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Wie die Märkte auf die Wahlen reagieren : Fatalismus und Gelassenheit

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Positive Impulse aus Frankreich? Wahlsieger Hollande Bild: AFP

Die Wahlergebnisse sind so ausgefallen wie an den Märkten erwartet - und lösen weder Panik noch Jubel aus: Die einen geben Griechenland ohnehin verloren, andere hoffen auf positive Impulse aus Frankreich. Die Reaktionen im Überblick.

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          Deka: Kursrückgänge bis in den Juni hinein

          Der neue französische Präsident wird zunächst seine Wahlkampfversprechen abarbeiten und sich mit seinen europäischen Partnern verdrahten, erwartet Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. „Das wird die Aktien- und Rentenmärkte gleichermaßen mit Kursrückgängen belasten, was mindestens bis zu den französischen Parlamentswahlen im Juni anhalten wird.“ Danach müsse François Hollande dann zeigen, aus welchem Holz er wirklich geschnitzt sei. „Die Märkte werden Frankreich im Jahresverlauf zunehmend kritischer beurteilen, weil die gegenwärtigen Wachstumserwartungen nicht eintreffen werden und Frankreich im Reformstau steckt“, sagt Kater. Wird Hollande sich als der französische Schröder herausstellen, wenn die Arbeitslosigkeit weiter ansteigt und wenn Frankreich an den Kapitalmärkten immer mehr in die zweite Liga rutscht? „Angesichts seiner bisherigen Äußerungen ist dies schwer vorstellbar“, sagt Kater. Allerdings sollte man nicht unterschätzen, welchen Pragmatismus die Sachzwänge im Amt hervorrufen können (ham.)

          Döttinger/Straubinger: EZB wird Anleihemärkte beruhigen müssen

          Die Erwartungen, dass Hollandes Politik sich deutlich von seinen Worten vor der Wahl unterscheiden wird, dürften enttäuscht werden, vermutet hingegen Ralf Zimmermann. Der Chefanlagestratege des Münchener Vermögensverwalters Döttinger/Straubinger erwartet zwar, dass Hollande seine Pläne wie einen Spitzensteuersatz von 75 Prozent auf Einkommen ab 1 Million Euro und die Senkung des Renteneintrittsalters von 62 auf 60 Jahre nur in geringen Teilen wird umsetzen können. „Für höhere Ausgaben ist in Europa kein Spielraum vorhanden, aber sinnvolle Strukturreformen werden durch den Linksruck in Frankreich nicht begünstigt“, sagt Zimmermann. Bedeutsamer sei ohnehin die Wahl in Griechenland. Ihr Ausgang stelle mittelfristig die Euro-Mitgliedschaft des Landes in Frage. „Es steht zu befürchten, dass die Kapitalmärkte zunehmend unter der Erwartung eines Euro-Austritts handeln werden. In diesem Fall droht die Ansteckung auf andere Peripherieländer“, sagt Zimmermann. Er erwartet, dass die Europäische Zentralbank durch weitere Anleihekäufe oder Garantien wird versuchen müssen, die Anleihemärkte zu stabilisieren. Solange das nicht passiert, werde der Aktienmarkt in rauem Fahrwasser bleiben. (ham.)

          Die Entwicklung von Euro, Athener Börse und Staatsanleihen bis zum Tag nach der Griechenlandwahl Bilderstrecke

          Credit Suisse: Lage in Griechenland ausweglos

          Stefan Keitel, globaler Chefanlagestratege der Credit Suisse, hält die griechische Situation ohnehin für ausweglos: „Wir nähern uns dem nächsten Schuldenschnitt.“ Die dortigen Probleme seien aber hinlänglich bekannt. „Auch ein Austritt Griechenlands aus dem Euroraum wäre für die Eurozone und für die Märkte verkraftbar“, sagt Keitel. Das Wahlergebnis in Frankreich sei so erwartet worden und habe sich lange abgezeichnet. So scharf wie die Rhetorik vor der Wahl komme es nachher aber nur selten. „Eine gewisse Wachstumsstimulierung ist zudem per se nichts Schlechtes.“ Mit Blick auf die Kursrückgänge an den Aktienmärkten in den vergangenen Wochen sieht Keitel nun wieder eher Kaufgelegenheiten. Angesichts der besonderen Schwäche der Aktienmärkte der Peripherie erwägt die Credit Suisse, sich hier künftig wieder zu engagieren. „Der spanische Aktienmarkt ist seit Jahresbeginn um 20 Prozent gefallen, der deutsche um 10 Prozent gestiegen“, sagt Keitel. „Die Schere hat sich hier zu weit geöffnet.“ Generell rät die Credit Suisse jedoch zum übergewichten deutscher und asiatischer Aktien, insbesondere gegenüber amerikanischen Titeln. (dmoh.)

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