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Windreich-Anleihen : Ein Windmüller ängstigt seine Geldgeber

Das Problem hat einen Namen, im Bericht der Ratingagentur Creditreform findet es sich unter dem Punkt „Risiken“. Dort steht weit vorne das Stichwort: „Sicherstellung der Liquidität“. Vor allem mit diesem sperrigen Fachbegriff hat es zu tun, dass die Ratingagentur die Windreich-Anleihen lediglich zur Kategorie der hochspekulativen Papiere zählt.

Denn der Bau eines Windparks auf hoher See kostet gewaltige Summen - Projektausgaben von 1,5 Milliarden Euro sind keine Seltenheit. Geld verdienen Projektentwickler wie Windreich aber erst, wenn der Windpark fertig und ans Stromnetz angeschlossen ist - dann nämlich können sie den Park verkaufen. In der Planungs- und Bauphase aber müssen die Windfirmen ständig frisches Geld nachschießen - nichts anderes ist mit Liquidität gemeint.

Um diese war es bei Windreich zuletzt nicht zum besten bestellt, wie Balz selbst einräumt: „Das ist unsere einzige Schwachstelle.“ Deswegen haben viele Anleger das Vertrauen in die Windreich-Anleihen verloren. Schließlich ächzt die Firma unter einer Schuldenlast von 300 Millionen Euro und noch ist kein einziger der Meereswindparks am Netz. Hinzu kommen die geplanten Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die vor allem zu Lasten der Windbranche gehen.

Energiewende in Person

Balz kann die Aufregung trotzdem nicht verstehen. „Alle Zinszahlungen für die Anleihen haben wir stets pünktlich und zuverlässig geleistet.“ Man solle ihn jetzt mal endlich machen lassen. Schließlich gehöre er zu denjenigen, die an vorderster Front eine der drängendsten nationalen Aufgaben umsetzen würden - er sei quasi die Energiewende in Person.

Solche Sätze meint Balz tatsächlich ernst, bei ihm gerät immer alles eine Spur zu groß, zu prahlerisch. Nicht ohne Grund musste der Windreich-Chef seinen Vorstand schon häufiger umbauen, so manche Führungskraft ging im Streit - der Windunternehmer lässt sich nicht gerne ins Geschäft hereinreden. Karl-Gerhard Eick, Ex-Finanzvorstand der Deutschen Telekom, war einige Zeit als Berater für Windreich tätig, zog sich aber Ende des vergangenen Jahres zurück. Balz sagt: „Ich habe ihn gefeuert.“

Dass es ihm am Gespür für den richtigen Ton bisweilen mangelt, findet der Windreich-Chef nicht. Nur wenige hätten eben die Fähigkeit, sein Tempo auf Dauer mitzugehen. „Das ist wie bei Bayern München: Wer den hohen Anforderungen nicht genügt, fliegt raus.“

Viel Wind

Trotz solcher Poltereien gelingt es Balz immer wieder, prominente Köpfe für die Firma zu gewinnen. Zuletzt übernahm Moderatorin Sabine Christiansen den Posten der stellvertretenden Aufsichtsratschefin - ein Marketingcoup. Ähnlich stolz ist der studierte Ingenieur auf seine Bekanntschaft zu Bergsteiger Reinhold Messner und zu Virgin-Gründer Richard Branson. Typen wie er, findet Balz. „Geradlinig, unbeirrbar, erfahren im Umgang mit Widerständen.“

Und überhaupt ist Willi Balz überzeugt, dass mehr Unternehmer im Lande so sein müssten wie er selbst. „Als Ingenieur überblicke ich die technischen Fragen, ich verfüge über kaufmännischen Sachverstand und bin Eigentümer der Firma - eine hervorragende Kombination.“ Auch wenn sich auf dem Meer noch kein einziges seiner Windräder dreht - im Windmachen ist Willi Balz bereits jetzt unschlagbar.

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