder. Dies hat oftmals zu starken Senkungen des Zinsniveaus geführt. So betrug der Leitzins in Ungarn im Februar 2002 noch 8,5 Prozent, immerhin zweieinhalb Prozentpunkte über dem heutigen Satz.

          Die Geld-Brief-Spanne mit der das Zertifikat gehandelt wird ist mit regulär 0,35 Prozent recht niedrig gewählt. Indes fallen Indexgebühren von 0,85 Prozent jährlich an, die fortlaufend vom Wert des Zertifikats abgezogen werden. Dessen Entwicklung an den ersten beiden Handelstagen war negativ. Der Geldkurs ist von 99,03 Euro am Freitag auf 98,93 Euro gefallen. Aber das sollte man nicht überbewerten.

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